Nachgefragt: Welche Banken lassen die Finger von der Kohle? | Polarstern
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Nachgefragt: Welche Banken lassen die Finger von der Kohle?

Wie Parallelwelten: Einerseits werden erneuerbare Energien ausgebaut, um den Klimawandel zu bremsen. Andererseits boomt die weltweite Kohleproduktion, und heizt die Atmosphäre weiter auf. Dass dabei einige privaten Banken zu den größten Investoren der Kohleindustrie gehören, bekommen nur die wenigsten mit. Zum Glück gibt es Organisationen wie den Urgewald e. V. Seit über 20 Jahren dokumentiert der Verein die Verflechtungen zwischen Banken und der Energieproduktion aus fossilen Rohstoffen und klärt die Öffentlichkeit darüber auf weilche Bank weiterhin in die Kohlenutzung investiert. Wir sprachen mit Regine Richter, Expertin für Energiethemen bei urgewald e.V. Ihr Auftrag ist es, Faktenwissen mit Kampagnen zu verbinden. Was stellen Banken mit unserer „Kohle“ an? Das wollten wir von Regine Richter wissen. 

Welche Banken investieren in Kohle

Frau Richter, Kohle boomte in der Zeit der Industrialisierung. Wie sieht der Entwicklungstrend der Kohle heute aus?

RICHTER Der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung liegt weltweit bei etwa 40 Prozent (Anm. Stand 2011). In Deutschland stieg der Anteil des Kohlestroms 2013 sogar auf ca. 44 Prozent an. Besonders dramatisch ist, dass die Braunkohle boomt und den Anteil von Gas an der Stromerzeugung verdrängt, weil der Betrieb von Gaskraftwerken teurer ist als der von Kohlekraftwerken. Aus Klimasicht sind das ganz schlechte Nachrichten, denn Braunkohle ist unter den fossilen Brennstoffen der klimaschädlichste überhaupt. 

Was stellen Banken mit unserer Kohle an?

Und welche Bank investiert derzeit in den Ausbau der Kohleindustrie? 

RICHTER In dem Bericht „Banking on Coal“ haben wir uns gezielt angeschaut, welche Rolle Privatbanken Investitionen beim Ausbau der Kohleindustrie spielen. Denn trotz Klimaschutzbemühungen hat die globale Kohleproduktion seit 2000 um fast 70 Prozent zugenommen. Privatbanken haben in dieses Wachstum in den letzten 8 Jahren (Anm. Stand 2013) 118 Milliarden Euro investiert. Es waren alleine 20 Banken, die über 70 Prozent dieser Summe zur Verfügung stellten - darunter die Deutsche Bank auf Platz fünf mit 5,2 Mrd. Euro. Auf den drei ersten Plätzen stehen die amerikanischen Banken Citi mit 7,3 Mrd. Euro, Morgan Stanley mit 7,2 Mrd. Euro und Bank of America mit 6,5 Mrd. Euro Investitionen in die Kohleindustrie.

Kann ohne Kohle der wachsende Energiebedarf gestillt werden?

RICHTER Aus Sicht des Klimaschutzes ist es absolut nötig, den Neubau und die Lebenszeitverlängerung von Kohlekraftwerken zu stoppen. Denn derartige Förderungen sind schlichtweg nicht mit dem internationalen Ziel vereinbar, die globale Erwärmung auf unter 2° Celsius zu begrenzen. Oberhalb dieses Grenzwertes rechnen wir mit katastrophalen Auswirkungen. Doch selbst bei 2° C Erwärmung werden bereits einige Inselstaaten im Meer versinken. Die Kohle bringt keinerlei Mehrwert, denn anders als kommuniziert, hilft sie gerade armen Menschen nicht beim Zugang zu Energie. Die dramatische Luftverschmutzung in China macht die direkten Gesundheitsgefahren der Kohlenutzung sichtbar. Deshalb wird in China gerade die Kohlenutzung eingeschränkt und global zeichnet sich ein anderer Trend ab: die fallenden Preise für Wind- und Sonnenenergie machen der Kohle harte Konkurrenz.

Woher kommt die Kohle?

Und welche Konsequenzen bringt die Kohlenutzung für Mensch und Umwelt? 

RICHTER In Deutschland kommen etwa drei Viertel der Steinkohle aus Kolumbien, Russland, den USA, Polen und Südafrika. In Kolumbien hat der Kohleabbau nicht nur schwerwiegende Umweltschäden, sondern auch Menschenrechtsverletzungen zur Folge. Einzelnen Kohleproduzenten wird vorgeworfen, jahrelang paramilitärische Einheiten finanziert zu haben, die nicht nur Minen und Bahnlinien schützten: Gleichzeitig begingen die Einheiten hunderte Morde und vertrieben tausende Menschen. In Russland kommt der größte Teil der Exportkohle aus dem sibirischen Kuzbass. Dort belastet die Kohleförderung Luft, Böden und Trinkwasser so sehr, dass die Lebenserwartung der Menschen deutlich unter dem Rest des Landes liegt. Und in den USA werden in den Appalachen, der für europäische Lieferungen wichtigsten Kohle-Abbauregion, ganze Bergspitzen weggesprengt und Landschaften zerstört. Der Abraum, so heißt das „unbrauchbare“ Gesteinsmaterial, landet in ehemals klaren Bächen und Flüssen und vergiftet das Trinkwasser.

Ökostrom Wasserkraft

Warum dürfen unsere Banken weiter in die Kohlindustrie investieren?

Deutschland baut das Netz der Erneuerbaren Energien aus. Warum verbietet der Staat den Banken nicht in die Kohleindustrie zu investieren?

RICHTER Gute Frage! Die Bundesregierung argumentiert folgendermaßen: Solange in Deutschland kein Kohleausstieg beschlossen ist, kann auch der Export von Kohlekraftwerken nicht verboten werden. Gleichzeitig beklagt sich die deutsche Kohleindustrie über fehlende Absatzmöglichkeiten im Inland. Aus dieser „Not“ heraus will die deutsche Kohleindustrie Kohlekraftwerke exportieren. Und hierfür fordert sie staatliche Rückendeckung ein. Obwohl die Bundesregierung beim Finanzierungsverbot insgesamt zögerlich ist, überprüft sie aktuell die Kohle-Investitionen der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), nachdem die KfW immer wieder für diese dreckige Art zu investieren kritisiert worden ist. Die Umweltministerin hat im September angekündigt, dass die KfW-Entwicklungsbank keine Finanzierung mehr für Kohlekraftwerke vergeben darf. Leider ist das noch kein umfassender Ausstieg aus der KfW-Kohlefinanzierung, denn die Mehrheit der KfW-Kohlekredite kommt von einem anderen Teil, der IPEX-Bank. Und die ist (noch) nicht von diesem Verbot betroffen. Dazu streitet die Bundesregierung noch um eine Position. Wir und eine Reihe anderer Umwelt- und Entwicklungsorganisationen machen Druck für einen umfassenden Kohleausstieg der KfW.

Bessere Investitions-Alternativen

Haben die Banken überhaupt Alternativen bei ihren Investitionen?

RICHTER Ja, Kohle ist ja nur ein Feld, in dem investiert werden kann. Für den dringenden Umbau des bestehenden Energiesystems hin zu einem erneuerbaren und dezentralen, wird viel Geld gebraucht. Das wäre ein besseres Investitionsfeld.

Meine Bank ist ein „Klima-Killer“. Was kann ich als einzelner dagegen tun?

RICHTER Sie können die Bank wechseln und zu einer Alternativbank wie Ethikbank, GLS oder Triodos gehen. Da winken geringere Renditen, allerdings achten diese Banken sehr genau darauf, was sie mit ihrem Geld machen. Zudem sind sie sehr transparent über ihre Geschäfte. Im Prinzip gilt bei Banken das Gleiche wie bei Stromanbietern: Man muss nicht bei den Umweltsündern bleiben, sondern es gibt Alternativen. Und diese zu nutzen, sendet gleichzeitig eine wichtige Botschaft an die Großen - seien es Stromanbieter oder Banken.

Danke für das Gespräch, Frau Richter!

Das Interview führte Polarstern-Mitarbeiterin Domenica.

P.S. Wer sich weiter über die Finanzierung der Kohleindustrie informieren möchte: Wir empfehlen die Broschüren des urgewald e.V. Banking on Coal sowie „Ist meine Bank ein Klima-Killer?“

Bild Regine Richter (c) urgewald e.V. 

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