Vergessene Energiewende im Wärmemarkt

Nur 4 % der Öko-/Biogasangebote sind komplett aus erneuerbaren Energien – auch das Angebot an grünen Wärmepumpentarifen ist klein

München, 08.01.2019

Die Wärmewende stockt: Die Sanierungsquote liegt nach wie vor unter einem Prozent und der Anteil erneuerbarer Energien im Wärmemarkt beträgt nur 13 Prozent – im Strommarkt ist es bereits rund dreimal so viel (38 Prozent). „Neben effizienten Heizungen im Baubestand fehlen vor allem grüne Heiztarife“, sagt Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern. Denn ganz gleich wie effizient eine Heizungsanlage sei, ob Ölkessel, Gasbrennwerttherme oder Wärmepumpe, sie benötige für den Betrieb immer noch Öl, Gas oder Strom. „Effiziente Heizungen sind die Basis, wirklich klima- und energiebewusst geheizt wird aber nur mit erneuerbaren Energien“, betont Florian Henle. „Die Bedeutung der Energiewende im Wärmemarkt wird viel zu wenig diskutiert, so dass das Angebot an grünen Heiztarifen nach wie vor viel sehr klein ist.“ Nach einer Analyse von Polarstern basieren nur vier Prozent der Öko-/Biogastarife komplett auf erneuerbaren Energien. *1

Dabei entfällt die Mehrheit des Energiebedarfs zuhause auf die Wärme – bei älteren Gebäuden sind es sogar bis zu 80 Prozent. Ohne Ökoenergie verursacht eine Gasbrennwertheizung im Schnitt jährlich 4 Tonnen CO2 – bezogen auf einen typischen 3- bis 4-Personenhaushalt; bei einer Wärmepumpe sind es 1,6 Tonnen CO2. *2

Stillstand im Markt der Öko-/Biogastarife

Im Schnitt haben Haushalte seit Jahren gerade mal eine Handvoll echter Öko-/Biogasangebote zur Auswahl, obwohl über die Hälfte aller installierten Heizungen Erdgasheizungen sind. Einzig der Anteil an Klimatarifen nahm in den letzten Jahren leicht zu. Inzwischen sind fast drei Viertel aller Öko-/Biogasangebote sogenannte Klimagasangebote. Dabei handelt es sich um Erdgastarife, bei denen die CO2-Emissionen durch Klimaprojekte ausgeglichen werden. „Im Grunde ist das eine Täuschung. Die Haushalte denken, Ökogas stammt aus erneuerbaren Energien, so wie sie es aus dem Strommarkt mit Ökostrom kennen. Doch das stimmt meistens nicht“, sagt Florian Henle.

Haushalte, die echtes Ökogas suchen, sollten genau hinschauen: Sowohl die Unterschiede in der Ökogasqualität sind groß, als auch die Preise. Angebote komplett erneuerbaren Energien weisen Preisdifferenzen von bis zu 25 Prozent auf. Polarsterns Angebot Wirklich Ökogas besteht zu 100 Prozent aus organischen Reststoffen, die bei der Zuckerproduktion als Abfall anfallen. *3

Das Ökogas-Potenzial wird nicht genutzt

Um mehr Biogas im Wärmemarkt zu nutzen, muss es für die Betreiber von Biogasanlagen auch attraktiv sein, es hier anzubieten. Bisher wird die nur Verstromung von Biogas durch das EEG gefördert. „Aktuell geht so das Biomasse-Potenzial am Wärmemarkt vorbei“, bilanziert Zoltan Elek, Geschäftsführer des Biogasunternehmens Landwärme. Ziel müsse es sein, das Biomasse auch dem Wärmemarkt zur Verfügung steht und gefördert wird, so wie es bereits bei Biomethan-KWK-Anlagen (Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen) der Fall sei.

Reststoffe, Nebenprodukte und Abfälle sind laut Experten bei der Biomassenutzung eindeutig in der Energieerzeugung zu bevorzugen, da sie die Wertschöpfungskette schließen. Rund zwei Drittel des Biomasse-Reststoffpotenzials in Deutschland sind technisch nutzbar, so eine Analyse des Deutschen Biomasse-Forschungszentrums. 40 Prozent davon werden im Energiemarkt bereits eingesetzt. Zuckerrüben weisen beispielsweise einen hohen Energiegehalt auf und eignen sich besonders für die Biogaserzeugung. Insgesamt sind nach wie vor 31 Prozent des technischen Biomassepotenzials ungenutzt, was vor allem an einer kostenintensiven Bereitstellung liegt, etwa von Getreidestroh, Waldrestholz und tierischen Exkrementen. Ihre Nutzung effizienter zu machen bietet Ausbaupotenzial für die Energiewende im Wärmemarkt und den Klimaschutz. *4

Bedeutung Stromtarife im Wärmemarkt

Vor allem im Neubau steigt der Anteil an Wärmepumpen auf inzwischen 43 Prozent aller installierten Heizungen. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die häufigste Art der Wärmepumpen, nutzt rund zwei Drittel der benötigten Energie aus der Umgebung, sprich der Luft, ein Drittel wird mit Strom erzeugt. Damit verdoppelt eine Wärmepumpe schnell den Strombedarf eines Haushalts und – ohne Ökostrom – auch die CO2-Emissionen; von 1,6 Tonnen auf über 3 Tonnen CO2 im Jahr. *2 Ähnlich wie im Gasmarkt haben Haushalte auch bei den Wärmepumpentarifen nur wenige Angebote zur Wahl. Allerdings sind es zumindest meist Tarife aus erneuerbaren Energien und nicht wie im Gasmarkt primär Klimatarife. Wärmepumpentarifen, die in besonderem Maße die Energiewende unterstützen, tragen das Grüner Strom-Label oder das ok power-Label.

Der Ökoenergieversorger Polarstern bietet ausschließlich Strom- und Gastarife aus 100 Prozent erneuerbaren Energien an. Das betrifft Wirklich Ökogas genauso wie den Wärmepumpentarif. Strom von Polarstern ist zertifiziert mit den Gütesiegeln u. a. Grüner Strom Label und bewertet u. a. von Öko-Test mit „sehr gut".

 

*1 Ökogas-Barometer erstellt von Polarstern, basierend auf den Tarifen und Anbietern in den 15 größten deutschen Städten, Stand Herbst 2018

*2 gemessen am Energiebedarf eines typischen 3-/4-Personen-Haushalts, s. Angaben von Heizspiegel und Statistischem Bundesamt

*3 Mehr über Polarsterns Wirklich Ökogas erfahren oder direkt zum Tarifrechner

*4 Gespräch mit André Brosowski, Arbeitsgruppenleiter Ressourcenmobilisierung, DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH sowie Analyse zum Biomassepotenzial in Deutschland

Pressekontakt

Polarstern GmbH
Anna Zipse
Lindwurmstr. 88
80337 München
T: 089 309 042 911
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