Gemeinwohl-Ökonomie: Klingt gut, aber was bedeutet sie für Mitarbeiter?

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein alternatives Wirtschaftsmodell, bei dem das Wohl von Mensch und Natur oberstes Unternehmensziel ist. Die Sparda Bank-München und Polarstern sind die Ersten ihrer Branchen, die die Gemeinwohl-Ökonomie unterstützen. Zwei Mitarbeiter beider Unternehmen unterhalten sich darüber, wie diese Wirtschaftskultur ihren Büroalltag prägt.

Marianne Schmid ist in einem Umfeld aufgewachsen, in dem Arbeit nichts mit Selbstverwirklichung zu tun hatte, sondern mit Pflichterfüllung – mehr nicht. Ihr eigener Weg verlief zum Glück anders. Seit 25 Jahren arbeitet Marianne bei der Sparda Bank-München – ein zweites Zuhause, wie sie sagt. Denn dort wurde die Gemeinwohl-Ökonomie aus ihrer Sicht schon weitgehend gelebt, noch bevor der Begriff die Runde machte. So war es auch bei Polarstern. Als ehemaliger Freiberufler im Kulturbetrieb inklusive Rumgetoure mit Band und Plattenkoffer konnte ich mir nicht vorstellen, jemals festangestellt in einem Unternehmen zu arbeiten – und habe dann doch meine Heimat gefunden: Polarstern wurde als Social Business gegründet. Hier war gesellschaftliche Veränderung stets die größere Motivation als Geld. Das hat mich angespornt. Mittlerweile bin ich in meinem sechsten Jahr dabei.

Gemeinwohlorientierte Unternehmen messen ihren Erfolg anders

"GWÖ"-Unternehmen messen ihren Erfolg anders. Nicht allein am finanziellen Wert, sondern genauso an ihrem ökologischen und sozialen Nutzen für die Gesellschaft. In Gemeinwohlbilanzen wird festgehalten, wie die Werte Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung wirklich gelebt werden. 

Polarstern-Mitarbeiter Michael und Marianne Schmid von der Sparda-Bank München diskutieren ihre Rollen als Mitarbeiter in gemeinwohlorientierten Unternehmen.

Wir halten fest: Das bedeutet Gemeinwohl-Ökonomie für Mitarbeiter

 

1. Geld ist wichtig, aber nicht das Wichtigste

Auch in der Gemeinwohl-Ökonomie verdienen Unternehmen Geld. Müssen sie. Aber sie tun es nicht um jeden Preis und es ist auch nicht das primäre Ziel. Bei der Sparda-Bank München sind riskante Deals und Investitionen in Waffen, Menschenhandel und Nahrungsmittel verboten (wie übrigens bei allen nachhaltigen Banken). Gier ist verpönt – das ist bei der Sparda-Bank München so, das ist bei Polarstern so. Marianne und ich sind uns einig, dass Geld zum Glücklichsein dazugehört. Dass immer mehr Geld aber nicht glücklicher macht. Diese Einstellung vom eigenen Arbeitgeber – einem wirtschaftenden Unternehmen – vorgelebt zu bekommen, ist ein schönes Gefühl. Und sie färbt ab auf die Mitarbeiter. Es gibt in beiden Unternehmen keine erfolgsabhängigen Vergütungen wie Bonuszahlungen für abgeschlossene Verträge und es fragt auch keiner danach. Lieber Gutscheine für wirklich gutes Essen oder mehr Urlaub und Freizeit. Aber dann für alle!

2. Flexibles Arbeiten ohne Kontrollgefreake

Ein gesundes Maß an interner Kontrolle ist wichtig, zum Beispiel für die Qualitätssicherung. Aber das Gefühl überwacht zu werden engt ein und verhindert neue, kreative Gedanken. Deshalb gibt es kein "Kontrollgefreake". Weder bei der Sparda-Bank München noch bei Polarstern, und wahrscheinlich bei keinem anderen gemeinwohlorientierten Unternehmen. „Wenn ich die ganze Zeit das Gefühl hätte, kontrolliert zu werden, könnte ich nicht arbeiten“, sagt auch Marianne Schmid. Wir glauben, dass in einem wertegetriebenen Unternehmen die Kontrolle der eigenen Arbeit von den Mitarbeitern kommen muss. Und so wird es auch gelebt: Die Arbeit lässt sich in beiden Unternehmen sehr flexibel einteilen. Kurzfristig wie langfristig. Denn irgendwas ist doch immer im Leben. Ein Kind ist krank, Handwerker kommen zwischen 9 und 18 Uhr oder man will für ein Wochenende auch mal einen früheren Zug erwischen. Die Sparda-Bank München bietet 130 (!) Teilzeitmodelle an, sowie ein Familienzeitkonto, in das  Mitarbeiter Arbeitszeit einzahlen. Zeit, die sie später für die Familie nutzen können. Die Haltung beider Unternehmen ist: Wer sein Privatleben auf die Kette kriegt, wird mit einem freien Kopf in der Arbeit mehr reißen. Dazu passt auch, dass die Unternehmen von Freeletics bis Yoga viele Sportaktivitäten anbieten, damit man auch während der Kernarbeitszeit wieder den Kopf freikriegt.

Wenn nicht gerade Oktoberfest ist, nutzen die Polarsterne die Theresienwiese zum Sporteln. Die "Wiesn" ist in Wurfweite von unserem Büro.

3. Es gibt flache Hierarchien. Aber wirklich.

In der Gemeinwohl-Ökonomie ist "Kommunikation auf Augenhöhe" keine Floskel. Niemand muss sich größer machen, keiner von seinem hohen Ross runtersteigen, um mit anderen auf Augenhöhe zu sein. Sie ist selbstverständlich da. Bei der Sparda-Bank München gibt es eine „Kultur der offenen Bürotür“, auch im Vorstandsbereich. Man kennt sich, schätzt sich, unterhält sich durch alle Ebenen. Im GWÖ-Bericht der Sparda-Bank München heißt es über den Umgang zwischen Mitarbeitern und Führungskräften: „Das bessere Argument ist überzeugender als die höhere Position“. Bei Polarstern geht es schon damit los, dass sich die Gründer selbst als Mitarbeiter bezeichnen, wenn sie über sich selbst schreiben; den Kaffee kochen und sich wie alle anderen um die Spülmaschine kümmern. Sagt eigentlich alles.

4. Du wirst gebraucht, weil du nicht so bist wie dein Kollege

GWÖ-Unternehmen wie die Sparda-Bank München und Polarstern verfolgen einen stärkenorientierten Ansatz. Dahinter steht der Gedanke, dass nicht alle Menschen jede Aufgabe gleich gut können müssen. Warum auch. Jeder Mitarbeiter wird offensichtlich für seine wahren Talente gebraucht. Bei der Sparda-Bank München arbeiten alle Mitarbeiter mithilfe des Clifton StrengthFinders des Gallup-Instituts ihre fünf größten Stärken heraus. Am Ende hängt von jedem Mitarbeiter ein Bild mit den größten Qualitäten (zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit oder Behutsamkeit) an der Wand. Dies stärkt das Selbstbewusstsein einzelner Mitarbeiter und sorgt für Verständnis und Wertschätzung unter den Kollegen. Mehr noch: Weil Mitarbeiter ihre Tätigkeiten in energiespendende, neutrale und energieraubende kategorisieren, werden bestimmte Aufgaben je nach Stärken neu verteilt, sodass sie am Ende wirklich bei der Person liegen, der sie am meisten Spaß machen. Wer seine Berufung lebt und sich auf Herausforderungen konzentriert, die er gerne macht, macht sie gut – und zügig. Davon profitieren alle – Mitrbeiter und Unternehmen.

5. Du  darfst  sollst eine Meinung haben.

In der Gemeinwohl-Ökonomie sind Meinungen der Mitarbeiter nicht nur gefragt, sondern gewollt. Bei der Sparda-Bank München sind Mitarbeiter aktiv bei der Gestaltung des Unternehmens beteiligt. In Workshops wurden Anregungen und Ideen aufgenommen, danach kategorisiert, und viele befinden sich bereits in der konkreten Umsetzung. Zusätzlich gibt es Teams, die neue Maßnahmen für Umweltschutz, Gesundheit und Familienfreundlichkeit entwickeln. Bei Polarstern hat zwar jeder seine Hauptaufgabe, aber Mitsprache und Mitgestaltung in anderen Bereichen sind immer gewünscht. Dazu geben Mitarbeiter Kurse – von Photoshop bis Suchmaschinen optimiertem Texten. Das eröffnet neue Perspektiven und hilft, dass wir uns schneller weiterentwickeln.

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In den meisten Unternehmen läuft es anders ab

Jetzt wird der eine oder andere (hoffentlich) sagen: Was ist besonders an dieser Unternehmenskultur? Ist doch bei mir auch so. Na dann, umso besser! Wer dagegen in seinem Unternehmen noch viel Luft nach oben sieht, kann mehr gemeinwohlorientiertes Wirtschaften im Unternehmen anregen. Es lohnt sich einfach. Auch ökonomisch. Die Bankenkrise etwa, hat die Sparda-Bank München ohne Schaden überstanden, das hat die Bank gestärkt; denn am Ende honorieren viele ethisches Wirtschaften und werden Neukunde. 

Lieber ehrliches Handeln statt CSR-Pflicht

Im Idealfall werden in der Gemeinwohl-Ökonomie Unternehmen zu ehrlichen Role Models für ökologisches oder soziales Handeln. Und dies, weil es allen wichtig ist, und nicht weil man gesetzlich verpflichtet ist, einen CSR-Bericht zu erstellen. Manche Unternehmen waren schon immer gemeinwohlorientiert, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, andere sind vielleicht auf einem guten Weg. Eine Gemeinwohl-Bilanz ist für jedes Unternehmen auch eine gute Möglichkeit herauszufinden, welche Maßnahmen es fürs Gemeinwohl anpacken kann. 

So puschst du die Gemeinwohl-Ökonomie

Über 400 Unternehmen zählen bereits zur Gemeinwohl-Ökonomie. Wenn du dich auch als Kunde mit Herz und Verstand einem gemeinwohlorientieren Unternehmen verbundener fühlst, kannst du dich noch heute für ihre Produkte oder Dienstleistungen entscheiden. Der Bankwechsel geht schneller, als du denkst, und der Strom- oder Gaswechsel sowieso. Dauert nicht länger als die Lesedauer des Artikels.

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Gemeinwohl-Ökonomie wirklich kurz erklärt

 

  1. Die „GWÖ“ ist eine Bewegung für ein alternatives, auf Werten basierendes Wirtschaftsmodell: das Wohl von Mensch und Umwelt muss primäres Unternehmensziel sein.
  2. Der Nutzen eines Unternehmens für das Gemeinwohl wird anhand von Werten gemessen: Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung.
  3. Zur Messung erstellen Unternehmen zusätzlich zum Geschäftsbericht eine Gemeinwohl-Bilanz. Hier wird der Stand des eigenen ökologischen und sozialen Impacts festgehalten, um gegebenenfalls an sich zu arbeiten – und um Bezugsgruppen dazu zu inspirieren, es auch zu tun.
  4. Die Motivation für gemeinwohlorientiertes Wirtschaften ist die Einsicht, dass der persönliche Wohlstand nicht ohne den (welt-)gesellschaftlichen Wohlstand existieren kann.
  5. Unternehmen mit gleichen Werten unterstützen sich: Mehr Kooperation für eine gute Sache statt Ellenbogenmentalität.

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