Sag' mir, wo die Bienen sind | Polarstern
x

Sag' mir, wo die Bienen sind

Bienen Besteubung Pflanzen

Bsss. Bsss. Bsss. Bs. Bs. Bs. Bsss. Bsss. Bsss. Drei lang, drei kurz, drei lang – so könnte ein Bienen-SOS aussehen. So lustig das klingen mag, das Bienensterben in Deutschland ist ein größeres Problem, als uns lieb sein kann. Ökologie und Landwirtschaft sind betroffen, Industrie und Verbraucher stehen in einem Diskurs, in dem viel Essentielles verschwiegen wird. Ich möchte diese Woche über ein Insekt schreiben, dessen Bedeutung für uns und die Umwelt völlig unterschätzt wird. Einstein sagte: Geht die Biene, folgt ihr bald der Mensch. Ist da etwas dran? 

Diese Biene, die ich meine

Bienen sind, das war mir auch nicht ganz bewusst, unglaublich wichtig für das Ökosystem: Sie produzieren zwar Honig und Wachs, aber ihre Hauptaufgabe liegt in der Bestäubung. 80 % aller Nutzpflanzen werden von Bienen bestäubt. Ein Drittel unserer Lebensmittel sind von Bestäubung abhängig. Volkswirtschaftlich gesehen macht das einen geschätzten Wert von 4 Milliarden Euro. Auch viele Pflanzenarten hängen von dieser Art der Bestäubung ab, es sei denn, sie können vom Wind befruchtet werden, wie Gräser oder die Ausnahmen Tomate und Weinrebe. Diese Tätigkeit macht die Biene zum Nutztier, das oft in deren Top-4, zusammen mit Rind, Schwein, und Pferd landet. Die Biene ist fester Teil des Öko-Zyklus und ein System ohne sie kaum vorstellbar: Große Ernteteile wären ohne sie um ein Vielfaches geringer, wenn überhaupt vorhanden. Eine Kirsche zum Beispiel kann mit Bienenbestäubung bis zu 80-fachen Ertrag erreichen. Aber etwas läuft schief, denn das Bienensterben nimmt besonders seit 2003 stark zu und Imker finden immer öfter Bienen oder ganze Stöcke tot vor. UNEP und Greenpeace haben Zahlen dazu: 2012 sind in den USA 30% der Bienen gestorben, im nahen Osten 85%, in Europa 20% und in Deutschland 30%. 

Bienen Bienensterben

Varroa – die Ursache des Bienensterbens?

Wenn man das Problem „Bienensterben“ googled, stößt man schnell auf die vermeintliche Ursache allen Übels: die Varroa-Milbe. 1977 Von deutschen Wissenschaftlern zu Forschungszwecken aus China importiert, schlüpfte sie irgendwie in unser Ökosystem, aus dem wir sie heute nicht mehr raus bekommen. Sie befällt Bienenvölker und deren Maden so nachhaltig, dass ganze Stöcke früher oder später sterben. Dennoch ist sie nicht unbekämpfbar und, so zeigen andere Untersuchungen, sie ist lange nicht der einzige Grund für das Bienensterben, was wiederum von der Industrie finanzierte Studien behaupten. 

Insektizide, Gentechnik, Klimawandel sind Gift für unsere Bienen

Die Problematik ist vielschichtiger. Klimatische Veränderungen sind für die empfindlichen Bienenpopulationen natürlich ein weiterer Faktor: lange Winter, extreme Wetter, veränderte Flora. Ein weiterer Grund für das Bienensterben ist unsere industrielle Landwirtschaft mit Monokulturen, Gentechnik, der chemischen Behandlung von Pflanzen und Industriedünger. Den größten Verursacher vermuten Imker und Bienenschützer in Insektiziden, die zum Pflanzenschutz verwendet werden. Hier ist die sogenannte Mais- oder Rapsbeize zu erwähnen, die direkt in den Boden gegeben wird, und sich, um Schädlinge fern zu halten, später über die Samen in der ganzen Pflanze verteilt, so landet das Gift (ähnlich dem Plastik in Fischen) auch im Bienennektar und den Pollen – und so in den Bienen. Dort hat es verschiedene Wirkungen. Da es ein Nervengift ist und Bienen auch Gifte aus ihrem Honig herausfiltern, verlieren viele die Orientierung, werden verhaltensgestört, gelähmt, oder sterben gleich. Völker verlieren ihre Überlebensfähigkeit. Die Industrie argumentiert hier die Unabdingbarkeit derartiger Dünger für den Schädlingsbefall, und obwohl die Menge an Insektiziden sinkt, steigt ihre Giftigkeit. Das Thema wird verständlicherweise höchst ungern an die große Glocke gehängt. 

Es geht um den Schutz unserer Bienen

Die Regeln waren lange Zeit sehr schlüpfrig und da unsere Systeme nicht geschlossen sind, sondern es immer Spill-Over-Effekte gibt, brauchen wir dringend stärkere und weitgreifendere, auf unabhängiger Wissenschaft basierende Politik – bis in die EU. Diese hat im Mai drei der schädlichen Insektizide per Gesetz für zwei Jahre lang verboten, jedoch nur auf z.B. Mais, Raps und Baumwolle und gleichzeitig bleiben andere Mittel, die auch als gefährlich eingestuft worden waren, erlaubt. 

Über mehr Vielfalt freuen sich auch die Bienen

In den letzten Jahren ist auch die Artenvielfalt in der Pflanzenwelt zurückgegangen, die Blütezeit wird nicht abgewartet, bevor man mäht. Bienen brauchen diese Vielfalt. Monokulturen sind ja ein altes Problem: Schädlinge haben es wesentlich einfacher und können sich exponentiell auf riesigen Flächen vermehren. Der Boden wird schwächer, alles wird generell anfälliger und muss von Menschenhand kontrolliert werden. Stellt man diese Vielfalt wieder her, haben Schädlinge keinen großen Einfluss mehr. Übrigens: In der Stadt ist paradoxerweise der Honig um einiges sauberer, als auf dem Land, da hier nicht so sehr mit den „großen Geschützen“ gedüngt und behandelt wird. 

Nicht nur Imker können da helfen

Blumen pflanzen!! Balkon oder Garten, Terrasse oder Fenstersims. Sie müssen nur blühen, heimisch sein und Nektar produzieren. Also bitte keine Geranien oder Petunien. Schaut eh schlimm aus. Glockenblumen, Margariten, Schnittlauch oder Salbei werden die Bienen lieben. Weiters kann man sich ein „Bienenhotel“ für den Winter kaufen oder basteln, es nach Süden ausrichten und mit Holz ausgestattet sein sollte. Wer einen Garten hat, bitte die Wiese nur zweimal im Jahr mähen, damit die Blüte nicht unterbrochen wird. Oder, die edelste Variante, die sich auch immer größerer Beliebtheit erfreut (Deutschland Summt), vor allem in Städten: selber Imker werden! Hier gibt es einen 1-Tages-Imker-Kurs

Bienen-Know-How

Es gibt 730 verschiedene Bienenarten, sie sind bis zu 90 Millionen Jahre alt, die Honigbiene ca. 30 Mio Jahre. Sie haben zwei Eiszeiten in Europa allein in den letzten 100.000 Jahren überlebt. In einem Stock leben ca. 60.000 Bienen, die Hälfte davon fliegt aus, in einem Radius von 3,5 Kilometern. Pro Biene können täglich 150 Blüten bestäubt werden. Der Bienenstaat ist ein absolutes Phänomen: die Ästethik im Bau, die Präzision von Feuchtigkeitskontrolle im Honig, die Arbeitsteilung: bei Bienen entscheidet allein die Art des Futters ob aus einer Made eine Arbeiterin, ein Wächter, Begatter, Putzer oder eine Königin wird. 

Wer also verhindern will, dass Bestäuber bald ein Beruf wird, bei dem man mit kleinen Mini-Pinseln bewaffnet durch die Felder und Wiesen läuft, muss auch im Sinne einer nachhaltigen Landwirtschaft etwas ändern um das Bienensterben zu verhindern. Bsste Grüße und bss bald. 

Teilen Tweeten Mailen
Chat

Fragen? Klick hier und stelle sie per WhatsApp, iMessage, SMS oder Telefon.

Wirklich Ökostrom
Franziska Willkommen bei Wirklich Ökostrom

Lass uns gemeinsam deinen Monatsbetrag berechnen.

Lass uns gemeinsam deinen Monatsbetrag berechnen.

1. Meldest du dich privat, als Firma oder als Verein an?
2. Wie lautet deine Postleitzahl?

3. Schätz deinen Stromverbrauch. 3. Schätz deinen Stromverbrauch.

Am einfachsten anhand deiner letzten Gasrechnung. Da steht’s drauf. Wenn du mehr als 100.000 kWh im Jahr verbrauchst, machen wir dir ein persönliches Angebot. Kontakt Am einfachsten anhand deiner letzten Stromrechnung. Da steht’s drauf. Wenn du mehr als 100.000 kWh im Jahr verbrauchst, machen wir dir ein persönliches Angebot. Kontakt

Am einfachsten anhand der Personen, die bei dir zu Hause wohnen:

Am einfachsten anhand deiner ungefähren Wohnungsgröße:

m2

Oder anhand deiner letzten Stromrechnung. Da steht’s drauf.

kWh/Jahr

NT kWh/Jahr

Garantie: Du zahlst nur, was du wirklich verbrauchst. Deinen Abschlag passen wir immer entsprechend an.

Abbrechen