Solaranlagen liefern Sonnenenergie für Mieterstrom
von Manuel

Es gibt Förderungen wie die Direktförderung durch das EEG die dezentrale Stromversorgung attraktiver machen. Die Berechnung der Mieterstromförderung ist von der EEG-Einspeisevergütung entkoppelt und es gibt festgelegte Vergütungssätze, die einer eigenen Degression unterliegen.

>>> Mehr dazu in unserem Artikel zur Mieterstrom Direktförderung.

Andere Förderungen wie die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) fördern Maßnahmen für mehr Energieeffizienz der Gebäude. Immobilienbesitzer:innen können sie bei energetischen Sanierungen oder für energieeffiziente Neubauten beantragen, für Wohngebäude gilt die BEG WG und für Nicht-Wohngebäude die BEG NWG.

 

Finanzielle Vorteile durch Mieterstrom.

Einerseits wird also die Mieterstromversorgung selbst gefördert und andererseits gibt es gewissermaßen eine Förderhilfe für energieeffiziente Technik. Daneben bieten sich Immobilien- und Anlagenbesitzern durch Mieterstrom künftig verschiedene Geschäftsmodelle, welche die ganzen Investitionen vermutlich sogar noch einmal deutlich attraktiver machen werden.

 

Direktförderung von Mieterstrom.

Im Sommer 2017 wurde das Gesetz zur Förderung von Mieterstrom beschlossen. Mit der beihilferechtlichen Genehmigung durch die EU ist es seit dem 20. November 2017 Gesetz. Die Direktförderung ist eine Ergänzung des EEGs mit dem Ziel, die lokale Stromversorgung von Mehrparteiengebäuden stärker finanziell zu unterstützen. Denn anders als bei Eigenheimbesitzern fällt hier die volle EEG-Umlage an. Und genau das soll durch die Direktförderung etwas ausgeglichen werden. Mit der EEG Novelle Anfang 2021 gab es einige Verbesserungen, um die Förderung und damit den Mieterstrom-Ausbau zu stärken. Mehr dazu haben wir in einem eigenen Artikel zusammengetragen.

Berechnung der Direktförderung.

Wie hoch die Mieterstrom-Förderung im Einzelnen ausfällt, bestimmt sich seit der EEG Novelle 2021 nach einem eigenen Vergütungssatz, der einer leichten Degression unterliegt, welche von der Bundesnetzagentur definiert wird. Der anzulegende Wert für den Mieterstromzuschlag liegt demnach in Abhängigkeit der installierten Leistung zwischen 3,79 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) und 2,37 ct/kWh. Insgesamt hängt die Höhe des Mieterstromzuschlags also von der Größe der Solaranlage, dem Datum der Inbetriebnahme und dem Photovoltaik-Zubau ab.

Ein Anspruch auf den Mieterstromzuschlag gibt es für Solaranlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt bis zu 100 Kilowatt Peak. Und der Strom muss innerhalb des Gebäudes an einen Letztverbraucher geliefert und im Gebäude verbraucht werden.

Keine extra Anmeldung erforderlich.

PV-Mieterstromprojekte haben einen Förderanspruch. Dieser muss nicht extra angemeldet werden. Vielmehr wird im Zuge der ohnehin erforderlichen Absprachen mit dem zuständigen Verteilnetzbetreiber, diesem die Vermarktungsform des erzeugten Stroms und damit automatisch der Förderanspruch mitgeteilt, sofern die Kriterien des Mieterstromgesetzeserfüllt sind. Ausgezahlt wird die Förderung am Ende vom Verteilnetzbetreiber. Mieterstromdienstleister wie Polarstern unterstützen ihre Projektpartner bei der Planung, Anmeldung und Realisierung von Mieterstromprojekten, so dass für die Anlagenbetreiber kein Mehraufwand durch die Direktförderung entsteht.

Reicht die Direktförderung für alle geeigneten Projekte aus?

Die Förderung nach dem Mieterstromgesetz ist auf jährlich 500 Megawatt neu installierter PV-Leistung begrenzt. Das wurde bisher bei weitem nicht ausgeschöpft. So entstanden anstelle der jährlich geplanten 500 MW bis Ende 2020, also innerhalb von zweieinhalb Jahren, insgesamt nur Mieterstromprojekte mit einer Gesamtleistung von 24 MW. Auch deshalb wurden diverse Veränderungen am Mieterstromzuschlag im Zuge der EEG Novelle 2021 vorgenommen.

 

KWK-Förderung.

Wird zur Mieterstromversorgung Strom aus einem Blockheizkraftwerk (BHKW) genutzt, kann die KWK-Förderung beantragt werden. Für jede vor Ort erzeugte und verbrauchte Kilowattstunde erhält der:die Anlagenbetreiber:in gemäß Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz einen Zuschlag von 8 Cent, für eingespeisten Strom sind es 16 Cent/kWh.

Eine Kombination von PV-Anlage und BHKW rechnet sich gerade bei großen Gebäuden und Quartieren. Es werden vergleichsweise hohe Autarkiegrade von im Schnitt über 60 % erzielt.

Werden zur Mieterstromversorgung PV-Anlage und BHKW kombiniert, steigt nicht nur der Autarkiegrad, es können auch zwei Förderungen beantragt werden. In der Abrechnung muss jedoch nachgewiesen werden, wie viel Strom aus der PV-Anlage und wie viel aus dem BHKW lokal genutzt wurde.

 

Mieterstrom: alle Fördermöglichkeiten

BEG-Förderung.

Ziel ist es, den Klimaschutz im Gebäudebereich voranzubringen. Dazu wurden am Ende die 10 bisherigen Förderprogramme von KfW und BAFA in drei neuen Programmen zusammengefasst, neu strukturiert und vereinfacht:

  • BEG WG: für energetische Sanierungen oder energieeffiziente Neubauten von Wohngebäuden nach Effizienzhaus-Standard
  • BEG NWG: für Nicht-Wohngebäuden nach Effizienzhaus-Standard
  • BEG EM: für energetische Sanierungen mit Einzelmaßnahmen mit denen insgesamt kein Effizienzhaus-Standard erreicht wird

Alle drei Programme werden wahlweise als einmaliger Zuschuss (von der BAFA, seit 1. Januar 2021) oder als Kredit mit Tilgungszuschuss (von der KfW; ab 1. Juli 2021) erhältlich sein.

Übrigens: Mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ändern sich auch die Effizienzhaus-Niveaus bzw. -Standards. Es gibt nun die beiden Klassen Effizienzhaus EE und Effizienzhaus NH. Eine "Effizienzhaus EE"-Klasse erreichen Neubauten und Altbausanierungen, wenn mindestens 55 % des Wärme- und Kältebedarfs eines Gebäudes mit erneuerbare Energien gedeckt wird. Eine Effizienzhaus NH-Klasse kann nur bei einem Neubau erreicht werden, wenn für ein Effizienzhaus ein Nachhaltigkeitszertifikat ausgestellt wird. Das gibt es bei akkreditierten Zertifizierungsstellen.

 

Neue Geschäftsmodelle mit Mieterstrom, Investition in die Zukunft.

Für den Immobilienbesitzer bedeutet Mieterstrom die Chance, die Wohnnebenkosten zu senken, sich von der Strompreisentwicklung unabhängiger zu machen, den Immobilienwert zu steigern und Mehrerlöse zu erzielen.

Alles in allem rechnet sich ein Mieterstromangebot für den Immobilienbesitzer:innen am Ende weniger aufgrund von Förderungen, sondern durch die attraktive Mieterstromversorgung der Bewohner:innen und vor allem durch den Imageeffekt sowie perspektivisch durch neue Geschäftsmodelle, die sich künftig aus der dezentralen Stromversorgung im Wohn- und Mobilitätsbereich ergeben. Das unterstreicht: Mieterstrom ist eine nachhaltige Investition in die Zukunft und keine schnelle "Renditemaschine".

Strom teilen und Netz stabilisieren.

Neue Geschäftsmodelle liegen beispielsweise im gebäudeübergreifenden Teilen von Strom. Mittels Smart Meter und Smart Grid können Stromerzeugung und -verbrauch intelligent gesteuert und Strom mit anderen geteilt werden. Daneben gibt es Geschäftsmodelle im Bereich netzrelevanter Services wie zum Beispiel das Konzept des Vehicle2Grid. Dahinter steckt die Integration von Elektroautos in das Stromnetz, genauer gesagt deren Batteriespeicher. Indem die Speicher bidirektional be- und entladen werden, helfen sie, den Eigenstromverbrauch zu steigern und die öffentliche Netzinfrastruktur zu entlasten. Das heißt, die Speicher können Überschussstrom aus dem öffentlichen Netz aufnehmen und speisen umgekehrt bei Strombedarfsspitzen ins Netz ein.

In Zukunft werden auch Wärmepumpen mit ihrem Pufferspeicher in Mieterstromprojekten und in Eigenheimen sowohl als "steuerbare Last", als auch im Eigenverbrauch betrieben. Dabei wird der Strombedarf einer Wärmepumpe gezielt geregelt und so die öffentlichen Stromnetze entlastet. Auch der Pufferspeicher der Wärmepumpe hilft, die Netze zu entlasten, indem zeitlich versetzt Strom bezogen werden kann.

 

Erfolgsfaktoren für Mieterstrom.

Um Mieterstromprojekte nachhaltig erfolgreich umzusetzen ist, ist ein ausgezeichnetes Projektmanagement und ein tiefes Energiemarktwissen entscheidend. Durch die Mieterstromversorgung der Mieter tritt der Anlagenbetreiber in die Rolle eines Energieversorgers mitsamt aller Rechte und Pflichten. Das ist für Immobilienbesitzer ein komplett neues Geschäftsfeld, in das sie sich einarbeiten und kontinuierlich dranbleiben müssen, z. B. durch Schaffung einer eigenen Stelle, oder sie arbeiten mit einem Mieterstrom-Dienstleister zusammen. Die Zusammenarbeit kann flexibel gestaltet werden bis hin zu einem Rundum-Sorglos-Paket.

 

>>> Infos kompakt: Mieterstrom von Polarstern.

Einen Überblick zu den Förderprogrammen bietet die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Sie beinhaltet Programme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union.

Weitere Informationen zu Förderungen gibt es auch beim BINE Informationsdienst. BINE Informationsdienst wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

 

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