Wenn Energieeffizienz den Stromverbrauch erhöht: der Rebound-Effekt | Polarstern Magazin

Paradoxe Vermutung: Gerade weil die Haushaltsgeräte energieeffizienter werden, achten wir manchmal nicht mehr so sehr auf den Stromverbrauch. Wir erklären, was es mit dem sogenannten Rebound-Effekt beim Stromverbrauch auf sich hat – und wie du dich vor ihm schützt.

von Michael

Inhalt

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Was ist der Rebound-Effekt bei elektrischen Geräten?

Über Leute, die sich bewusst für den fettarmen Joghurt entscheiden, nur um sich am Ende zehn davon reinzuknallen, braucht man sich nicht lustig machen. Jeder beschummelt sich selbst. Energieeffiziente Haushaltsgeräte sind ein gutes Beispiel und es gibt auch einen Begriff dafür: Rebound-Effekt. Bezogen auf den Konsumbereich Strom beschreibt der Effekt das Phänomen, dass die versprochene Energieeinsparung von elektrischen Haushaltsgeräten nicht eintritt, weil Geräte länger und öfters genutzt werden. Bewusst oder unbewusst belohnt man sich, eine umweltfreundliche Lösung gewählt zu haben, so die Vermutung.

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Der direkte Rebound-Effekt beim Stromverbrauch.

Energieeffizienz beim Fernseher ist ein typisches Beispiel. Bringt ein Hersteller ein Modell auf den Markt, das 10 % energieeffizienter ist als sein Vorgänger, würde man auch eine Energieeinsparung von 10 % erwarten. Oft wird sie aber nicht erreicht, weil das Effizienzversprechen eine Verhaltensänderung beim Nutzer auslöst: Der Fernseher läuft jetzt öfters nebenbei, zum Beispiel beim Kochen oder zum Einschlafen. Hätte man früher nie gemacht. Wenn dann eine Energieeinsparung von nur 5 % erreicht wird, liegt der Rebound-Effekt bei 50 %. Liegt der Rebound-Effekt bei 100 %, spricht man von Backfire. Dann wurde gar keine Energie eingespart, vielleicht sogar mehr verbraucht als vorher.

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Der indirekte Rebound-Effekt beim Stromverbrauch.

Es gibt auch indirekte Rebound-Effekte. Sie treten ein, wenn der Mehrverbrauch nicht an dem selben, sondern einem anderen Gerät verursacht wird. Eine Familie kauft sich zum Beispiel einen neuen, sehr energieeffizienten Fernseher, sortiert den alten aber doch nicht aus. Der Zweitfernseher kommt "übergangweise" (aber eigentlich für immer) ins Schlafzimmer. Danach schaut einer auf der Couch, der andere im Bett – und insgeheim sind doch alle ganz happy mit dem Arrangement. Gelegentlich verursachen umweltschützende Maßnahmen in einem Konsumbereich Reboundeffekte in anderen Bereichen. Die Belohnungslogik hat bestimmt jeder schon mal bei sich entdeckt. 

  • Ich nutze nie Plastiktüten, deshalb darf ich mir mein Essen im Styroporbehälter holen.
  • Ich bin schon lange nicht mehr geflogen, deshalb darf ich die drei Meter von der Haustür bis zum Supermarkt mit dem Auto fahren.
  • Ich kaufe Geräte mit der höchsten Effizienzklasse A+++, und genau deshalb das größte Modell.

 

Was energieeffiziente Geräte bislang gebracht haben.

Wie hoch Rebound-Effekte liegen, hängt stark vom Konsumbereich ab. Untersuchungen zur Beleuchtung in Privathaushalten etwa entdeckten geringe Effekte von unter 10 %. Insgesamt hat die technische Entwicklung zunächst für einen Rückgang des privaten Stromverbrauch gesorgt. Laut Bundesumweltamt um etwas unter 8 % zwischen 2008 und 2016. Im IKT-Bereich konnte das Borderstep-Institut für Innovation und Nachhaltigkeit einen Senkung des Stromverbrauchs um 10 % zwischen 2010 und 2015 erkennen, und die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass der Endenergieverbrauch zwischen 2000 und 2016 ohne die Entwicklung technologischer Effizienz um 12 % höher ausgefallen wäre. Vor allem Maßnahmen wie die Reduzierung des Standby-Stromverbrauchs, die Öko-Design-Verordnung für Fernseher und die Energieverbrauchskennzeichnung haben viel bewegt. Erst mal. Denn es zeichnet sich eine Trendwende ab, die das richtiges Nutzerverhalten mit energieffizienten Waschmaschinen, Geschirrspülern, Fernseher und co. noch wichtiger macht.

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Wo die Rebound-Fallen beim Stromverbrauch lauern.

Bereits 2017 konnte das Statistische Bundesamt keine Verringerung des Stromverbrauchs für Haushaltsgeräte mehr feststellen; der Verbrauch stagnierte um die 56 Milliarden Kilowattstunden im Jahr. Das mag auch daran liegen, dass wir uns immer mehr Geräte ins Haus holen. Vor allem vernetzte Geräte bereiten den Experten Kopfschmerzen. Denn der permanente Datenaustausch im Internet verbraucht viel Strom, und da kommt einiges auf uns zu. Das Borderstep Institut prognostiziert eine Zunahme von vernetzten Haushaltsgeräten in Europa von ca. 1,7 Millionen Stück bis 2025, der einen zusätzlichen Stromverbrauch von 70 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr verursachen wird. Das ist in etwa ein Siebtel des deutschen Jahresstromverbrauchs. Die zusätzlichen Kosten für die Nutzung von vernetzten Geräten pro Jahr werden auf bis zu 100 Euro pro Haushalt geschätzt. Das Statistik-Portal statista geht davon aus, dass 2020 jede Person auf der Welt im Schnitt 6,6 vernetzte Geräte nutzen wird. Globaler Bestand: ca. 50 Milliarden Stück.

 

Wer ist anfälliger für den Rebound-Effekt?

Wer ist anfälliger für den Rebound-Effekt? Genau das hat vor ein paar Jahren das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe untersucht. Demnach haben Verbraucher eher den Energiespareffekt verfehlt, wenn Geld sparen der wichtigste Grund für den Kauf von energieeffizienten Geräten war. Menschen, die sich dagegen energieeffiziente Geräte aus Umweltschutzgründen zugelegt hatten, schöpften das Effizienzpotenzial eher aus. Andere Studien entdeckten Rebound-Effekte auch eher bei Mietern als bei Eigenheimbesitzern und eher bei einkommensschwachen Haushalten. Aktuell läuft eine Studie an der Technischen Hochschule Aachen, die sich mit der Frage beschäftigt, ob die eigene Stromversorgung mit einer Solaranlage zu Rebound-Effekten führt und mit welchen Maßnahmen diese vermieden werden können.

 

Wie man sich vor dem Rebound-Effekt schützt.

Am besten nutzt man Geräte lange, bis ihr Lebenszyklus abgelaufen ist und gebraucht sie, wie man es sowieso gelernt hat. Wirklich ausschalten wenn man sie nicht braucht; so schöpft man auch die Energieeffizienz aus. Hilfreich sind außerdem Smart Meter. Die intelligenten Stromzähler sind zwar auch vernetzt, nichtsdestotrotz helfen sie, einen genauen Einblick in sein Stromverhalten zu bekommen. Man sieht viel einfacher, wo tatsächlich Strom gespart werden kann – und dass man dazu neigt an den falschen Stellen anzusetzen. Im Schnitt können Haushalte nach Einbau eines Smart Meters ihren Stromverbrauch um 15 % reduzieren.

 

Klimaschutz: Auch deshalb müssen wir über Rebound-Effekte sprechen.

Es ist schon komisch. Die Technologien, die wir alle nutzen, sie fühlen sich so sauber an. So nach frisch gebohnertem Apple Store. Der Betrieb von Smartphones und IT-Services bläst aber jedes Jahr in Deutschland 33 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Eine Metaanalyse von 170 internationalen Studien ergab, dass die globalen CO2-Emissionen durch digitale Technologien zwischen 2013 und 2018  von 2,5 % auf 3,7 % gestiegen sind. So gesehen, ist es wichtig über das Rebound-Thema zu sprechen. Auch wenn Geräte immer intelligenter werden: Nur mit Mitdenken lassen sich Energiesparpotenziale voll ausschöpfen. Und Klimaschutz gibt es natürlich nur, wenn man die effizienten Geräte mit der richtigen Energie betreibt. Mit Wirklich Ökostrom von Polarstern zum Beispiel verursacht man beim Betrieb der Geräte praktisch kein CO2 mehr. 

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