5 Bereiche, in denen du Energie und Geld sparen kannst.

Augen zu und durch? Die Energiepreise verändern sich gerade so schnell, dass wir kaum noch hinterherkommen. Und alle sagen dir: Spar Energie. So richtig viele Gedanken, wo du hier überall ansetzen kannst, hast du dir bisher nicht gemacht. Klar, Licht ausmachen und Stecker ziehen, kennst du. Aber, da geht noch mehr. Hier erfährst du, in welchen Bereichen du direkt lossparen kannst.

von Sabrina - Lesezeit: 7 Minuten

Inhalt:

  1. Mach selber Strom.
  2. Nutze PV-Gadgets.
  3. Verändere deine Gewohnheiten.
  4. Hol dir smarte Tools.
  5. Wähle effiziente Geräte.
  6. Verändere deine Mobilität.

1. Mach selber Strom.

Was viele nicht wissen: Wir alle können Eigenstrom produzieren – ob als Mieter:in oder als Eigenheimbesitzer:in. Wer das nötige Heim und Budget hat, fährt mit einer PV-Anlage richtig gut. Wer ein Haus oder eine Wohnung mietet, kann zum Beispiel ein Stecker-Solarmodul anbringen oder mithilfe von Solar-Gadgets die Energie der Sonne nutzen. Und wo sich viele Haushalte zusammentun, macht ihr mit Mieterstrom wirklich einen Unterschied.

Kleine Energielieferanten: Solarstrom für die Mietwohnung.

Du hast einen Balkon oder eine Gartenlaube? Dann ist ein Stecker-Solarmodul gut investiertes Geld. Damit lebst du zwar noch nicht völlig autark, kannst aber zum Beispiel genug Strom produzieren, um Joghurt und Kopfsalat zu kühlen oder Wäsche zu waschen.

Eine:r für alle.

Wusstest du, dass du mit selbst erzeugtem Solarstrom nicht nur deine Stromkosten senkst, sondern auch die Strompreise für alle? Je mehr Ökostrom produziert wird, desto weniger teure Energieimporte sind notwendig –, weil die verfügbare, erneuerbar erzeugte Energiemenge dann reicht, um den Energiebedarf zu decken.

Selbstversorger werden: Solarstrom für Eigenheimbesitzer:innen.

Wer Hausdach, Garage, Carport, Wintergarten oder Fassade mit den blau-schwarzen Elementen verziert, kann nicht nur der Sonne beim Arbeiten zusehen, sondern auch richtig Geld sparen: Eine Kilowattstunde Strom von einer Photovoltaikanlage bis 10 kWp kostet etwa 6 bis 11,5 Cent. Dagegen kostete eine Kilowattstunde Ökostrom aus dem Netz schon 50 Cent und mehr. Und wer seinen Stromanbieter wechselt, sollte schon mal vorsorglich mit bis zu 70 Cent rechnen.

Eigenheimbesitzer:innen, die in eine PV-Anlage inklusive Speicher betreiben, können damit rund 60 % ihres Bedarfs decken. Ein Beispiel: Familie Müller, die im Jahr 5.000 Kilowattstunden Strom verbraucht – und diesen nur aus dem Netz bezieht – würde bei einem Kilowattstundenpreis von 50 Cent jährlich 2.500 Euro zahlen. Stellt sie nun 60 % ihres Bedarfs selbst her und zahlt im Schnitt für eine Kilowattstunde aus der eigenen Dachanlage 10 Cent, sinken die Stromkosten der Müllers auf 1.000 Euro im Jahr.

Klar, die Investition in die Anlagentechnik kostet, aber du wirst bei der Finanzierung nicht alleine gelassen. Der Staat unterstützt dich etwa mit dem KfW-Kredit 270 Erneuerbare Energien.

Gemeinsame Sache machen: Mieterstrom.

Mieterstrom bedeutet, dass die Haushalte oder Geschäfte in einem Mehrparteiengebäude gemeinsam den Strom vom eigenen Dach nutzen. Und das lohnt sich: Schon vor der Energiepreiskrise zahlten Mieter:innen, die ihren Strom selbst produzierten, mindestens 10 % weniger als beim Strombezug allein aus dem öffentlichen Stromnetz. Bei einem Kilowattstundenpreis von 50 Cent und einem Verbrauch von 3.000 kWh spart ein 3-Personen-Haushalt schnell über 150 Euro im Jahr. Je mehr die Preise im Zuge der Energiekrise steigen, desto höher die Ersparnis. In Baden-Württemberg gibt es für Neubauten schon eine PV-Pflicht – auch für Wohngebäude. Ab 2023 wird die Pflicht auch auf Dachsanierungen ausgeweitet.

Wirklich Mieterstrom entdecken

2. Nutze PV-Gadgets.

Ein bisschen was geht immer: mit Solar-Gadgets kannst du dir ganz einfach ein paar Mini-Stromerzeuger zulegen, zum Beispiel Solarleuchten fürs Fahrrad oder eine sonnenbetriebene Lichterkette für den Balkon. Nützlich ist auch eine Solar-Powerbank, mit der du Handy oder Tablet laden kannst. Wunder darfst du nicht erwarten: Um in kurzer Zeit viel Strom zu generieren, braucht es möglichst große Sonnenkollektoren. Und da die meisten Gadgets unterwegs zum Einsatz kommen sollen, sind die integrierten Solarpanels entsprechend klein gehalten. Generell gilt es hier abzuwägen, wie viel die Geräte kosten und wie viel Energie du mit ihnen erzeugst und ergo Netzstromkosten sparst. Solarkocher, -Lautsprecher oder -Glühbirne sind vor allem praktische Begleiter für unterwegs, wenn du keine Steckdose hast, aber keine großen Geldsparer für den klassischen Einsatz daheim.

3. Verändere deine Gewohnheiten.

Ob beim Zähneputzen, im Homeoffice oder beim Pizzabacken: im Alltäglichen steckt oft ein großes Potential, Energie zu sparen. Zwei drei kleine Gewohnheiten verändert – und schon tut sich ordentlich was auf der Strom- oder Gasrechnung. Und das ganz nebenbei.

Stromfresser: Multitasking.

Während der Fernseher im Hintergrund läuft, sitzt du mit dem Smartphone auf der Couch und lädst es gleichzeitig. Eventuell steht auch noch ein aufgeklappter Laptop auf dem Couchtisch. So entsteht schnell ein viel höherer Stromverbrauch, als nötig wäre.

So viel kostet dich eine Stunde Multitasking:

1 Stunde Fernsehen: 100 bis 460 Watt = 5 bis 23 Cent

+ 1 Stunde Laptop nutzen/laden: 60 bis 80 Watt = 3 bis 4 Cent

+ 1 Stunde Smartphone laden: 25 bis 30 Watt = 1,25 bis 1,5 Cent

= 185 bis 570 Watt = 9,25 bis 28,5 Cent

Das sieht auf den ersten Blick nicht so teuer aus. Aber Hand auf’s Herz: das ist keine einmalige Situation, sondern eher alltäglich und dann bei 150 Tagen für eine Spielfilmdauer von zwei Stunden sind das schnell über 100 Euro. Die Rechnung variiert natürlich je nach Typ und Größe deiner Geräte und ist abhängig vom Strompreis. In dieser Rechnung sind wir von einem Kilowattstundenpreis von 50 Cent ausgegangen.

Stromfresser: Falsche Geräte-Einstellung.

Sparen kannst du auch beim Warmwasser, zum Beispiel indem du warm statt heiß duscht oder mit kaltem Wasser deine Wäsche wäscht. Ein Waschgang bei 30° verbraucht nur halb so viel Energie wie ein Waschgang bei 60°. Und die Waschmaschine braucht im Eco-Programm einfach viel weniger Strom als bei Buntwäsche-Programmen. Sauber wird’s trotzdem. Versprochen.

Stromfresser: Halbe Sachen machen.

Nutze die Geräte, wenn du sie wirklich brauchst. Die Waschmaschine sollte voll sein, wenn sie läuft. Und Elektrogeräte, die du nicht brauchst, kannst du ruhig vom Stromnetz trennen. Ein Standby braucht keiner. Das ist vor allem bei älteren Geräten einmal wichtiger. Laut Verivox kann ein 3-Personen-Haushalt im Jahr bis zu 150 Euro sparen, wenn alle Haushaltsgeräte und die Unterhaltungselektronik komplett ausgeschaltet werden.

99 Energiespartipps

4. Hol dir smarte Tools.

Smarte Thermostate.

Apropos Gadgets, statt kompletter Smart-Home-Systeme reichen schon ein paar smarte Tools, um deine Energieversorgung effizienter zu gestalten. Wenn du auch zu denjenigen gehörst, die dem Thermostat wenig Beachtung schenken und eine Einstellung drin lassen – ob sie da sind oder nicht, helfen dir zum Beispiel smarte Thermostate. Sie regulieren automatisch die Heiztemperatur im Raum oder reagieren auf die Wetterlage. Smarte Thermostate helfen außerdem, die Temperatur konstant zu halten. Das ist mit klassischen Thermostaten oft gar nicht auf’s Grad genau möglich. Und immerhin werden laut Faustformel mit jedem Grad weniger rund 6 % Heizenergie gespart. Alles in allem kannst du mit smarten Thermostaten bis zu 30 % Heizenergie sparen – das konnten Studien zeigen. Ein Haushalt, der (vor der Energiepreiskrise) rund 2.000 Euro im Jahr fürs Heizen ausgab, würde demnach mit der Technik 600 Euro Heizkosten sparen.

Smarte Stecker für deine Elektrogeräte.

Kostet wenig, bewirkt viel: Mit einem smarten Zwischenstecker lassen sich elektronische Geräte per App oder Sprachbefehl steuern – auch die alten Kaliber. So können diese aus dem unnötigen Standby-Betrieb befreit werden. Bei manchen smarten Steckern kannst du ganze Szenen programmieren, so dass zum Beispiel mit einem Zuruf vor dem Schlafengehen alle Lichter, dein Fernseher sowie die Spielekonsole ausgeschaltet sind.

Viele Stecker-Modelle messen außerdem den Stromverbrauch von Geräten und machen ihn via App sichtbar. Und das wirkt. Denn wer weiß, wieviel Strom er an welcher Stelle verbraucht – und wie ineffizient manche Geräte laufen – nutzt diese in Zukunft bewusster. Wer’s richtig ernst meint, kann natürlich auch in ein komplettes Smart-Home-System investieren.

5. Wähle effiziente Geräte.

Wer schon einmal einen neuen Kühlschrank gekauft hat, kennt das Spiel: die Auswahl ist groß, die Designs vielfältig und die Features endlos. Zum Glück gibt es eine Kategorie, die die Spreu vom Weizen trennt: die Energieeffizienz deines Geräts. Du erkennst sie ganz einfach anhand des EU-Energielabels. Dieses teilt elektronische Geräte in Effizienzklassen von A bis G ein. A ist besonders effizient, G besonders ineffizient. Über einen QR-Code erhältst du noch mehr Infos zum Produkt. Eine Auswahl besonders effizienter Geräte findest du zum Beispiel bei ecotopten.de, Utopia und natürlich Stiftung Warentest.

So liest du das EU-Energielabel

Investieren, um zu sparen.

Zugegeben: Sehr effiziente Geräte kosten oftmals etwas mehr. Bei den absurd hohen Strompreisen kann sich eine hohe Effizienz aber schnell auszahlen. Die wahren Kosten eines neuen Geräts ergeben sich immer erst aus dem Kaufpreis und den Betriebs-, das heißt den Stromkosten. Ein Gerät mit einem günstigen Kaufpreis und einem hohen Stromverbrauch kann also auf lange Sicht ganz schön teuer werden. Ein neues Gerät sollte außerdem immer zu deiner Haushaltsgröße passen. Eine Familien-Waschmaschine ist für einen Single-Haushalt überdimensioniert, da kann sie noch so effizient sein.

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6. Verändere deine Mobilität.

Unsere Energieversorgung verbinden wir hauptsächlich mit unserem eigenen Zuhause. Aber natürlich geht es nicht nur um unsere eigene Heizung, unsere eigenen elektronischen Geräte. Auch Fortbewegung verbraucht eine Menge Energie. Und – wie gesagt: Je weniger fossile Energie wir brauchen, umso günstiger wird’s für uns alle.

Elektrisch fahren – mit Solarstrom.

Wer ein E-Auto fährt, mit einer PV-Anlage selbst Strom produziert und eine eigene Ladestation besitzt, kommt besonders grün und günstig voran. Nehmen wir an, dich kostet eine Kilowattstunde aus deiner eigenen PV-Anlage 10 Cent und du fährst einen E-Golf mit einem Verbrauch von 15,8 kWh/100 km. Dann zahlst du für diese hundert Kilometer nur 1,58 Euro. Ein Diesel betriebener Golf mit einem Verbrauch von 4,8 Liter pro hundert Kilometer kostet bei einem Spritpreis von 1,96 Euro pro Liter (Durchschnitt August 2022) schon 9,40 Euro. Laut einer Studie von Check24 fahren die Deutschen 11.230 Kilometer im Jahr. Wer ein E-Auto fährt, zahlt in diesem Beispiel und beim ausschließlichen Laden zu Hause 177 Euro, das Verbrenner-Auto 1.056 Euro. Ein Unterschied von 879 Euro.

Und als Stadtmensch in einer Mietwohnung? Selbst wer nur öffentliche Ladestationen nutzt, ist mit dem Elektroauto besser aufgestellt. Bei einem Kilowattstundenpreis von 50 Cent spart man etwa 1,50 Euro je 100 Kilometer und 168 Euro im Jahr.

Auto stehen lassen.

Es geht schon mit der Frage los, mit welchem Gefährt man loszieht. Tut es auch das Fahrrad? Wie sind die Bus- oder Zugverbindungen? Würden wir nur auf jede vierte Freizeit-Autofahrt über 20 Kilometer verzichten, könnten wir 1,2 Millionen Tonnen Kraftstoff pro Jahr einsparen, hat Greenpeace berechnet. Ein autofreier Sonntag würde im Jahr rund 1,3 Milliarden Liter fossile Brennstoffe einsparen. Das entspräche 2,6 % des Kraftstoffabsatzes und 1,4 % der Ölimporte in Deutschland. Bis jetzt hat sich die Politik noch nicht zu einer solchen Maßnahme durchringen können: es ist also Eigenverantwortung gefragt.

Langsamer fahren.

Auch fast schon tragikomisch, dass am Tempolimit in Deutschland einfach nicht gerüttelt wird. Aber langsamer fahren, bringt’s trotzdem. Laut Umweltbundesamt würde ein Tempolimit von 100 km/h auf der Autobahn und 80 km/h auf der Landstraße den Kraftstoffverbrauch im Verkehr um 3,8 % senken. Sparen kannst du aber auch ohne Tempolimit. Laut ADAC verbraucht ein Mittelklasseauto um bis zu zwei Drittel mehr Kraftstoff, wenn es mit 160 km/h statt mit 100 km/h auf der Autobahn unterwegs ist. Je schneller du fährst, desto höher ist der Luftwiderstand und desto mehr Energie verbraucht dein Auto.

Und wenn du sowieso nur durch 30er-Zonen fährst, ist das ein gutes Indiz dafür, dass du einfach kein Auto brauchst und dir eine Menge Geld sparen kannst. Laut Statistischem Bundesamt geben die Haushalte durchschnittlich 233 Euro im Monat für den Unterhalt und die Nutzung von Autos aus. Die Erhebung stammt aus dem Jahr 2018, man darf also getrost noch ein paar Euros draufschlagen. Schon im Mai 2021 waren Benzin und Diesel laut Statistischem Bundesamt um 27,5 % teurer als im Vorjahreszeitraum. Für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel geben die Deutschen dagegen im Schnitt nur 33 Euro im Monat aus.

Du siehst: Wer seine Energieversorgung selbst in die Hand nehmen will, hat jede Menge Möglichkeiten. Und bestimmt kannst du die ein oder andere Inspiration schnell in deinen Alltag integrieren. Ob du nun selber Strom machst (im kleinen oder großen Stil), smarte Tools und effiziente Geräte nutzt oder an deinen Gewohnheiten schraubst. In unserem Newsletter erfährst du regelmäßig, wie Veränderung möglich wird. Hier anmelden!