Energiesparen geht heute anders

Das bewusste Energieverhalten rutscht immer mehr in den Fokus – Technik und Anlagen sind nur so gut, wie das Verhalten der Nutzer.

München, 14.03.2019

Obwohl Gebäude besser gedämmt und Elektrogeräte effizienter und vernetzter sind und mehr Energie selbst erzeugt wird, scheint dies den Energiebedarf privater Haushalte kaum zu beeinflussen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen vielmehr, dass der Stromverbrauch der Haushalte seit 2014 quasi stagniert. Woran liegt das?

„Wir verbrauchen heute anders Energie als früher“, sagt Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern. „Die Handvoll großer Stromverbraucher, die alles dominieren, gibt es im Haushalt kaum noch. Der Verbrauch ist auf viele verschiedene Geräte verteilt und vernetzter.“ Das liegt an der zunehmenden Geräteausstattung der Haushalte: Sowohl die Vielfalt an elektrischen Geräten steigt, als auch ihr Verbreitungsgrad. Bestes Beispiel hierfür ist der Laptop: 2003 war er in 11 Prozent der Haushalte zu finden, 2018 schon in 81 Prozent. Genauso nimmt etwa die Verbreitung von Spielekonsolen und Kaffeevollautomaten zu sowie die Anzahl der Fernseher pro Haushalt.

Auch die eigene Stromerzeugung führt häufig nicht zu einer Reduktion des Stromverbrauchs, genauso wenig wie die smarte Vernetzung verschiedener Geräte. Polarstern hat sich mit Wissenschaftlern und Experten über die Veränderungen im privaten Strombedarf unterhalten und nach wirkungsvollen Spartipps für moderne Haushalte gefragt. Fazit: Stromsparen funktioniert nicht automatisch. Ein energiebewusstes Verhalten bleibt entscheidend, um Kosten und CO2 zu sparen.

1. Stromsparen mit eigener Energieerzeugung

Immer mehr Eigenheimbesitzer haben eine Solaranlage zur heimischen Stromversorgung. Meist wird bei Neuanlagen zusätzlich ein Stromspeicher installiert. Die Zahl neu in Betrieb genommener PV-Anlagen mit einer Leistung von bis zu 10 Kilowatt Peak ist 2018 verglichen zu 2015 um 40 Prozent gestiegen. Ziel der sogenannten Prosumer ist es, unabhängiger vom öffentlichen Stromnetz und steigenden Strompreisen zu sein. Weniger Energie verbrauchen dadurch allerdings die wenigsten, weiß Professor Reinhard Madlener, Professor für Energieökonomik von der RWTH Aachen. Er forscht seit Jahren zum Energieverhalten von Prosumer-Haushalten und auch zum Rebound-Effekt.*1

Energie-Management-Systeme unterstützen das Energiesparen in Haushalten, die selbst Strom erzeugen und den selbst erzeugten Strom auch möglichst selbst verbrauchen. „Sie bieten den Haushalten mit ihren Analysen zum Strombedarf einen besseren Einblick in ihr Verhalten und somit auch ein besseres Verständnis der eigenen Energieverbrauchs-Muster“, berichtet Reinhard Madlener. Die Forschung zeige, dass diese Informationen einen positiven Einspar-Effekt auf den Energieverbrauch haben können. Dazu brauche es aber insbesondere Feedback über einen längeren Zeitraum und ein Benchmarking mit dem eigenen Verbrauch in Vorperioden oder mit dem von vergleichbaren Stromkonsumenten. Meist verbrauchten Prosumer-Haushalte in Deutschland jedoch vor allem deshalb weniger Energie, weil sie mit energieeffizienteren Geräten ausgestattet seien als Haushalte ohne eigene Solaranlage.

Auch kann es sich positiv auf die gesamten Energiekosten und die CO2-Emissionen eines Haushalts auswirken, wenn überschüssiger, regenerativ erzeugter Strom über einen Speicher zuhause zusätzlich zum Heizen oder zur Warmwassererzeugung verwendet wird. So wird fossile Energie auch in anderen Sektoren gespart. Im Normalfall ist elektrische Energie – sofern sie nicht selbst erzeugt wird – zu schade zum „Verheizen“.

Für Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern spielt beim bewussten Stromverbrauch das ergänzende Tarifangebot für Prosumer-Haushalte eine wichtige Rolle: „Flatrate-Angebote wie sie aktuell zur Deckung des Strombedarfs verbreitet sind, förderten kein energiebewusstes Verhalten – im Gegenteil.“ Besser seien verbrauchsabhängige Tarife, bei denen ein energiebewusstes Verhalten sich auch auf die Stromkosten niederschlage. „Strom gespart wird in den meisten Haushalten nach wie vor primär aus Kostengründen. Der Umweltschutz spielt leider oft eine untergeordnete Rolle.“ 

2. Stromsparen im Smart Home

„Es ist ein Fehler zu glauben, dass vernetzte Haushalte automatisch Strom sparen“, betont Ralph Hintemann, Senior Researcher am Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit. Es kommt ganz darauf an, welche Geräte sie vernetzen und wie diese genutzt werden. Während zum Beispiel mit einer intelligenten Heizungssteuerung durchaus 30 Prozent der Heizenergie gespart werden können, hat das Borderstep Institut*3 errechnet, dass in einem Haushalt mit vernetzten Elektrogeräten und intelligenter Beleuchtung jährlich sogar bis zu 100 Euro zusätzliche Stromkosten durch die Vernetzung anfallen können.*4

Das liegt vor allem am vernetzten Bereitschaftsbetrieb. Denn für vernetzte Geräte gelten laut Ökodesign-Richtlinie spezielle Grenzwerte zur Leistungsaufnahme im sogenannten vernetzten Bereitschaftsbetrieb. Erst 2019 wurde der Grenzwert bei neuen Geräten auf 2 Watt festgelegt und liegt damit immer noch doppelt so hoch wie bei nicht vernetzten Geräten. So kommt es oft vor, dass Geräte wie zum Beispiel vernetzte LED-Leuchten mehr Strom für die Vernetzung benötigen als für den eigentlichen Zweck, nämlich die Beleuchtung. „Der Energiebedarf für vernetzte Geräte summiert sich schnell auf, da die Geräte dauerhaft im Standby-Betrieb sind. Zumal dies durch die Vernetzung nicht nur ein einzelnes Gerät betrifft, sondern gleich mehrere inklusive Router, WLAN-Verstärker und Co.“, betont Ralph Hintemann. „Die Vernetzung von Geräten führt ganz klar nicht automatisch zu einem geringeren Stromverbrauch.“

Um nicht in neue Stromsparfallen eines Smart Homes zu tappen, hat Ralph Hintemann vier Tipps:

 

  • Standby-Bedarf anschauen: Neben dem Gesamtstrombedarf vor allem bei Geräten von denen mehrere im Haushalt eingesetzt werden, wie vernetzte LED-Leuchten, unbedingt den Standby-Bedarf berücksichtigen und grob hochrechnen, was das im Jahr bedeutet.
  • Benötigte Funktionen prüfen: Oftmals beinhalten neue Geräte Vernetzungsfunktionen, die der Besitzer gar nicht nutzt, durch die aber der Standby-Verbrauch deutlich erhöht ist. Auch können gewisse vernetzte Gerätefunktionen den Anwender verlocken, das Gerät öfter in Betrieb zu nehmen als zuvor. „Vernetzung kann auch zu nicht smartem Verhalten führen.“ Bestes Beispiel sind intelligente Glühbirnen, die verschiedene Raumatmosphären schaffen, wodurch tendenziell mehr Lampen genutzt werden als zuvor. Das kann am Ende den Stromverbrauch steigen lassen.
  • Abschalten vernetzter Funktionen: Je nach Gerät kann die Vernetzungsfunktion auch ausgeschaltet werden. Gerade wenn man diese nicht nutzt kann so Strom gespart werden. Dies kann auch aus Datenschutzgründen empfohlen werden.
  • Einstellungen bei Router und WLAN-Verstärker: Wer nachts oder während des Urlaubs sein WLAN ausschaltet, spart Strom. Auch in den Router-Einstellungen am besten alle Features ausschalten, die nicht regelmäßig genutzt werden; zum Beispiel Netzwerkfreigaben von Festplatten oder USB-Sticks sein, unbenutzte Ports oder auch WLAN-Geräte wie Drucker oder eBook-Reader, die nur selten Zugriff auf das Netzwerk benötigen. 

3. Stromsparen mit energieeffizienten Geräten

„Der zentrale Hebel, um Strom zu sparen, verlagert sich heute wieder mehr auf den Nutzer“, erklärt Claus Barthel, Projektleiter ‚Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen‘ am Wuppertal Institut.*5 „Gerade moderne Elektrogeräte sind deutlich energieeffizienter. Viele Geräte der weißen Ware haben ihr Effizienzpotenzial fast schon erreicht. Damit dies im Alltag auch zur Geltung kommt, muss der Nutzer die passenden Geräte kaufen und sie richtig bedienen.“ Wer etwa aus Gewohnheit die alten Programmeinstellungen bei einer neuen Maschine nutze, spare beispielsweise deutlich weniger, als wenn er den Eco-Modus verwendet. Auch treten mit dem Kauf energieeffizienter Elektrogeräte oft Rebound-Effekte zutage. Ein Klassiker ist die Inbetriebnahme halbleerer Waschmaschinen oder die Wahl größerer Geräte wie Fernseher mit doppelter Bildschirmgröße oder Kühlschränke mit mehr Volumen.

Die seit Mitte 2007 geltende Ökodesign-Richtlinie hat den Energie- und Ressourcenverbrauch der Geräte stark reduziert. Dass sich dies nicht auf den Strombedarf zu Hause niederschlägt, liegt an einem gegenläufigen Trend: der zunehmenden Geräteausstattung in den Haushalten, erklärt Claus Barthel. „Ohne die Ökodesign-Richtlinie würde der Stromverbrauch der Haushalte heute höher liegen und nicht stagnieren.“ Der Strombedarf eines Kühlschranks ist beispielsweise verglichen zu einem zehn Jahre alten Modell um die Hälfte gesunken. Und viele IKT-Geräte haben heute im Standby nur noch ein Zehntel ihres früheren Strombedarfs.

Die steigende Anzahl der Elektrogeräte im Haushalt hat nicht nur direkte Auswirkungen auf den Strombedarf zu Hause, sondern auch indirekte. Schließlich fällt ein Großteil des Energiebedarfs für die Herstellung und den Transport der Geräte an. Entsprechend wichtig ist die Produktlebensdauer eines Gerätes, auf die sich auch die Ökodesign-Richtlinie künftig mehr konzentrieren wird.

Um auch in Zukunft seinen Strombedarf im Rahmen zu halten, führt am Ende kein Weg an der Frage vorbei, was man wirklich braucht, betont Claus Barthel. Seine drei wichtigsten Stromspartipps:

 

  • Bei Neuanschaffungen effiziente und in der Größe angepasste Geräte wählen und diese energiesparend nutzen.
  • Nur Geräte im Haushalt haben, die man wirklich regelmäßig nutzt. Vieles, was sporadisch benötigt wird – etwa im Garten oder zum Frühjahrsputz – kann auch geliehen werden.
  • Nicht benötigte Geräte ausschalten, vor allem nachts und wenn man nicht daheim ist. Das Sparpotenziale zeigt sich hier nicht bei einem einzelnen Gerät, sondern in der Masse.

Wer diese Tipps beherzige, könne zu Hause durchaus 30 bis 50 Prozent weniger Strom benötigen.

 

*1 Aktuelle Studie zu den Rebound-Effekten durch die Nutzung erneuerbarer Energien, www.ee-rebound.de

*2 Doppelbelastung mit Steuern und Abgaben für Energiespeicher bei Netzdienstleistungen soll nach dem Willen der Europäischen Union abgeschafft werden. Dies geht aus den nun schriftlich vorliegenden Ergebnissen der Trilog-Verhandlungen zum neuen Strommarktdesign hervor, auf die sich das EU-Parlament, die EU-Kommission und die Vertreter der Mitgliedsstaaten im EU-Rat kurz vor Weihnachten geeinigt hatten

*3 „Smarte Rahmenbedingungen für Energie- und Ressourceneinsparungen bei vernetzten Haushaltsprodukten“, Kurzstudie des Borderstep Instituts im Auftrag des BUND, 2018, www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/energiewende/energiewende_studie_vernetzte_produkte.pdf

*4 Betrachtet wurde ein Haushalt mit Vernetzung von Kühlschrank+Backofen/Herd-Kombi+Spülmaschine, zwei (Küchen-)Kleingeräten, 7 vernetzten Leuchten, Waschmaschine plus Trockner, wobei allgemein zu erschließende Einsparpotenziale durch Energiemanagement bei durchschnittlichem Gebäudezustand berücksichtigt wurden

*5 Die Nationale Top-Runner-Initiative (NTRI) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und mit Unterstützung u. a. des Wuppertal Instituts will die Marktdurchdringung energieeffizienter, qualitativ hochwertiger Geräte unterstützen und Verbraucherinnen und Verbraucher motivieren, auf besonders sparsame Geräte umzusteigen. www.machts-effizient.de/ntri 



Bei Rückfragen oder Interesse an einem Interview wenden Sie sich bitte an Anna Zipse, [email protected], +49 175 40 19 279.

Pressekontakt

Polarstern GmbH
Anna Zipse
Lindwurmstr. 88
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T: 089 309 042 911
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