"Den 0815-Stromkunden gibt es immer weniger"

Steigende Unterschiede im Strombedarf der Haushalte erfordern individuelle Versorgungslösungen; Beispiel Wirklich Eigenstrom

München, 03.05.2018

Den typischen Stromkunden gibt es immer weniger. Laut aktuellem Stromspiegel verbrauchen schon heute einige Haushalte doppelt so viel Strom wie andere vergleichbare. "In Zukunft geht die Schere noch weiter auseinander", prognostiziert Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern. Klassische Elektrogeräte seien aufgrund steigender Energieeffizienz nicht der treibende Faktor. Vielmehr gewinnen neue große Stromverbraucher wie Wärmepumpen und E-Autos und damit die eigene Stromerzeugung an Bedeutung. "Diese Entwicklung macht individuelle Versorgungslösungen mit einer angepassten Anlagentechnik und speziellen Tarifen immer wichtiger."

Beispiel eigene Stromversorgung

Immer mehr Haushalte erzeugen ihren Strom selbst. Die Zahl neu in Betrieb genommener Anlagen ist von 2016 auf 2017 um rund 27 Prozent gestiegen, bezogen auf klassische Eigenheimanlagen mit einer Leistung von bis zu zehn Kilowatt.

"Wird die Anlagentechnik auf den jeweiligen Einfamilienhaushalt abgestimmt, rechne sich die eigene Stromerzeugung heute für fast jeden", sagt Florian Henle. Geeignete Anlagen gebe es für Zweipersonenhaushalte genauso wie für Großfamilien. Schließlich spiele die Anzahl der in einem Haushalt lebenden Personen nur eine geringe Rolle, es komme vielmehr auf die Ausstattung mit großen Stromverbrauchern wie E-Auto, Sauna, Wärmepumpe und Co. an.

Wärmepumpen und Elektroautos können beispielsweise den jährlichen Strombedarf schnell verdoppeln. Und das betrifft immer mehr Haushalte: Wurden 1995 noch 2.000 Wärmepumpen verkauft, ist ihr Absatz laut Bundesverband Wärmepumpe seither um rund 4.600 Prozent auf über 91.500 verkaufte Einheiten im letzten Jahr gestiegen. Ähnliches steht dem Markt für Elektroautos bevor: E-Autos haben aktuell an den verkauften Autos einen Anteil von 1,4 Prozent, bis 2040 sollen es rund 40 Prozent sein, so eine Studie des Center of Automotive Management.

Bedeutung unabhängiger Wahl des Anlagenherstellers

"Genügte es noch vor rund fünf Jahren, eine Photovoltaikanlage ans öffentliche Stromnetz anzuschließen, geht es heute auch aus wirtschaftlicher Sicht darum, die Technik so auszuwählen und zu installieren, dass möglichst viel Strom direkt vor Ort genutzt wird; und das eben nicht für klassische Elektrogeräte, sondern auch für die Wärmeversorgung und für E-Tankstellen", sagt Jonas Schiel vom PV- und Speicher-Großhändler und Polarstern Eigenstrom-Partner Memodo. *1 Ein Installateur müsse heute eine Vielzahl an Gewerken abdecken, selbst oder über Partner. Der Ökoenergieversorger Polarstern bietet deshalb zusammen mit Memodo eine herstellerunabhängige Lösung zur eigenen Stromerzeugung. Sie ermöglicht Haushalten eine größtmögliche Flexibilität bei der Anlagenkombination.

Ziel ist eine hohe Autarkie

Die meisten Haushalte wollen durch die eigene Stromerzeugung möglichst unabhängig von der öffentlichen Versorgung zu sein. Das steigert die Nachfrage nach Stromspeichern. Inzwischen wird mehr als jede zweite PV-Anlage mit Speicher verkauft. Zumal in den letzten fünf Jahren der Preis für Stromspeicher im Schnitt um 40 Prozent gefallen ist. Sind große Stromverbraucher im Haushalt vorhanden wie zum Beispiel Wärmepumpen oder E-Autos, müssen PV-Anlage und Stromspeicher auf sie zugeschnitten sein. "Wichtig ist, dass die Geräte miteinander kommunizieren können", betont Jonas Schiel. Noch gebe es dafür keinen allgemeinen Standard, so dass dies beim Anlagenkauf unbedingt zu berücksichtigen ist. Das mache eine herstellerunabhängige Beratung und Anlagenwahl einmal wichtiger.

Im Idealfall, wenn PV-Anlage, Speicher und Wärmepumpe aufeinander abgestimmt sind, verbessert sich der Autarkiegrad eines Haushalts spürbar, wie Untersuchungen der HTW Berlin zeigen. So kann trotz stromintensiver Wärmepumpe 60 bis 65 Prozent des benötigten Stroms aus eigener Erzeugung gedeckt werden.*2

Elektroautos mit Solarstrom laden

Elektroautos werden umso kostengünstiger am heimischen Stromnetz geladen, je mehr eigener Solarstrom hierzu genutzt werden kann. Dies erfordert eine möglichst große PV-Anlage. Denn nur ab einer gewissen Stromstärke, sprich wenn ausreichend Strom erzeugt wird, kann das E-Auto geladen werden. Unterstützt wird das durch einen Stromspeicher sowie ein intelligentes Lade- und Lastmanagement wie zum Beispiel von EVBox. "Ein dynamisches Last- und Lademanagement sorgt dafür, dass das E-Auto mit dem Überschuss von selbst erzeugtem Solarstrom effizient und nachhaltig geladen wird. Durch dieses optimierte Laden wird der Eigenverbrauch des Solarstrom erhöht und die Stromkosten sinken", erklärt Florian Chan, Business Development Manager bei EVBox.*1 Weil es aber wie im Fall der Wärmepumpen auch keinen einheitlichen Kommunikationsstandard gibt, sondern nur einzelne Kooperationen zwischen Herstellern der verschiedenen Anlagentechnik und Ladelösungen, sind herstellerunabhängige Angebote zur eigenen Stromerzeugung wichtig. Für die nahe Zukunft arbeitet das Unternehmen EVBox an einer offenen API-Schnittstelle, um sämtliche Anlagenkombinationen zu ermöglichen.

Übrigens: Investieren Haushalte nicht nur in die eigene Stromversorgung, sondern ergreifen zusätzlich Maßnahmen, um ihren Stromverbrauch zu senken, kann der Autarkiegrad weiter gesteigert werden. Eine Analyse des Öko-Instituts hat ergeben, dass sich die wirtschaftlichen Vorteile schnell verdoppeln können.*3

Auswahl geeigneter PV-Anlagen und Speicher

"Es lohnt sich fast immer, die komplette verfügbare Dachfläche für die PV-Anlage zu nutzen", weiß Florian Henle. Wird mehr Strom erzeugt als benötigt, erhalten Haushalte für den ins öffentliche Netz eingespeisten Strom die EEG-Einspeisevergütung. Wer ein kleines Dach hat, kann durch die Wahl von Hochleistungsmodulen seine Stromerzeugung steigern. Denn die Module erzeugen 20 bis 30 Prozent mehr Strom als die Standardvarianten. Ansonsten gewinnen ästhetische Aspekte der PV-Module an Bedeutung. Vor rund fünf Jahren gab es rund fünf Formate und unterschiedliche Einbauvarianten. Heute gibt es deutlich mehr Alternativen; rote, grüne und gelbe genauso wie schwarze Module, mono-, polykristalline und Dünnschichtmodule, genauso wie Solar-Dachziegel. "In der Praxis haben sich aber bislang nur wenige Standardformate und Technologien etabliert, die wirklich zu empfehlen sind", sagt Jonas Schiel. Denn damit sich die Investitionen rechnen, spielen Lebensdauer und das optimale Zusammenspiel der Anlagentechnik eine zentrale Rolle.

 

* 1 Die Gespräche mit Jonas Schiel von Memodo und Florian Chan von EVBox wurden im April 2018 geführt.

* 2 HTW Berlin, pvspeicher.htw-berlin.de/wp-content/uploads/2015/04/TJADEN-2015-Einsatz-von-PV-Systemen-mit-Wärmepumpen-und-Batteriespeichern-zur-Erhöhung-des-Autarkiegrades-in-Einfamilienhaushalten.pdf

* 3 Beispielrechnung des Beratungstools vom Öko-Institut für einen 2-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden: neue 6 Kilowatt Peak Photovoltaik-Anlage und Batteriespeicher mit einer Kapazität von 4 Kilowattstunden verspricht über einen Zeitraum von 20 Jahren ein wirtschaftliches Plus von rund 4.000 Euro. Investiert der Haushalt parallel in effizientere Geräte und reduziert seinen Stromverbrauch um 1.000 Kilowattstunden im Jahr, verdoppelt sich der wirtschaftliche Vorteil. www.ecotopten.de/strom/tipps-fuer-solar-batteriespeicher

Pressekontakt

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