Fabrik

Erneuerbare Energien sind nicht nur unsere letzte Chance, dass uns die Welt bald nicht in Form von klimabedingten Katastrophen komplett um die Ohren fliegt. Sie sind auch wesentlich günstiger als die fossilen Energien. Bester Beweis: die aktuelle Energiepreiskrise mit steigenden Preisen. Alle Antworten zu wieso, weshalb, warum erneuerbare Energien die Lösung sind, gibt’s hier.

von Ludwig und Michael

Die Klimaschutzinvestitionen müssen sich verdreifachen. 

Dass die Verbrennung von fossilen Energieträgern die Erde erwärmt, weiß man 
nicht erst seit gestern, sondern eigentlich schon seit dem 19. Jahrhundert. Über 100 Jahre später fehlt immer noch die Ambition beziehungsweise das letzte Fünkchen Panik, um sich komplett auf die Nutzung von erneuerbaren Energien zurückzubesinnen. Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur IEA von 2021 decken weltweit die aktuellen finanziellen Klimaschutzversprechen nur 20 % dessen ab, was nötig ist, um bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Um wieder auf Plan zu kommen, müssten sich die Klimaschutzinvestitionen laut IEA in den nächsten zehn Jahren weltweit verdreifachen. 

Hohe Investitionen – aber machbar.

Wenn wir uns die Treibhausgase und Ziele in Deutschland anschauen, zeigt sich ein ähnliches Bild: Bis zur Klimaneutralität gibt es noch viel zu tun. Um die Treibhausgasemissionen bis 2030 verglichen zu 1990 um 65 % zu senken, sind laut Universität Mannheim und dem Think Tank Agora Energiewende Investitionen von rund 460 Milliarden Euro nötig. Zwar ist bis 2025 derzeit nur ein Budget von 80 Milliarden Euro vorgesehen, doch der finanzielle Mehraufwand, um die Ziele zu erreichen, entspricht laut Janek Steitz, Mitarbeiter bei Agora Energiewende, 1,3 % des Bruttoinlandsprodukts des Jahres 2019. Und plötzlich hört sich das alles wieder machbar an.

Die Klimakrise könnte Deutschland Milliarden kosten.

Die Klimakrise kommt uns richtig teuer zu stehen. Das haben 2021 bereits die katastrophalen Überschwemmungen in Deutschland gezeigt. Eine Studie des Deloitte Economics Institute warnt nun davor, dass auf Deutschland wegen der Klimakrise Kosten von bis zu 730 Milliarden Euro in den nächsten 50 Jahren zukommen könnten. Ohne entschiedenes Gegensteuern werde die Temperatur weltweit um drei Grad steigen, heißt es. Die Erderwärmung werde in Deutschland und weltweit massive Schäden in der Landwirtschaft, Hitzestress, sinkende Tourismus-Einnahmen und gesundheitliche Belastungen verursachen. Die Folgen der Erderwärmung würden so auch das Wirtschaftswachstum in Deutschland bis zum Jahr 2070 erheblich bremsen. Um das zu verhindern, brauche es: 1) einen Umbau der Wirtschaft, 2) eine Dekarbonisierung der Industrie und 3) die Umstellung auf erneuerbare Energien.

Warum die Energiepreise gerade so teuer sind. Spoiler: An den Erneuerbaren liegt’s nicht.

Die konsequente Energiewende ist außerdem nicht nur machbar, sondern auch finanziell attraktiver als der Status Quo. Denn was passiert, wenn die Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien verschleppt werden und man zu lange an den fossilen Energieträgern festhält, sehen wir an der Energiepreiskrise von 2021. Es sind eben jene fossilen Energieträger, die den finanziellen Stress machen. 

Die Preise an den Energiemärkten, insbesondere die Gaspreise, sind 2021 rasant gestiegen. Besonders drastisch war die Preissteigerung im Großhandel für Erdgas, das sich im Terminmarkt seit Januar 2021 im Preis vervierfacht hat. Preise, die die Energieversorger langfristig dann auch an Privatkunden weitergeben. Auch die Strompreise sind gestiegen. Denn die Energiemärkte sind enger verknüpft als du vielleicht vermutest. Gaskraftwerke etwa spielen bei der Stromversorgung eine wichtige Rolle.

Bei steigenden Energiepreisen ist eines für Unternehmen und Privatkund:innen einmal wichtiger: weniger Energie zu verbrauchen. Das schont Klima und Kosten.

Spartrick für alle: 99 Energiespar-Tipps

Ein paar Beispiele, weshalb die Preise bei fossilen Energien durch die Decke gehen:

1. Die Wirtschaft erholt sich von Corona – und braucht Energie.

Die Pandemie ist in den meisten Ländern der Welt halbwegs überwunden, insbesondere die reichen Nationen haben einen Großteil der Bevölkerung geimpft. Die Wirtschaft erholt sich mehr und mehr und somit steigt die Nachfrage nach Strom, Gas und Öl. Die erhöhte Nachfrage weltweit treibt die Energiepreise in die Höhe.

2. Asien ersetzt Kohle durch Gas.

Als einwohnerreichstes Land der Welt hat China einen enormen Energiebedarf. Wegen eines Handelsstreits mit Australien kämpft das Land jedoch mit Lieferengpässen bei der Kohle. Die Folge ist unter anderem, dass die für China nach wie vor wichtige Stromproduktion mit Kohle unrentabel und teuer ist. Die Energieerzeugung mit Kohle, die in China zur Verstromung fehlt, soll durch Gas-Importe ersetzt werden. Tja, und das treibt bei der große Gasnachfrage dann auch die Preise auf dem Weltmarkt.

3. Deutschlands Gasspeicher sind nicht voll.

Aktuell sind die deutschen Erdgasspeicher zu etwa 70 % (Stand: 18. Oktober) gefüllt. Warum die Gasspeicher leerer sind als üblich, ist bei Fachleuten umstritten. Ausfälle und Wartungsarbeiten an der Gas-Infrastruktur in Europa hätten zur Folge gehabt, "dass die Gasspeicher nicht so stark wie sonst üblich über den Sommer gefüllt werden konnten", sagt etwa Eren Çam vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln. Ebenfalls ein Grund: Die Niederlande, immerhin der drittwichtigste Erdgas-Lieferant Deutschlands, haben den Ausstieg aus der Erdgasproduktion beschlossen. Seit im Januar 2018 nahe des Erdgasfelds Groningen ein Erdbeben massive Schäden verursacht hat, sind die Tage der Erdgasproduktion in den Niederlanden gezählt. Derzeit befindet sich das Land mitten im Ausstieg aus der Produktion. Bis Mitte 2022 soll dann gar kein Erdgas mehr gewonnen werden.

4. Gazprom liefert nur die vereinbarte Gasmenge.

Russland ist mit Abstand der wichtigste Lieferant von Erdgas für Deutschland. Doch aktuell liefert das Land ausschließlich die bislang vertraglich vereinbarten Gasmengen. Für mehr Gas bräuchte es neue Abkommen, wie Russland betont. Auch dass die umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2 in der Ostsee noch nicht in Betrieb gegangen ist, macht das Erdgas in Deutschland teurer. Die Inbetriebnahme könnte die Energiekrise entspannen, glauben viele Expert:innen. Zwar haben die Betreiber von Nord Stream 2 bereits erfolgreich technische Tests an der fertigen Pipeline durchgeführt. Doch bis wann Deutschland über die Pipeline mit russischem Erdgas beliefert wird, ist unklar. Die Betriebsgenehmigung der deutschen Behörden steht noch aus. 

5. CO2-Bepreisung.

Weil Deutschland umweltfreundliche erneuerbare Energie günstiger und attraktiver machen möchte, gibt es seit Januar 2021 auch für Gas, Heizöl und Diesel eine CO2-Bepreisung von derzeit 25 Euro je ausgestoßener Tonne CO2 – von Jahr zu Jahr steigend. Auch deswegen sind die Preise für die fossilen Brennstoffe gestiegen. Ziel der CO2-Bepreisung ist es: die Nutzung fossiler Energieträger zu verteuern und den Klimaschutz zu fördern.

6. Ungünstiges Wetter: Langer Winter und Hitzewelle in Nordamerika.

Ein weiterer Grund für die gestiegenen Energiepreise war in den zurückliegenden Monaten das Wetter. Der vergangene Winter war in Europa zwar nicht übermäßig kalt, er dauerte jedoch sehr lange. Selbst das Frühjahr 2021 war vergleichsweise kalt. Auch in Russland verzog sich der Winter erst spät. Die Menschen mussten – überwiegend mit Gas – viel und lange heizen, so dass die Gasspeicher im Frühjahr weitgehend leer waren.

Im Sommer kam dann erschwerend hinzu, dass weite Teile Nordamerikas unter einer enormen Hitzewelle litten wie sie nur extrem selten vorkommt. Selbst in Kanada stieg das Thermometer in einigen Gegenden im Juli auf weit mehr als 45 Grad Celsius. In der Folge liefen die energieintensiven Klimaanlagen in den USA und Kanada wochenlang auf Hochtouren. Der Strom dafür kam wiederum aus Kohle und Gas, so dass die Gasspeicher über den Sommer 2021 kaum aufgefüllt werden konnten. Auch in Asien war der Sommer überdurchschnittlich warm, weswegen kaum flüssiges Erdgas nach Europa, sondern mehr in den asiatischen Raum transportiert wurde, wo es für den Betrieb von Klimaanlagen benötigt wurde.

Weil Gas somit zu einem knappen Gut im internationalen Energiehandel wurde, zogen über den Spätsommer bis in den Herbst die Preise für Gas ordentlich an.

Fazit: Wäre der Anteil erneuerbarer Energien höher, sprich könnten wir damit einen größeren Teil unseres Energiebedarfs decken, wären Strom und Gas nicht so teuer. Schließlich bräuchten wir weniger fossile Energieträger, um die Ökolücke auszugleichen. Maßnahmen gegen die steigenden Energiepreise werden bereits diskutiert. „Die erneuerbaren Energien wirken preissenkend“, sagt die Wirtschafts- und Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Hätten wir mehr erneuerbare Energien, hätten wir diese Preissprünge nicht“, so Kemfert. Die Lösung ist also naheliegend und heißt beschleunigter Ausbau der Erneuerbaren.

Wechsle zu Ökostrom und unterstütze die Energiewende. Wirklich.

Energiepreiskrise: Warum Erneuerbare Energien günstiger sind.

Man muss sich nur mal die Stromgestehungskosten ansehen, also was die Stromerzeugung mit den verschiedenen Energieträgern kostet. Und da zeigt sich: Schon jetzt ist die Stromerzeugung von PV-Anlagen und Onshore-Windenergieanlagen unter allen Kraftwerksarten am niedrigsten.

Berechne, was wirklich bessere Energie für dich kostet

Wind und Sonne jetzt schon günstiger als Kohle.

Laut Fraunhofer-Institut ISE kostet eine Kilowattstunde Strom aus einer PV-Anlage 2021 je nach Anlagengröße zwischen 3,12 und 11,01 Cent. Die Stromgestehungskosten von Onshore-Windkraftanlagen liegen bei 3,94 und 8,29 Cent pro Kilowattstunde, die von Offshore-Anlagen zwischen 7,23 und 12,13 Cent. Dagegen geht der Preis einer Kilowattstunde aus einem Steinkohlekraftwerk erst ab 11,03 Cent los – und kostet bis zu 20,04 Cent.

Prognose: Noch mehr Anlagen, noch weniger Kosten.  

Mit zunehmendem Ausbau werden die erneuerbaren Energien immer günstiger. 
Das Fraunhofer-Institut ISE prognostiziert, dass die Stromgestehungskosten von PV-Freiflächenanlagen im Jahr 2040 zwischen 1,92 und 3,51 Cent pro Kilowattstunde liegen werden. Bei kleinen PV-Anlagen werden die Preise auf 3,58 und 6,77 Cent pro Kilowattstunde sinken. Die Stromgestehungskosten von Onshore-Windkraftanlagen werden 2040 voraussichtlich bei 3,40 bis 6,97 Cent pro Kilowattstunde liegen, die von Offshore-Anlagen bei 5,87 bis 9,66 Cent.

Grafik: Erneuerbarer Strom wird billiger.
Grafik: (c) Agentur für Erneuerbare Energien e.V. 2021.

Warum Erneuerbare Energien verlässlicher sind – trotz Flaute und Wolken.

Nicht nur preislich sind die Erneuerbaren einfach sicherer. Auch die dezentrale Kraftwerksstruktur macht die Energieversorgung mit erneuerbaren Energien letztlich krisenresistenter. Wenn einzelne Kraftwerke aufgrund einer Krise wie etwa Corona kurzzeitig dicht machen müssen, ist man mit Ökoenergie wesentlich besser aufgestellt. Die Erneuerbaren-Energien-Anlagen sind dezentral organisiert und damit flexibler. Kommt es zu Ausfällen, etwa weil das Personal bestimmte Anlagen nicht warten kann, begrenzt ein Schwarm aus PV-Anlagen, Windrädern und dezentralen Wasserkraftwerken den Schaden. Die Versorgung mit konventioneller Energie ist dagegen zentral ausgerichtet. Fällt ein Kohlekraftwerk aus, ist der Verlust schwerer auszugleichen. 

Maßnahmen gegen die Energiepreiskrise: Investieren in die dezentrale Energiewende.

Bei Polarstern investieren wir in die dezentrale Energieversorgung. Die ist zugleich eine langfristige Lösung der Energiepreiskrise. Mit Wirklich Mieterstrom statten wir Mehrparteiengebäude aller Art mit Photovoltaikanlagen aus – manchmal auch mit zusätzlichen BHKWs in den Kellern, die für Wärme und zusätzlichen Strom sorgen. Bei Mieterstrom nutzen Mieter:innen Ökostrom, der direkt am Haus produziert wird. Der ist zu 100 % sauber – und viel günstiger als der Strom aus dem Netz. Die Energieversorgung der Zukunft ist nicht nur dezentral, sondern vielseitig. So erzeugen wir in Esslingen im Rahmen eines Forschungsprojekts grünen Wasserstoff aus überschüssigem Solarstrom. 

Mehr über grünen Wasserstoff im Quartier erfahren

Wie immer mehr Menschen Erneuerbare Energien selbst erzeugen.

Mit erneuerbaren Energien werden nicht nur Länder wie Deutschland unabhängiger von fossilen Energieträgern und Gaslieferungen aus dem Ausland. Auch Haushalte können ihren Strom größtenteils selbst erzeugen und sich so unabhängiger von steigenden Energiepreisen machen. Man braucht dazu nicht mehr als eine Photovoltaikanlage und vielleicht einen Speicher. Wer noch dazu sein Elektroauto mit eigenem Ökostrom lädt, muss sich auch nicht vor steigenden Benzinpreisen fürchten. Und durch die zunehmende Verbreitung von sogenannten Mieterstromprojekten, profitieren auch immer mehr Bewohner:innen von Mehrfamilienhäusern von der lokal erzeugten Energie.

Grafik: Anstieg der installierten PV-Kapazität bis Ende 2019.

Grafik: BWS Solar.

Und ja, mieses Wetter wird es immer geben. Der gesamten Energieausbeute kann dieses aber nichts anhaben. Denn wann der Wind wieder weht oder die Sonne wieder scheint, ist immer nur eine Frage Zeit. Außerdem nehmen die Sonnenstunden zu. Genauso, wie die Techniken zur Speicherung von erneuerbarer Energie.

Wie du Erneuerbare Energien noch stärker förderst.

Und dann sind erneuerbare Energien noch was: Unsere beste Chance, die Erde zu kühlen. Aber wie gesagt: Es muss jetzt passieren. Deine persönliche Energiewende kannst du in wenigen Minuten abschließen – länger dauert deine Bestellung von Wirklich Ökostrom nicht. Danach sorgt dein Wechsel für immer mehr erneuerbare Energie im Markt. Mit jeder Kilowattstunde Wirklich Ökostrom, die du verbrauchst, investieren wir zusätzlich in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Außerdem sorgt dein Wechsel dafür, dass auch Familien in Kambodscha saubere Energie nutzen können – und dass sich Dörfer in Madagaskar eine solare Stromversorgung aufbauen können. Wie wir das machen, erfährst du hier. Denn dafür haben wir Polarstern gegründet: Um die Energiewende weltweit voranzutreiben. Mach mit!

Jetzt Preis für Wirklich Ökostrom berechnen

Ökostrom ist viel günstiger als du denkst!

Wirklich besserer Strom ist keine Rolex. Und sogar meist günstiger als die Grundversorgung.

Weiterempfehlen vervielfacht deine Wirkung!

Und wir bedanken uns mit 20 Euro. Schnapp dir jemanden, der auch zu wirklich besserer Energie wechseln möchte – und ihr bekommt beide 20 Euro auf eure nächste Stromrechnung gutgeschrieben. Gemeinsam verändern wir mehr!

Polarstern weiterempfehlen