Das bringen Gewerbespeicher im Mieterstrom.

Polarstern zieht Bilanz bei zwei Projekten – Passivhaus und KfW 40 Plus-Gebäude

München, 18.09.2019

Batteriespeicher werden immer häufiger in der Energieversorgung von Gebäuden eingesetzt. Bei Einfamilienhäusern wird bereits mehr als jede zweite neue PV-Anlage zusammen mit einem Speicher installiert. Im Mieterstrom steckt der Einsatz von Gewerbespeichern noch in den Anfängen. Eine Bilanz der ersten Mieterstromprojekte von Polarstern mit Speicher zeigt bereits: Es lohnt sich. Durch den Speicher erreichten Mehrfamiliengebäude in den vergangenen Sommermonaten zum Teil Autarkiegrade von über 90 Prozent.

Gewerbespeicher in einer Münchner Passivhaussiedlung.

Zusammen mit einer 79 Kilowattpeak (kWp) Photovoltaikanlage und einem 79 Kilowatt (kW) Speicher haben die Bewohner der 55 Mietwohnungen in den Monaten Januar bis Juli eine Strom-Autarkie von über 65 Prozent erreicht. An einzelnen Sommertagen konnte sogar der komplette Strombedarf aus eigener Erzeugung gedeckt werden. Der Eigenverbrauch lag im genannten Zeitraum bei fast 80 Prozent. „Wir gehen ganzjährig von einem Autarkiegrad in Höhe von 70 Prozent aus“, sagt Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers und Mieterstromdienstleisters Polarstern. Für die Mieter bedeutet das auf das Jahr gesehen Stromkosten, die etwa 16 Prozent unter dem Grundversorgertarif liegen.

Um allen Bewohnern die gleichen Mieterstrompreise zu ermöglichen, wurde ein Messkonzept erarbeitet, bei dem alle Teilanlagen auf den sechs Einzelgebäuden der Passivhaus-Wohnanlage an einem zentralen Elektroanschluss zusammengeführt werden. Bauherr ist das Architektur- und Bauträgerunternehmen NEST Ecoarchitektur.

Der im Gebäude installierte Gewerbespeicher wird er ausschließlich netzgeführt betrieben. Optional ist er auch mit einer 36 kW Notstromfunktion erhältlich. Das heißt, er kann dann je nach Anschluss der Photovoltaikanlage auch ohne Verbindung zum Stromnetz geladen werden und somit mehrere Wochen die Stromversorgung des Gebäudes ermöglichen.

Gewerbespeicher in KfW 40 Plus Mehrfamilienhaus in Pulheim, Nordrhein-Westfalen.

Seit Juli werden 21 Wohneinheiten mit Strom aus einer 38,4 kWp Photovoltaikanlage versorgt. Zusammen mit einem 35 kWh Speicher erreichten die Haushalte in den Monaten Juli und August einen Autarkiegrad von 96 Prozent. Das bedeutet Stromkosten, die im Mittel 13 Prozent unter denen der klassischen Grundversorgung liegen. Martin Schmitt, Geschäftsinhaber von enerix Pulheim, einem führenden Serviceanbieter für dezentrale Energiesysteme, berichtet: „Mit der Anlagentechnik haben wir die Kriterien der vom Bauherren angestrebten Förderung KfW 40 Plus erfüllt und die Ertragsprognosen bisher sogar übertroffen. Unsere Erfahrungen hinsichtlich des Ertrags und der Autarkie bestätigen uns darin, dass die Kombination von Photovoltaikanlage und Speicher im Mieterstrommodell die richtige Entscheidung war.“

Die Installation eines Speichers ist Voraussetzung für die Förderung KfW 40 Plus. Angesichts der sinkenden Kosten für PV-Anlage und Speicher und der weiteren Möglichkeiten, den erzeugten Solarstrom auch in der Wärmeversorgung und bei Elektromobilitätsangeboten zu nutzen, rechnet sich die Integration eines Speichers immer schneller.

Gewerbespeicher im Mieterstrom sind ein Wachstumsmarkt.

Rechtliche Hürden und eine mangelnde Rendite haben den Einsatz von Gewerbespeichern im Mieterstrom bislang verzögert. „Das Delta zwischen selbst erzeugtem und genutztem Strom und Strom aus dem öffentlichen Netz war lange zu klein, sprich die Zusatzrendite verglichen zu einer reinen PV-Anlage zu gering“, sagt Florian Henle. Mit steigenden Netzentgelten und steigenden Börsenstrompreisen sei die eigene Stromversorgung zuletzt immer lukrativer geworden. Der Preisvorteil je Kilowattstunde von Netzstrom zu Lokalstrom liegt aktuell bei Mieterstromprojekten bei 15 Prozent – bei einem typischen Haushalt in München mit 2.200 Kilowattstunden im Jahr sind das rund 120 Euro brutto. Das mache einen hohen Eigenverbrauch attraktiv und wirke für die Mieter nachhaltig wie eine Strompreisbremse.

Vernetzung im Sinne der Sektorenkopplung.

Seit Anfang 2019 gelten im Zuge des Energiesammelgesetzes neue Fördersätze für die Stromeinspeisung aus Mieterstromanlagen mit einer Größe über 40 kWp. Sie sind verglichen deutlich gesunken und machen damit den Direktverbrauch des erzeugten Stroms einmal lukrativer.

„Ziel des Einsatzes von Gewerbespeichern im Mieterstrom ist die Stärkung der lokalen Stromversorgung und explizit nicht die Einspeisung ins öffentliche Netz. Entsprechend gewinnt die Vernetzung des Speichers mit weiteren Anlagen innerhalb des Gebäudes an Bedeutung“, weiß Florian Henle. Speicher ergänzten beispielsweise hervorragend Ladestellen für Elektroautos und Wärmepumpen. „So kann je nach Bedarf der Strom an der passenden Stelle gespeichert und die Autarkie gesteigert werden.“ Auch können mit Netzdienstleistungen, wie zum Beispiel der Spitzenlastkappung, weitere Einsparungen erzielt werden.

Vom Individualsystem zu Plug&Play-Lösungen.

Während bei Speichern für Eigenheimbesitzer Komplettpakete gefragt sind, kommt es im Mieterstrom auf individuell angepasste Speichersysteme an. Speicherhersteller wie VARTA Storage konzipieren die Systeme speziell für ein Projekt, das heißt, sie stellen Wechselrichter, Speicherkapazität, Aufbau der Racks, Messtechnik etc. aufeinander ab. „Ein Speichersystem muss so flexibel sein, wie der Kunde und der geplante Einsatz es erfordern. Hier machen sich Systeme bezahlt, die schlüsselfertig aus einem Baukasten zusammengestellt werden können. Standard-Industriekomponenten werden individuell miteinander kombiniert“, erklärt Volker Dietrich von VARTA Storage. VARTA hat im oben genannten Münchner Mieterstromprojekt den Speicher konfektioniert. Dabei wurden auch sich möglicherweise veränderte Haushaltsgrößen und Verbrauchsverhalten berücksichtigt sowie Wert auf eine einfache Wartung gelegt. „Je größer die Nachfrage im Markt ist, umso relevanter werden solche Plug&Play-Lösungen“, ist sich Tobias Schmitt vom Installateursbetrieb Emondo sicher. Zumal sich Gewerbespeicher so zusammen mit den verfügbaren Außenanlagen gut bei Bestandsgebäuden integrieren ließen.

Die flexible Gestaltung der Speichersysteme und ihre modulare Erweiterung ermöglichen schon heute, neben der klassischen lokalen Stromversorgung, eine Vielfalt an Einsatzbereichen: Die Rede ist von Funktionen wie Peak Shaving, Notstromversorgung sowie die Teilnahme am Regelenergiemarkt.

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Pressekontakt

Polarstern GmbH
Anna Zipse
Lindwurmstr. 88
80337 München
T: 089 309 042 911
presse@polarstern-energie.de
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