Was machen nachhaltige Banken? | Polarstern
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Was machen nachhaltige Banken und welche gibt es?

Als „Anwalt für Umwelt und Menschenrechte“ kämpft der urgewald e.V. dafür, dass Staat und Wirtschaft Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. „Wer das Geld gibt, trägt Verantwortung für das Geschäft“, ist das Motto. urgewald e.V. schaut den Banken und Konzernen genau auf die Finger, wenn deren Aktivitäten Mensch und Umwelt gefährden. Und wenn Verhandeln mit den Entscheidern nichts bewirkt, stellen sie eben Proteste auf die Beine. Der Verein deckt auf, welche krummen Dinger herkömmliche Banken zum Teil mit unserem Geld drehen. Agnes Dieckmann ist bei urgewald Expertin für Grüne Banken und organisiert die entsprechenden Kampagnen, denn sie will „Menschen vom Wissen zum Handeln bringen.“ – genau wie Polarstern.

Frau Dieckmann, was sind eigentlich „grüne“ Banken, und was machen sie anders?

DIECKMANN Seit der Finanzkrise 2008 ist klar, dass Banken nicht nur Gutes mit unserem Geld tun. Trotzdem handeln nicht alle nach der Devise: Profit vor Moral. Sogenannte „Alternativbanken“, also grüne Banken, wollen mit unserem Geld ökologisch, sozial und ethisch verantwortlich wirtschaften.

Was grüne Banken von herkömmlichen Banken unterscheidet

Wirtschaften grüne Banken anders als herkömmliche und wenn ja, welche Philosophie steckt dahinter?

DIECKMANN Das Geschäftsmodell von grünen Banken ist anders: sie machen ihre Geschäfte transparent und Mitsprache möglich. Diese Banken arbeiten mit klaren Ausschlusskriterien: Investitionen in die Atom- oder Rüstungsindustrie kommen von vorherein nicht in Frage. Auch in die Kohleindustrie fließt kein Cent. Im Gegenteil - sie fördern gezielt zukunftsweisende Projekte, z.B.  ökologische Landwirtschaft oder Erneuerbare Energien. Komplizierte, spekulative Anlageprodukte findet man bei ihnen nicht. Und das allerwichtigste: sie sind transparent. Da weiß ich, was mit meinem Geld passiert.

Wohin fließt bei Banken das angelegte Geld 

Wie kommt es, dass sich Menschen Gedanken über nachhaltige Kleidung und faire Lebensmittel machen, aber nicht, was ihre Bank macht?

DIECKMANN Wenn wir über Geld reden, dann gerne im Großen: über internationale Finanzmärkte, die Eurokrise und Börsenunternehmen, die über Nacht pleite gehen. Oder über Regierungen, die gegen Staatsbankrott kämpfen. Über das eigene Geld wird weniger diskutiert. Oder unterhalten Sie sich mit Freunden und Bekannten über Ihre Bank? Wem Sie da Ihr Geld anvertrauen? Wir sind meistens bei der Bank vor Ort oder bei einer Großbank. Uns interessiert erst mal, was unser Geld auf dem Tagesgeldkonto an Zinsen bringt. Wir vergleichen die Gebühren der Girokonten. Die Frage „Was macht die Bank mit meinem Geld?“ stellen die Wenigsten. Wer sein Geld aber mit gutem Gewissen anlegen will, muss genauer hinschauen. Wer Sicherheit möchte, muss unbequeme Fragen stellen. Weil wir als herkömmlicher Kunde einfach nicht erfahren, ob die Bank unser Geld in internationale Atomkonzerne steckt. Weil wir nicht darüber informiert werden, dass die Bank unser Geld an Waffenhersteller verleiht. Ein Beispiel: Frau H. will in eine fondsgebundene Lebensversicherung (z.B. Riesterrente) einzahlen. Worin ihr Geld über Jahre investiert wird und welche Wirtschaftszweige damit Gewinne erzielen, ist für Frau H. nur nachvollziehbar, wenn sie „ihre“ Fonds genau unter die Lupe nimmt. 

Put your money where your heart is

„Grüne Investments“ hören sich spannend an. Wieso ist mein Geld hier solider angelegt?

DIECKMANN Wir wollten es wissen und haben für unsere Verbraucherbroschüre „Was macht eigentlich mein Geld?“ neben Banken auch die größten Versicherungen und deren Topfonds unter die Lupe genommen. Es ging also um fondsgebundene Rentenversicherungen - die Standardprodukte für Ottonormalverbraucher. Wir waren erschrocken darüber,  in wie viele problematische Firmen so ein Finanzprodukt verwickelt ist. Zum Beispiel in Energiekonzerne wie Chevron, ExxonMobil, E.ON und RWE. Auch Rüstungskonzerne wie Airbus Group und Riesen wie Monsanto, Nestle und Unilever werden bedient.

Bei soliden Anlagen hingegen sollte der Grundsatz gelten: „Put your money where your heart is.“ Die Rendite muss stimmen. Das tut sie aber nur, wenn ich mir sicher sein kann, dass dabei keine Menschen oder Ressourcen ausgebeutet werden. Wenn ich mit der richtigen Geldanlage eine Wirtschaft fördern kann, die so ist, wie ich sie mir wünsche. Dann stimmt die Rendite in jeder Hinsicht. Ich werde oft gefragt: „Muss ich bei Grünen Geldanlagen auf Gewinn verzichten?“ Nein. Die grünen Finanzprodukte sind ökonomisch nicht besser oder schlechter als konventionelle. Sie sind aber fairer und ökologischer. Bei Fondsdauertests der Stiftung Warentest haben ethisch-ökologische Fonds schon seit Jahren gut abgeschnitten. Sie bewegen sich daher im Mittelfeld.

Warum der Wechsel zu einer grünen Bank doppelt besser ist

Lohnt es sich, auch mit einem kleinen Geldbeutel grün anzulegen?

DIECKMANN Auf jeden Fall. Erstens, der Bankwechsel ist ein wichtiges politisches Statement. Zweitens, je mehr Geld in transparente, nachhaltige Geschäfte fließt, umso besser. In Deutschland gibt es derzeit 95 Millionen Girokonten. Diese verfügen über ein Volumen von 800 Milliarden Euro. Eigentlich verdienen die Banken nichts an einem Girokonto. Aber da, wo Menschen ihre „Hausbank“ haben, machen sie auch andere Geldgeschäfte. Sie eröffnen ein Tagesgeld- oder Sparkonto. Sie schließen Rentenversicherungen ab. Das ist interessant für die Banken. Ca. 80 % der Girokonto-Inhaber schließen eine Spareinlage bei ihrer Bank ab. Das bringt der Bank zwar nicht allzu hohe, aber stetige Erträge ein. Deshalb buhlen die Banken seit der Finanzkrise um Privatkunden. Dafür muss man sich nur die Werbung der großen Privatbanken anschauen.

Wechsel zu einer grünen Bank und welche empfehlenswert sind

Wie funktioniert der Wechsel zu einer grünen Bank? 

DIECKMANN Am besten Schritt für Schritt. Man kann erst mal ohne viel Aufwand ein Tagesgeldkonto anlegen. Für den Girokontowechsel braucht man ein bisschen mehr Geduld und Aufwand. Es ist aber auch keine große Schwierigkeit. Wer seine bisherige Altersvorsorge in ein „Ökoprodukt“ umwandeln will, sollte sich auf jeden Fall beraten lassen. Am einfachsten ist es für junge Leute, die mit allem erst anfangen. Sie können von Beginn an ihr Geld an einer nachhaltigen Bank unterbringen.

Und wenn ich bei meiner Bank bleiben möchte?

DIECKMANN Wer aus irgendeinem Grund bei seiner alten Bank bleiben und trotzdem etwas tun will, sollte kritisch nachfragen. Kundenproteste werden bei der Bank sehr genau registriert. Es soll klar werden, dass Sie die Unterstützung von Kohle und Co. ablehnen. Unsere Geldgeschäfte sind nämlich ein wirkungsvoller Hebel. Die Banken und Versicherungen reden nicht gerne über ihre Rolle in punkto Ausbeutung, Klimawandel und Rüstungsindustrie. Aber genau das passiert, wenn wir nicht nachhaken, was mit unserem Geld passiert.

Welche Banken sind empfehlenswert?

DIECKMANN Wir empfehlen vier Alternativbanken: GLS Bank, Triodos Bank, UmweltBank und EthikBank. Sie achten auf klare Ausschlusskriterien und Transparenz ist ihr wesentliches Merkmal. Interessierte Kunden erfahren, wofür die Bank ihr Geld ausgibt. Dabei können die Kunden auch entscheiden, in welche Unternehmen ihr Geld investiert wird. In der Auswahl der Projekte lassen sich die Alternativbanken von unabhängigen  Forschungsinstituten im Bereich Nachhaltigkeit beraten. Das Filialnetz der nachhaltigen Banken ist derzeit noch sehr überschaubar. Die EthikBank ist in Eisenberg, die Triodos Bank in Frankfurt und die UmweltBank in Nürnberg. Die GLS Bank hat mehrere Standorte: Bochum, Berlin, Frankfurt, Freiburg, Stuttgart, Hamburg und München. Die Beratung läuft telefonisch und Bankgeschäfte werden online getätigt. So wie wir bei der Wahl unseres Stromanbieters entscheiden, dass kein Atomstrom produziert wird, können wir auch bei den Banken Einfluss nehmen. Unsere Konsumentscheidungen verändern das Leben von Menschen in aller Welt. Oft treffen wir Entscheidungen für bio, fair und regional. Nachhaltige Geldanlage gehört für mich dazu.

Danke für das Gespräch, Frau Dieckmann!

P.S. Wer sich weiter informieren möchte: Wir empfehlen die Broschüre "Was macht eigentlich mein Geld?" des urgewald.e.V. Sie ist hier als Download erhältlich.  

Das Interview führte Polarstern-Mitarbeiterin Domenica.

Fotos: Titelbild und Portrait Agnes Dieckmann (c) urgewald e.V. 

 

Was hat das mit Polarstern zu tun?

Auch Polarstern investiert mit 1 Cent pro kWh in Projekte, die den Ausbau von erneuerbaren Energien fördern – in Deutschland und weltweit. Energiewende funktioniert nur, wenn alle mitmachen. Deshalb brauchen wir auch dich und alle deine Freunde! Du kannst dein Geld in eine sichere und zukunftsfähige Energieversorgung investieren, ohne Risiko. Denn wir bieten dir wirklich faire und zuverlässige Konditionen und das ist sogar günstiger als du denkst. Schau doch einfach mal, ob Wirklich Ökostrom oder Wirklich Ökogas was für dich ist! 

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