Warmwasser Verbrauch reduzieren und Energie sparen | Polarstern

Warmduscher aufgepasst

Der größte Hebel, um Energiekosten zu sparen, liegt immer mehr im Warmwasserverbrauch

München, 23.03.2017

Um Warmwasser zu erzeugen, verbrauchen private Haushalte nach dem Heizen die meiste Energie – und das mit steigender Tendenz. Sind es beim Altbau rund 10 Prozent, liegt der Anteil von Warmwasser am Energieverbrauch bei Gebäuden ab 2002 schon bei etwa einem Viertel. Bei modernen Passivhäusern ist Warmwasser mit einem Anteil von 45 Prozent sogar der größte Energieverbraucher. „Während der Heizenergiebedarf durch verbesserte Dämmung und moderne Gebäudetechnik abnimmt, bleibt der Warmwasserverbrauch stabil“, erklärt Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern, die Entwicklung. „Haushalte in neuen oder sanierten Gebäuden können ihren Energieverbrauch daher oft stärker mit Maßnahmen senken, die ihr Warmwasserverhalten betreffen als mit klassischen Stromspartipps und einfachen Heizsparmaßnahmen.“*

Wer seinen Warmwasserverbrauch reduzieren will, der kann dies besonders effektiv und effizient durch Veränderung des Duschverhaltens erreichen, weiß Anna Kupfer von der Universität Bamberg. Im Team rund um Professor Thorsten Staake untersucht sie seit vielen Jahren den Warmwasserverbrauch von Haushalten. „Ein Dreipersonenhaushalt kann allein beim Duschen durchschnittlich 645 Kilowattstunden Wärmeenergie pro Jahr sparen, wenn er smarte Wasserzähler nutzt und damit Wasser bewusster verbraucht. Das ist fast so viel wie im Dreipersonenhaushalt an Stromverbrauch pro Jahr für den Bereich der Informations-, Telekommunikations-und Unterhaltungselektronik anfallen.“

Die wirkungsvollsten Maßnahmen, Warmwasser zu sparen

Gerätetechnische Maßnahmen wie zum Beispiel Sparduschköpfe oder Durchlaufbegrenzer helfen ebenfalls, Warmwasser zu sparen. „Weil sie aber den Duschkomfort beeinträchtigen, sind sie bei Verbrauchern wenig beliebt“, weiß Anna Kupfer. „Deutlich mehr kann es bringen, wenn man bewusster mit warmem Wasser umgeht und seine Duschzeit verkürzt.“ Wer statt der gängigen vier Minuten drei Minuten duscht, der verbraucht ein Viertel weniger Energie. Auch die Temperatur zu reduzieren, senkt den Energieverbrauch; allerdings viel weniger als die Duschdauer.

Neben dem Duschen fällt auch beim Baden ein hoher Wasserverbrauch an. Hier lässt sich bei der Temperatur und bei der Wassermenge sparen. Ob eine Badewanne halb- oder randvoll gefüllt ist, macht einen Unterschied von im Schnitt 100 Litern. Das ist mehr als das Doppelte des täglichen Warmwasserverbrauchs einer Person.

Nicht nur bei der Körperpflege verbrauchen Haushalte viel Warmwasser, auch beim Wäsche waschen wird verhältnismäßig viel benötigt. Hier helfen Geräte mit Automatik- und Eco-Programmen, den Energie- und Wasserverbrauch zu reduzieren. Bei älteren Geräten kann viel über manuelle Temperatureinstellungen erreicht werden. Bei den heutigen Waschmitteln reichen meist 30 Grad aus, damit die Kleidung sauber wird.

Smarte Wasserzähler und eigene Energieerzeugung

Smarte Warmwasserzähler sind für Florian Henle der Knackpunkt, um Warmwasser zu sparen. Nur wer weiß, wo er wie viel verbraucht, kann zielgerichtet sparen. „Ob beim Strom- oder beim Warmwasserverbrauch, die Verbraucher müssen direkt die Möglichkeit haben zu erfahren, wie viel sie verbrauchen und was einzelne Verhaltensänderungen bewirken.“

Geht es primär um die Energiekosten und weniger um den Verbrauch, dann ist für Haushalte die eigene Energieerzeugung mittels Photovoltaikanlage oder Solarthermie geeignet. „Wird eine Solarthermieanlage ausschließlich für die Warmwassererzeugung genutzt, lassen sich damit im Schnitt zwischen fünf und 15 Prozent der Heizkosten sparen, im Neubau auch mal mehr. Das sind oft 200 bis 300 Euro.“ Das trifft vor allem für Haushalte mit Kindern zu, weil sie tagsüber, wenn die Sonne scheint, einen hohen Warmwasserverbrauch haben. Neben dem Verbrauch hat also auch die eingesetzte Wärmetechnik einen großen Einfluss auf die Energiekosten. 

Einfluss der Heiztechnik auf die Energiekosten

Wer mit Strom Warmwasser erzeugt, der hat rund 4,5 mal höhere Energiekosten als bei gasbasierten Systemen. Allerdings sind umgekehrt die Investitionskosten für Gasheizungen deutlich höher. Letztlich kommt es für Andre Reinermann, Kundenberater und Heizungsexperte beim Internetportal Energieheld, vor allem auf das Gebäude und die Haushaltsgröße an, welche Technik am besten geeignet ist. „Im Neubau ist oft eine zentrale Heiztechnik wie zum Beispiel eine Wärmepumpe oder eine Pelletheizung mit solarer Unterstützung für Warmwasser zu empfehlen.“ Auch im Altbau seien Solarthermieanlagen interessant. Hier allerdings meist zur Unterstützung von Heizung und Warmwasser, weil in der Übergangszeit aufgrund schlechter Dämmung dort mehr geheizt werden müsse. Ob eine zentrale oder dezentrale Warmwassererzeugung gefragt ist, hängt vor allem von den Kosten ab, sprich wie aufwändig die Installation ist – wie viele und wie lange Rohrleitungen gezogen werden müssen – und wie viel Warmwasser benötigt wird.

Fazit des Heizungsexperten: Wer bereits ein Heizsystem hat, der kann mit solarer Unterstützung in den meisten Fällen viel sparen – eine komplette Umstellung der Heiztechnik ist sehr wirkungsvoll, aber in der Regel auch sehr teuer. „Mit Zeitschaltuhren oder der Absenkung der Warmwassertemperatur kann auch mit minimalen Aufwand Geld gespart werden.“

Achtung: Der virtuelle Wasserverbrauch ist am größten

Fast alle Produkte verbrauchen in ihrer Herstellung viel Wasser. Die Landwirtschaft hat mit einem Anteil von rund 70 Prozent den größten Anteil am global verfügbaren Trinkwasserverbrauch. Um den virtuellen Wasserverbrauch zu senken, sollte jeder Verbraucher „wasserintensive“ Güter aus solchen Regionen meiden, die unter Wasserknappheit leiden. Das betrifft zum Beispiel Obst- und Gemüseprodukte sowie Fleisch aus Afrika und einigen Ländern Südeuropas und Südamerikas. Der tägliche Wasserfußabdruck eines Deutschen liegt im Mittel bei 5.288 Litern, davon entfallen gerade einmal zwei Prozent auf den direkten Wasserverbrauch daheim.

Quellen und Hinweise:

* Bei diesem Vergleich sind kostenintensive Maßnahmen wie die Installation neuer Heizsysteme oder der hydraulische Abgleich nicht berücksichtigt. Der Vergleich basiert auf Verhaltensmaßnahmen, die jeder Haushalt direkt umsetzen kann z. B. Heizung runterdrehen oder Lüften.

** Die Gespräche mit Anna Kupfer von der Universität Bamberg- Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Energieeffiziente Systeme und mit Andre Reinermann von Energieheld wurden im Februar/März 2017 geführt.

Pressekontakt

Polarstern GmbH
Anna Zipse
Lindwurmstr. 88
80337 München
T: 089 309 042 911
presse@polarstern-energie.de
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