von Anna

Der Bundestag hat Mitte Juni 2020 das Gebäudeenergiegesetz – kurz GEG – verabschiedet. Der Bundesrat hat dem Anfang Juli zugestimmt und im August wurde es im Bundesgesetzblatt verkündet. Ab 1. November 2020 tritt das Gesetz nun in Kraft.

Für Mieterstrom-Projekte bringt das Gebäudeenergiegesetz große Vorteile: So reduziert gebäudenah erzeugter Strom aus erneuerbaren Energien den Jahres-Primärenergiebedarf künftig stärker als bisher. Zudem lässt sich die erzeugte erneuerbare Energie auch zur Deckung des Wärme- und Kältebedarfs anrechnen, sprich die Sektorenkopplung wird unterstützt. Mit der Forderung, dass der erneuerbare Strom vorrangig im Gebäude unmittelbar nach der Erzeugung oder über einen Stromspeicher selbst genutzt werden muss, ist Mieterstrom in Mehrfamilienhäusern damit die vermutlich effektivste Lösung.


Inhalt:


 

Im Gebäudeenergiegesetz (GEG) werden die Energieeinsparverordnung (EnEV), das Energieeinsparungsgesetz und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zusammengeführt. Ziel ist es, die geltenden Regeln und Anforderungen an den Energiebedarf von Gebäuden zu vereinheitlichen und zu vereinfachen. Neben dem „Klimaschutzprogramm“ ist das Gebäudeenergiegesetz damit auch ein wichtiger Baustein, um Maßnahmen für die Erreichung der Klimaschutzziele im Gebäudesektor zu fördern. Durch weniger Bürokratie soll die Umsetzung energieeffizienter Maßnahmen beschleunigt werden. Statt drei Regelwerken gibt es nur noch eines zu beachten. Doch was ändert sich inhaltlich? Wir haben hier die relevanten Punkte zusammengefasst.

 

Anrechnung von Solarstrom auf den Jahres-Primärenergiebedarf und Sektorenkopplung.

Die Stromerzeugung mit Photovoltaikanlagen und die sektorenübergreifende Nutzung dieses Stroms wird im Gebäudeenergiegesetz 2020 stärker unterstützt als in bisher den geltenden Gesetzen.

Zum einen wird die Stromerzeugung mit PV-Anlage auf den Mindestanteil an erneuerbaren Energien angerechnet – das war bisher nicht der Fall. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) gibt vor, dass der Bedarf für Wärme- und Kälteenergie anteilig zu 15 % durch erneuerbare Energien gedeckt werden muss. Eine Kombination von mehreren Technologien ist zulässig.

Zum anderen wird Strom aus erneuerbaren Energien, der vor Ort eingesetzt wird, auch bei der Ermittlung des Jahres-Primärenergiebedarfs angerechnet, siehe § 23. Das ist eine klare Verbesserung im GEG gegenüber dem bisherigen geltenden EEWärmeG. Das heißt, es kann ein pauschaler Betrag vom Jahres-Primärenergiebedarf abgezogen werden, abhängig von der installierten Nennleistung. Bei PV-Anlagen beträgt er maximal 30 % des errechneten Primärenergiebedarfs des Referenzgebäudes. Mit einem Stromspeicher sind es maximal 45 %. Nachstehende Tabelle verdeutlicht die Vorteile:

ohne Batteriespeicher

mit Batteriespeicher

Abzug vom Jahres-Primärenergiebedarf

150 kWh je kW inst. Leistung

200 kWh je kW inst. Leistung

Zusätzlich ab einer Nennleistung in kW in Höhe des 0,03-fachen der Gebäudenutzfläche, geteilt durch die Anzahl der beheizten oder gekühlten Geschosse

70 % des elektrischen Endenergiebedarfs der Anlagentechnik

100 % des elektrischen Endenergiebedarfs der Anlagentechnik

Maximaler Abzug vom Jahres-Primärenergiebedarf

30 % des errechneten Jahres-Primärenergiebedarfs

45 % des errechneten Jahres-Primärenergiebedarfs

Damit lohnt es sich einmal mehr, zum Beispiel Wärmepumpen mit selbst erzeugten Solarstrom zu betreiben. 

>>> Mehr über Möglichkeiten im Mieterstrom erfahren. 

 

Neu im GEG: Innovationsklausel und quartiersbezogene Bilanzierung.

Die Energieeffizienz eines Gebäudes, der Energiestandard, wird bisher über den Jahres-Primärenergiebedarf ermittelt. Von vielen Seiten gewünscht und im Koalitionsvertrag festgehalten ist der Plan, künftig eine Art CO2-Emissionsbilanz zur energetischen Bewertung heranzuziehen. Dies ist im Gebäudeenergiegesetz jedoch nicht (!) aufgegriffen worden.

Allerdings wird mit der sogenannten Innovationsklausel § 103 vorübergehend ein Mittelweg eingeschlagen. Demnach können die Anforderungen entsprechend des Jahresprimärenergiebedarfs bis 2023 auch über ein auf die Begrenzung der Treibhausgasemissionen ausgerichtetes System nachgewiesen werden, solange sie gleichwertig sind.

Daneben ist zur Berechnung des Energiebedarfs eine quartiersbezogene Energiebilanzierung zulässig. Damit sind nach derzeitigem Gebäudeenergiegesetz unterschiedliche Energiestandards in einem Quartier möglich, solange die Anlage in ihrer Gesamtheit die Anforderungen erfüllt. Voraussetzung dafür ist eine gemeinsame Planung und die Realisierung innerhalb von 3 Jahren. 

>>> Beispiele zu Mieterstromprojekten in Quartieren.

 

Geforderter Energiestandard laut Gebäudeenergiegesetz.

Die EU fordert die zügige nationale Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie zur Energieeffizienz von Gebäuden (EPBD). Damit soll ein Standard für Niedrigstenergiegebäude definiert werden. Was das genau bedeutet, darf jeder Mitgliedsstaat entscheiden. Für Deutschland wird dieser Standard nun im Gebäudeenergiegesetz (GEG) definiert, § 18 Gesamtenergiebedarf. Das heißt, dass der Jahres-Primärenergiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlung das 0,75-fache des auf die Gebäudenutzfläche bezogenen Wertes des Jahres-Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes nicht überschreiten darf.

Damit wurde es im Gebäudeenergiegesetz jedoch versäumt, den erforderlichen Energiestandard neu zu definieren. Die bisherigen energetischen Anforderungen der EnEV 2016 werden im Wesentlichen fortgeführt. Eine Neudefinition ist nach § 9 ("Überprüfung der Anforderungen an zu errichtende und bestehende Gebäude") erst im Jahr 2023 vorgesehen.

Das heißt aber auch, dass der ambitioniertere Energiestandard KfW 55 als Standard vom Tisch ist. Er hätte die Anforderung an den Primärenergiebedarf um weitere etwa 20 % gesenkt. Nur wer staatliche Förderung bekommen will, muss einen Primärenergieverbrauch von 55 % des Referenzgebäudes erreichen – er entspricht den Kriterien der Förderung KfW 55. Ob das reicht, um die EU-Vorgaben zu erfüllen, ist offen. Experten gehen davon aus, dass nachgesteuert werden muss. Schließlich ist nach dem aktuellen Standard ein jährlicher Energiebedarfswert von 56 kWh pro Quadratmeter zulässig, während die EU-Kommission als Niedrigstenergiestandard rund 30 kWh pro Quadratmeter und Jahr anstrebt.

Auch an die Sanierung von Gebäuden werden im Gebäudeenergiegesetz keine strengeren Anforderungen gestellt. Obwohl 35 % des gesamten Endenergiebedarfs in Deutschland und rund 30 % der Treibhausgase auf den Gebäudebestand zurückzuführen sind.

Festgelegt wurde noch, dass gemäß § 4 die öffentliche Hand eine Vorbildfunktion wahrnehmen muss. Bei der Errichtung oder grundlegenden Renovierung von Nichtwohngebäuden soll geprüft werden, ob und in welchem Umfang Erträge aus Photovoltaik oder Solarthermie erzielt und genutzt werden können.

 

Austausch von Ölheizungen.

Alte Ölheizungen werden laut Gebäudeenergiegesetz ab 2026 zwar nur noch stark eingeschränkt genehmigt, verboten sind sie nicht. Anfang 2020 wurden viele KfW-Förderprogramme für Heizungen angepasst. So gibt es bis zu 45 % Förderung für neue Heizungsanlagen in bestehenden Gebäuden, wobei es diese maximale Förderhöhe nur in Kombination mit der Austauschprämie für Ölheizungen gibt.

Für den Austausch von Ölheizungen in Gebäuden ohne Zugang zum Erdgasnetz, ist möglicherweise der Wechsel zum Energieträger Flüssiggas interessant. Die Nutzung von biogenem Flüssiggas sowie eine Weichenstellung für synthetisches Flüssiggas ermöglicht das Gebäudeenergiegesetz über die Innovationsklausel.

 

Einsatz von Biomethan wird im GEG anerkannt.

Nach dem Gebäudeenergiegesetz ist es möglich, die Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien auch mit Biomethan, Biogas oder biogenem Flüssiggas zu erfüllen. Voraussetzung ist, dass bei Nutzung von Biomethan in einem Kessel der Wärme- und Kälteenergiebedarf zu mindestens 50 % gedeckt werden, während bei Biomethan in einer KWK-Anlage 30 % ausreicht.

Beim Einsatz von Biomethan in einer KWK-Anlage gilt im Vergleich zu fossilen Energieträgern der Faktor 0,5. Wird das grüne Gas in einem Brennwertkessel verheizt, gilt ein Wert von 0,7. In bisherigen Entwürfen des Gesetzes war sie mit der Wärme aus Erdgas und Steinkohle (Faktor 1,1) gleichgesetzt worden, was eindeutig wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprach.

Auch die Faktoren für andere Biogasanwendungen werden abgesenkt. Und die Wärmeerzeugung aus Biomethan in einem Brennwertkessel ist Option anerkannt, die im Gesetz festgelegte Nutzungspflicht für erneuerbare Energien zu erfüllen.

 

Graue Energie wird weiterhin nicht berücksichtigt.

Unter „Grauer Energie“ ist das CO2-Sparpotenzial zu verstehen, dass bei der Herstellung von Baumaterialien, der Errichtung von Gebäuden sowie dem späteren Rückbau besteht. Um jedoch nachhaltig das Klima zu schonen, müssen die CO2-Emissionen im Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden stärker eingerechnet werden. Zumal der Bau gemessen an seinem Ressourcenverbrauch eine besondere Rolle in der Wirtschaft einnimmt.

Ob mit diesem Gebäudeenergiegesetz der Weg geschaffen wird, das Ziel der Klimaneutralität des Gebäudebestands bis 2050 zu erreichen, bleibt fragwürdig. Und die Hoffnung auf Maßnahmen im Zuge des Klimapakets sind groß.

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