Bio Kleidung: so erkennst du gute Stoffe | Polarstern
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Was ist ein guter Bio-Stoff?

Faire Mode ist seit einiger Zeit schwer in Mode. Und es gibt einige Siegel: Öko Tex, GOTS, Fair Wear Foundation, Fair Trade - wie erkenne ich die echte Biobaumwolle im kleidungsstapel? Enrico Rima von Lebenskleidung erklärt’s.

Das Studium brachte Enrico Rima nach Indien, wo er die Missstände in der Textilindustrie hautnah miterlebte. Zurück in Deutschland gründete er zusammen mit Benjamin und Christoph Lebenskleidung. Die GOTS zertifizierte Textilagentur bietet feinste Bio-Baumwollstoffe und Bio-Seidenstoffe an und setzt sich für faire Märkte ein. Hier erzählt Enrico von seinen Erfahrungen in Indien, was einen ökologisch korrekten Stoff ausmacht und über die Wirtschaft 2.0. 

GOTS zertifiziert

(Enrico Rima: 3.v.l)

Über die Missstände in der Textilindustrie

Enrico, Du bist eigentlich Geograph und Umweltwissenschaftler. Was hat Dich dazu angetrieben, eine Textilagentur zu gründen?

ENRICO Ich habe Umweltwissenschaften und Geographie in Indien studiert und bin dabei fast täglich auf Publikationen über die Missstände in der Textilindustrie gestoßen. Zum Beispiel die Selbstmorde von Baumwoll-Bauern: An die 12.000 nehmen sich jedes Jahr das Leben, weil sie das genmanipulierte Saatgut und die Pestizide nicht mehr bezahlen können; dann werden die Böden durch die Mittel unfruchtbar und und und. Eine andere Sache, auf die ich über das Studium aufmerksam geworden bin, sind die harten Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sowie die massive Umweltverschmutzung, zum Beispiel beim Färben, wo die Chemikalien direkt in die Flüsse und das Grundwasser laufen, was sich auch auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt. Die ganze Produktionskette in der konventionellen Textilindustrie ist intransparent und von Ausbeutung auf allen Stufen geprägt. 

Was meinst du mit Stufen in der Textilindustrie?

ENRICO Mit den Stufen der Textilindustrie meine ich, dass man aus der Baumwolle erst mal einen Garn machen muss. Aus dem Garn musst du ein Gewebe weben oder stricken. Dann musst du das Ganze färben, dann zuschneiden, und dann wird es erst zu einem T-Shirt oder Whatever vernäht. Im ganzen Textilherstellungsprozess sind Frauen und Männer, Menschen beteiligt. Und da gibt’s viele fiese Sachen, die da laufen. 

Hast du ein Beispiel, wie die Ausbeutung in der Textilindustrie konkret abläuft?

ENRICO In Indien gibt es zum Beispiel das sogenannte „Sumangali“. Da wird den Mädchen versprochen: „OK, du arbeitest jetzt 3 Jahre hier in der Garnfabrik, und wir sparen in der Zwischenzeit deinen Lohn, mit dem du einmal deine Hochzeit bezahlen kannst.“ Die Eltern der Mädchen stimmen natürlich zu; weil sie arm sind, nicht lesen und schreiben können, keine Aufstiegschancen haben. Und die Mädchen werden dann 3 Jahre in der Textilindustrie ausgebeutet, und oft sehen sie  von ihrem Geld nie wieder was. Mich haben diese Schicksale motiviert, eine Alternativen zu starten. 

Lebenskleidung

Die Geburtsstunde des fairen Textilunternehmens Lebenskleidung

Kam die Idee, das faire Textilunternehmen Lebenskleidung zu gründen, direkt in Indien?

ENRICO Angefangen hat es für mich in Indien bei einem Uni-Projekt, bei dem wir organic Bettwäsche auf rein pflanzlicher Basis gefärbt haben. Damit haben wir auch bei einem Business-Wettbewerb mitgemacht, und die Idee einer fairen Textilherstellung hat sich immer weiterentwickelt. Daraus ist dann nach und nach Lebenskleidung entstanden.

Über die Bedeutung GOTS zertifizierter Stoffe

Bei euch sind die Stoffe GOTS zertifiziert, was bedeutet das?

ENRICO 95% der Stoffe, die wir verkaufen, sind nach dem GOTS-Standard zertifiziert. GOTS steht für Global Organic Textile Standard. Das Zertifikat verlangt, dass der Stoff auf wirklich jeder Produktionsstufe, also vom Baumwollfeld, über die Verarbeitung bis zum fertigen Produkt, hohe ökologische Standards einhält. Dabei wird jede Produktionsstufe separat kontrolliert und zertifiziert. Die organic Standards sind bei GOTS wirklich sehr hoch und werden alle zwei Jahre evaluiert. Die aktuell bestmöglich ökologische Variante wird dann wiederum als Maßstab für die nächsten zwei Jahre gesetzt. Die sozialen Standards könnten meiner Meinung nach bei GOTS höher sein. Wir besuchen deshalb unsere Textilprojekte so oft wir können. Mindestens einmal im Jahr in Indien und ca. dreimal in der Türkei. Auch mit den Baumwoll-Bauern in Indien und der Türkei habe ich schon zusammengesessen. 

Was ist der Nachteil von konventioneller Baumwolle gegenüber GOTS zertifizierter Baumwolle?

ENRICO Baumwolle ist ohnehin eine ökologisch schwierige Pflanze, weil sie viel Wasser braucht. Im konventionellen Anbau wird sie in riesigen Monokulturen angebaut. Dabei werden Unmengen an Pestizide benötigt. So weit mir bekannt ist, wird Baumwolle auf 2,5 % der weltweiten Agrarflächen angebaut, gleichzeitig werden dabei 17 % der weltweit hergestellten Pestizide und Insektizide eingesetzt. Zur Veranschaulichung: wenn du jetzt ein T-Shirt aus konventioneller Baumwolle anhast, wurden dafür 7 Quadratmeter Erde im Anbaugebiet mit Pestiziden und hochtoxischen Chemikalien behandelt. Das passiert bei ökologisch angebauter also GOTS zertifizierter Baumwolle nicht. Denn hier müssen nach GOTS 95% der Fasern aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft stammen.

Und was ist der Vorteil von einer GOTS zertifizierten Bio-Baumwolle?

ENRICO Im ökologischen Bio-Baumwolle-Anbau nach dem GOTS hast du eine natürliche Fruchtfolge, du machst die Böden nicht kaputt, verseuchst nicht das Grundwasser, und es kommen nur Bio-Pestizide aus lokalen Pflanzen sowie natürliche Sexuallockfallen zum Einsatz. So wie man das auch aus dem ökologischen Landbau bei Lebensmitteln in Deutschland kennt. 

Wie Lebenskleidung für faire Arbeitsbedingungen sorgt

Du hast schon gesagt, dass ihr versucht, so oft wie möglich zu euren Textilproduktionsstätten in Indien oder der Türkei zu fahren. Wie garantiert ihr faire Arbeitsbedingungen, wenn ihr nicht vor Ort seid?

ENRICO GOTS leistet eine wichtige Grundarbeit, weil es ein gutes Kontrollsystem hat. Wir können nicht zu jeder Zeit die Textilproduktion persönlich checken, das ist klar. Aber wir können schon mit regelmäßigen Besuchen vor Ort vieles kontrollieren. Arbeiten die Textilunternehmer vor Ort mit der selben ökologischen Einstellung wie wir? Man findet das schnell raus, wenn man sich Sachen zeigen lässt und kritisch hinterfragt. 

GOTS zertifiziert Bio-Stoff

Neuerdings kann man bei Lebenskleidung Textilien bedrucken lassen. Ist das Drucken auch nach dem GOTS?

ENRICO Es gibt GOTS-zertifizierte Druckereien, wo mit einer „Positiv“-Liste an Farben und an Aushilfsstoffen, gearbeitet wird, die man benutzen darf. Sie ist nur halb so lang wie die Palette einer konventionellen Druckerei. Wir werden zum Beispiel niemals ein T-Shirt in Neonfarben bedrucken lassen können, weil Neon Stoffe Inhaltsstoffe enthält, die nicht mit dem GOTS-Standard vereinbar sind. 

Über die Bedeutung von "Wirtschaften 2.0"

Lebenskleidung spricht von „Wirtschaften 2.0“. Was heißt das?

ENRICO Wirtschaften 2.0 heißt für mich, dass man nachhaltig arbeitet, dass man zusammen arbeitet und nicht die Ellenbogen ausfährt. Gerade unter den kleineren Unternehmen macht es überhaupt keinen Sinn, sich gegenseitig zu zerfleischen, da lachen sich ja die Großen tot. Unser Ziel ist eine nachhaltige, transparente und stabile Wirtschaft. Kleinere Labels für das Nachhaltige sowieso eine Selbstverständlichkeit ist, können das nur zusammen erreichen.

Und warum nachhaltige Mode und Ökostrom Hand in Hand gehen

Gehört zu einem nachhaltigen Textilunternehmen auch der Bezug von Ökostrom und/oder Ökogas?

ENRICO Als Umweltwissenschaftler spielt das für mich eine riesige Rolle. Und gerade wenn man eine nachhaltige Firma gründet, will man ja, das der Rest auch stimmt, also ökologische Büromaterialien, gesundes Essen  – und nachhaltige Energie gehört da natürlich auch dazu.  Für uns ist das eine Selbstverständlichkeit. Wir hatten auch gleich von Anfang an Ökostrom in unseren Räumen. Später haben wir uns für den Stromanbieter Polarstern entschieden, nicht unbedingt, weil es für uns preislich sogar der günstigere Stromanbieter war, sondern weil wir es cool fanden, dass du einen persönlichen Kontakt zu deinem Stromversorger hast. Jakob habe ich auch schon mehrmals in München und Berlin auf Veranstaltungen getroffen. Auch das ist für mich Wirtschaften 2.0.! 

Vielen Dank, dass du dir für uns Zeit genommen hast, Enrico!

 

 

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