Sparpotenziale beim Strom sind zunehmend höher als beim Heizen | Polarstern

Strom-Sparpotenziale sind zunehmend höher als beim Heizen

Energieeffiziente Gebäude und solare Energieerzeugung unterstützen die Entwicklung

München, 16.07.2019

Gerade, weil sie das ganze Jahr über funktionieren, sind Stromsparmaßnahmen besonders wirkungsvoll. „Die Dauer macht’s“, bringt es Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern, auf den Punkt. „Künftig kommt dieser Effekt noch stärker zum Tragen, weil mit steigender Energieeffizienz der Gebäude der Strombedarf einen immer höheren Anteil an den Gesamtenergiekosten hat.“ Letztlich seien für Haushalte beim Stromsparen sogar höhere Kostenersparnisse möglich als beim Heizen. Unterstützt werde dies durch neue Möglichkeiten, Solarenergie zu nutzen.

Mehrere hundert Euro im Jahr sparen.

Vergleicht man das Stromsparpotenzial von Haushalten*1 mit den laut Stromspiegel höchsten und niedrigsten Verbräuchen, sind in Wohnungen jährlich rund 400 bis 1.800 Euro Ersparnis möglich, abhängig unter anderem von der Anzahl der Bewohner und der Warmwasseraufbereitung (mit bzw. ohne Strom). Beim Heizen einer 100 Quadratmeter Wohnung liegt das Sparpotenzial bei bis zu rund 1.300 Euro.

Haushalte, die selbst Energie erzeugen – etwa mit einer PV-Anlage – senken zwar spürbar ihre Energiekosten, nicht aber automatisch ihren Energieverbrauch. Hier macht sich der Reboundeffekt bemerkbar: „Scheint die Sonne, neigen Haushalte mit PV-Anlage dazu, eine Wasch- oder Spülmaschine halbvoll oder den Trockner einmal häufiger anzustellen. Schließlich ist selbst erzeugter Strom heute rund 60 Prozent günstiger als Strom aus dem öffentlichen Netz“, sagt Florian Henle von Polarstern. Dabei könnten sie mit einem energiebewussten Verhalten noch mehr sparen.

Anteil des Stromverbrauchs bei energieeffizienten Gebäuden.

Wie viel Energie und Kosten gespart werden können, beeinflusst stark der Energiestandard des Gebäudes. So haben Häuser mit hohen Energiestandards heute einen um rund 70 Prozent geringeren Heizwärmebedarf als ein durchschnittliches Wohnhaus. Entsprechend größer ist der Einfluss von Stromsparmaßnahmen auf die Gesamtenergiekosten des Haushalts. Bei einem Dreipersonenhaushalt in einer 100 Quadratmeter großen Wohnung hat der Strombedarf im Passivhaus einen Anteil am Gesamtenergiebedarf von bis zu 80 Prozent und bei einem KfW-Effizienzhaus 55 von bis zu 60 Prozent. „Wenn große Stromverbraucher wie Wärmepumpen oder Ladestationen für Elektroautos im Haushalt vorhanden sind, ist das noch einmal ausgeprägter“, betont Florian Henle.

Um Strom kosten- und klimabewusst zu nutzen, gibt es für verschiedene Anwendungsbereiche spezielle Ökostromtarife: Ökostrom für Wärmepumpen, für Elektroautos, ergänzende Ökostromtarife für Haushalte mit Solaranlage und Co. Sie sind günstiger als klassischer Haushaltsstrom. Bei Polarstern liegen ihre Kosten jeweils schnell 20 bis 30 Prozent darunter.

„Nebenbei Stromsparen funktioniert nicht.“

Energiesparen kann man sowohl durch das Ersetzen von ineffizienten Geräten, als auch – ohne Investition – durch eine Veränderung des alltäglichen Nutzungsverhaltens von Geräten. Und das gelingt am besten, wenn man es bewusst und konsequent macht.

Um wirkungsvoll Energie zu sparen, stehe am Anfang das Wissen über den eigenen Stromverbrauch. Daran mangele es bei den meisten Haushalten, sagt Ellen Matthies, Umweltpsychologin an der Otto-von-Guericke-Universität. „Wer nicht weiß, wie viel Strom er verbraucht und wo die großen Stromfresser daheim lauern, ist angesichts der Vielzahl an Informationen und Energiespartipps schnell überfordert und weiß nicht, wo er anfangen soll.“ So würden oft Maßnahmen ergriffen, die am sichtbarsten sind, wie das Ausschalten von Lampen, ohne dass hier tatsächlich ein großes Sparpotenzial vorhanden sei. Effektiver wäre es, alte Leuchtmittel durch LED-Lampen auszutauschen. „Gerade in Familien ist es außerdem wichtig, dass sich alle einig darüber sind, welche Routinen verändert werden sollen, nur lassen sich alte Gewohnheiten wirklich überwinden.“ Nebenbei Energie zu sparen sei ebenfalls ein Trugschluss. Man müsse sich schon mit der Maßnahme auseinandersetzen und etwa in der Familie darüber sprechen. „Das motiviert auch dranzubleiben.“

Gehe es Menschen beim Energiesparen genauso um einen Beitrag zum Klimaschutz, wie es aktuell durch Fridays for Future gefördert werde, müsse man aber über den Haushaltsbereich hinausschauen und sein Verhalten genauso in anderen Lebensbereichen verändern. „Eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensstil – also die genaue Kenntnis des eigenen CO2-Fußabdrucks – ist die Grundlage, um das Klima tatsächlich zu schützen.“

Super-Sparzeit Sommer.

Die Sonne ist ein altbekannter Stromsparhelfer: Ob Wäsche an der Wäscheleine trocknen statt im Trockner oder mithilfe von Solarstrom neue Potenziale nutzen, die Sonne erleichtert das Sparen. „Ein ähnlicher Strombedarf der Haushalte in den Sommer- wie in den Wintermonaten zeigt jedoch, dass dies den meisten von uns schwerfällt“, weiß Florian Henle.

Einfacher ist es, wenn Geräte zum Betrieb automatisch Solarenergie nutzen, ohne dass man daran denken muss, wie zum Beispiel Solarlampen, die Solardusche im Garten oder Solarladegeräten für Handy und Co. Haushalte mit Solaranlage haben es sogar noch einfacher: Sind ihre Elektrogeräte intelligent über ein Energie-Managementsystem mit der Solaranlage verknüpft, können sie ihren Betrieb automatisch der Stromerzeugung anpassen. Wie gesagt, reduziert das zwar nicht den Energieverbrauch, weil die Geräte dennoch genutzt werden, jedoch sinken die Energiekosten. (s. Absatz „Mehrere hundert Euro sparen.“)

Unabhängig von Solaranlagen sparen Haushalte Energiekosten, wenn sie während ihres Urlaubs Stromverbraucher ausschalten. Noch mehr bringt es, wenn die Heizung in den Sommermonaten generell eine Ruhepause hat und ausgeschaltet wird. Also nicht nur die Thermostate runtergedreht werden, sondern die auch die Umwälzpumpe aus ist. Das gilt natürlich nicht, wenn mit der Heizungsanlage auch Warmwasser erzeugt wird. Am besten holt man sich dazu einen Fachmann, da Heizungen mehrere Pumpen haben und nur die Pumpe abgeschaltet werden sollte, die das Wasser in den Heizkörpern zirkulieren lässt.

Smarte Spar-Unterstützung.

Ganz einfach smart Strom sparen hat seine Tücken: Haushalte mit vernetzten Geräten steigern zum Teil sogar ihren Stromverbrauch. Das Borderstep Institut hat errechnet, dass in einem Haushalt mit vernetzten Elektrogeräten und intelligenter Beleuchtung jährlich bis zu 100 Euro zusätzliche Kosten durch Vernetzung anfallen können.*3

Soll smart Energie gespart werden ist es wichtig, dass die neuen Geräte bisherige Geräte ersetzen. „Kauft man hingegen zusätzliche Geräte, dann ist das schnell eine versteckte Stromkostenfalle“, warnt Florian Henle vom Ökoenergieversorger Polarstern. Auch sollten die smarten Geräte dort eingesetzt werden, wo sonst Energie verschwendet wurde. Bieten sie hingegen vor allem mehr Komfort, muss der Energiebedarf beobachtet werden. Tendenziell wird schnell mehr Strom verbraucht, umso mehr Geräte vernetzt sind. Das bedeutet nämlich, dass sie sich im vernetzten Bereitschaftsbetrieb befinden und nie wirklich aus sind. Spannend sind einzelne Geräte, die durch eine geräteinterne, intelligente Steuerung immer effizienter arbeiten.

 

*1 Quelle: Strom- und Heizspiegel

*2 Das Gespräch mit Ellen Matthies, Umweltpsychologin an der Otto-von-Guericke-Universität, haben wir im Juli 2019 geführt.

*3 siehe Pressemeldung mit Infos zum modernen Energiesparen

Pressekontakt

Polarstern GmbH
Anna Zipse
Lindwurmstr. 88
80337 München
T: 089 309 042 911
presse@polarstern-energie.de
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