Tierschutzorganisation Sea Shepherd | Polarstern
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Mit Sea Shepherd in der Antarktis

Sven „Maddy“ Matthiessen hat sein Leben ganz in den Schutz der Meeresbewohner gestellt. Er war einer der treibenden Kräfte bei der Gründung von Sea Shepherd Deutschland, heute ist er Direktor der Tierschutzorganisation. An Bord des Sea Shepherd-Flaggschiffs Steve Irwin hat er gerade 95 Tage gegen den japanischen Walfang gekämpft. Hier erzählt er, was er erlebt hat und was jeder von zu Hause für den Schutz von Walen, Delfinen und allen anderen Tieren im Meer tun kann.

Sea Shepherd

Ein Sieg gegen den Walfang

Der Internationale Gerichtshof  hat vor Kurzem entschieden, dass der japanische Walfang zu "Forschungszwecken" seit 1987 illegal ist. Ist das nun wirklich das Ende der Waljagd? Wie effektiv schätzt du das Urteil für die Zukunft ein?

MADDY Das Urteil an sich ist in erster Linie ein Sieg für die Wale, die nun frei und unbeschwert in der Schutzzone schwimmen können, aber auch eine Anerkennung für die jahrelange Tierschutzarbeit von Sea Shepherd.
Ohne den Einsatz der freiwilligen Helfer aus aller Welt und die enorme Unterstützung von Spendern und Sponsoren, wie z.B. Polarstern,
wäre es nicht möglich, jedes Jahr dort runter zu fahren und neben dem Schutz der Wale auch die Aufmerksamkeit der Welt auf die Aktivitäten der japanischen Walfänger zu richten.
Es war die Idee von Captain Paul Watson die Medien mit auf die Fahrt zu nehmen und durch den Druck der Öffentlichkeit, hat die australische Regierung vor vier Jahren die Klage beim Internationalen Gerichtshof eingereicht.
Das Urteil wurde zwar von der japanischen Regierung anerkannt, aber es ist abzuwarten, ob die japanische Fischereibehörde, welche das Walforschungsinstitut ICR unterhält, nicht einfach den Forschungsauftrag neu definiert und somit versucht wieder eine Ausnahmegenehmigung bei der Internationalen Walfangkommission zu bekommen. Momentan wird in den Medien viel spekuliert, wie die Zukunft des japanischen Walfangs in der Antarktis aussehen wird. Eins ist aber sicher, solange dort unten Wale getötet werden sollen, werden wir von Sea Shepherd wieder vor Ort sein und uns dem entgegenstellen. Ob mit oder ohne Forschungsauftrag.

Aktiver Einsatz für den Tierschutz

In den letzten Jahren konnte man einen wachsenden Trend zum Umwelt- und Tierschutz und zur Nachhaltigkeit beobachten. Spürt man das auch bei Sea Shepherd, zum Beispiel durch verstärkte Spendenunterstützung?

MADDY Vielen Menschen wird langsam bewusst, das es nicht mehr nur an den Regierungen oder der Industrie liegt, diesen Planeten für kommende Generationen zu erhalten. Das Konsumverhalten zum Kauf von Bioprodukten und das Bewusstsein für nachhaltige Produktion von Gütern ist ein erster Schritt, den jeder machen kann. 70% der Erdoberfläche besteht aus den Weltmeeren, deren Ökosystem und Mikroorganismen mehr CO2 aus der Atmosphäre filtern und mehr Giftstoffe aus der Industrie aufnehmen, als uns vielleicht bewusst ist. Alleine durch den Gebrauch von Plastiktüten sterben jedes Jahr Milliarden von Meerestieren und Vögel, da diese über die Flüsse in die Meere gelangen. Durch unsere Beach Clean Ups, wo wir bundesweit lokal Strand- oder Uferabschnitte säubern, wird über die Medienpräsenz ein Bewusstsein vor Ort geweckt. Diese Aufmerksamkeit spiegelt sich auch irgendwann auf die finanzielle Unterstützung unseres Vereins wieder. Wir haben festgestellt, dass viele Menschen sich gerne aktiv einbringen wollen, wenn man effektive Kampagnen mit einem kurzfristigen Erfolgserlebnis durchführt. Wer sich nicht aktiv einbringen kann, unterstützt uns und unsere Arbeit durch Spenden oder Dienstleistungen. Viele Firmen unterstützen gezielt einzelne Tierschutzprojekte von uns oder spenden den Erlös von Werbeaktionen für einen guten Zweck.

Walfang

(Bild: Das Sea Shepherd Flaggschiff Steve Irwin verfolgt die Nusshin Maru; Foto: Tim Watters / Sea Shepherd Australia)

 

Sea Shepherd scheut keine gefährlichen Manöver

Für den Schutz der Wale hast du schon dein Leben aufs Spiel gesetzt. Kannst du uns von einem deiner einprägsamsten Momente draußen auf dem Meer erzählen?

MADDY Ich selber komme gerade von unserer zehnten Antarktiskampagne zurück und war 95 Tage an Bord unseres Flaggschiffes Steve Irwin. Als Teil der Brückenbesatzung ist man bei den Aktionen dabei und bekommt über Funk oder bei den waghalsigen Manövern direkt mit, was passiert. Diese Kampagne war insofern erfolgreich, als dass wir die Flotte sehr früh aufgespürt haben. Die Freude darüber wich allerdings sehr schnell der Realität, als wir über Funk die Nachricht bekamen,  dass drei Minkwale tot auf dem blutverschmierten Deck des Fabrikschiffes zur Schlachtung bereit lagen.

Eine Verfügung des Bezirksgerichtes in Seattle hat unseren amerikanischen Kollegen von Sea Shepherd USA verboten, sich weniger als 500 Metern den Schiffen den Walfangflotte zu nähern. Die Schiffe fahren unter holländischer Flagge und die Kampagne wird von Sea Shepherd Australien geleitet. Nach mehreren Monaten Schriftverkehr der Anwälte hat das Gericht die Verfügung teilweise gelockert. In der Nacht, als dieses Urteil veröffentlicht wurde, haben die Harpunenschiffe und das Begleitschiff der japanischen Walfangflotte unser Schwesterschiff Bob Barker und uns auf der Steve Irwin mit sehr gefährlichen und waghalsigen Manövern bedroht. Ziel war es, uns von der Verfolgung des Fabrikschiffes abzubringen, das zu dem Zeitpunkt mehr als eine Seemeile vor uns fuhr. Dieser Angriff in mehreren Wellen ging über neun Stunden und es wurde mehrfach versucht unsere Schiffsschraube und Ruderanlage zu blockieren. Nachdem die Bob Barker von dem japanischen Walfangschiff gerammt wurde und ein Teil des Rumpfes beschädigt war, mussten wir die Verfolgung abbrechen, da uns das japanische Fabrikschiff Nisshin Maru langsam abhängte. Wir entschieden uns zu driften und die Schäden zu begutachten. Wo eben noch eine sehr aufregende Seeschlacht getobt hatte war nun Stille und das Meer hatte sich wieder beruhigt. Um uns herum kreisten die Harpunenschiffe und das Sicherheitsschiff der Flotte. Inmitten dieser bizarren Szene tummelte sich eine Gruppe Buckelwale mit ihren Kälbern und man konnte die Rufe der Mitglieder über das Wasser hören. Sie schwammen sehr dicht an unsere Schiffe. Ein Kalb sprang aus dem Wasser und drehte sich aus Spaß in der Luft, bevor es mit einem gewaltigen Platsch wieder eintauchte.
In diesem Augenblick weiß man ganz genau, wofür man sich einsetzt und alle Anstrengung und Entbehrung der letzten Wochen sind vergessen. Es sind solche kleinen Momente des Lebens, in denen man sich als Einzelperson seiner Verantwortung für die Tiere sehr bewusst wird.

Walfang Tierschutz

(Bild: Drei tote Minkwale auf Deck der Nisshin Maru; Foto: Tim Watters / Sea Shepherd Australia)

 

Sea Shepherd hat viel erreicht. Allein letztes Jahr konntet ihr 784 Wale retten. Was sind die nächsten großen Projekte der Tierschutzorganisation?

MADDY Sea Shepherd ist weltweit aktiv und dieses Jahr läuft noch die Kampagne "Sunu Gaal" vor der Küste des Senegal. Hier werden durch illegale Fangflotten aus Europa, Asien und Russland ganze Seegebiete rücksichtslos überfischt. Die Jahrhunderte alte nachhaltige Fischerei der Bewohner der Küstengebiete ist genauso in Gefahr wie das Ökosystem vor Ort, da in den zerstörten Bereichen nichts mehr nachwachsen kann. Die senegalesische Regierung hat Sea Shepherd um Unterstützung gegen die Plünderungen gebeten, um das Meer, die Tiere und die Menschen zu schützen, die davon leben.

Walfang Tierschutz

(Bild: Ein geschützter Buckelwal, einer der Zielspezies der Wal-Wilderei; Foto: Tim Watters / Sea Shepherd Australia)

 

MADDY Jedes Jahr werden auf den Faröer Inseln tausende von Grindwalen auf barbarische Art in die Buchten getrieben und mit Messern qualvoll getötet. Die Inselbevölkerung, die zwar zu Dänemark gehört aber einen Sonderstatus ihrer Eigenverwaltung hat, verteidigt diese Treibjagd als Tradition. Sea Shepherd wird diesen Sommer mit Operation Grindstop auf die Inseln fahren und der weiten Welt aufzeigen, was dort passiert.
Wir hoffen, dass diese "Tradition" und das Töten und Auslöschen ganzer Familien von Grindwalen bald ein Ende hat.
Aber auch in Deutschland sind wir aktiv. Im Industriehafengebiet bei Bremen brütet jedes Jahr eine Kolonie von Sturmmöwen. Durch den Ausbau des Hafens und den damit verbundenen Platzbedarf, schwindet der Brutraum für diese Vögel. Im letzten Jahr wurden über 600 Eier aus den Nestern gestohlen, um sie als Delikatesse zu verkaufen. Somit ist im letzten Jahr eine komplette Generation von Sturmmöwen verloren gegangen.
Möwen gehören, genauso wie Fische und Meeressäuger, zum Ökosystem dazu und der Handel und Erwerb der Eier wird strafrechtlich verfolgt. Wir werden während der Brutsaison permanent vor Ort sein und die Brutkolonie mit freiwilligen Helfern vom Land und vom Wasser überwachen. Ein umgebauter Bus und ein Schlauchboot werden vor Ort sein um die Tiere rund um die Uhr vor den Eierdieben zu schützen.
Es darf einfach nicht sein, dass die Nachfrage nach geschützten Möweneiern ganze Bestände von diesen Vögeln gefährdet oder sogar ausrottet.

Sea Shepherd Tierschutz

(Bild: Yushin Maru ändert den Kurs, um die Steve Irwin zu überholen; Foto: Tim Watters / Sea Shepherd Australia)

 

Wie bist du eigentlich zu Sea Shepherd gekommen. Und wie hat das deinen Blick auf die Welt verändert?

MADDY Ich bin vor über 5 Jahren über eine TV-Dokumentation auf die Arbeit der Tierschutzorganisation Sea Shepherd aufmerksam geworden. Je mehr ich mich mit der Philosophie und Effektivität der Organisation und den Kampagnen auseinandergesetzt habe, hat auch in mir ein Umdenken stattgefunden. Mir ist der Appetit auf Fisch ziemlich schnell vergangen und auch in einigen anderen Bereichen sehe ich die Welt mit kritischeren Augen. Man ändert schon sein Konsumverhalten und geht bewusster und intensiver auf alltägliche Dinge ein. Man sollte hierbei nicht paranoid in den Tunnelblick verfallen, sondern eher die Blende weiter aufmachen, um eine Sicht für das Gesamte zu bekommen. Somit sieht man auch, dass das eigene Verhalten einen Einfluss auf das Umfeld haben kann. Der Weg zu Alternativen ist manchmal einfacher als man denkt und die "Geiz ist geil" Mentalität einfach nicht mehr zeitgemäß.

Mehr Engagement für den Tierschutz

Nicht alle sind so abenteuerlustig wie du, wollen sich aber trotzdem gern für den Tierschutz engagieren. Was würdest du mir raten, wie ich mich trotzdem engagieren kann?

MADDY Die Aktionen im Südpolarmeer sind natürlich mit sehr viel Zeit und Kosten für einen selbst verbunden.
Fernab der heimischen Komfortzone mit den kleinen alltäglichen Bequemlichkeiten, ist das Leben an Bord eher spartanisch und einfach gehalten. Das ist vielleicht wirklich nicht für jeden was, aber aktiver Meeres- und Tierschutz ist mehr als Walfänger zu bedrängen oder sich zwischen Keule und Robbe zu stellen. Es fängt bei den einfachen Dingen des Lebens an. Ein Umdenken beim Konsum von Fischprodukten, der Besuch von Delfinarien und Aquaparks, wo viele wildgefangene Delfine unter grausamen Bedingungen gehalten werden. Oder ein Verzicht auf die angebotene Plastiktüte beim Einkauf. Viele der weltweit produzierten Plastiktüten landen nach Gebrauch irgendwo in der Landschaft, danach im Wasser und über die Flüsse im Meer. Schildkröten unterscheiden nicht zwischen Tüte und Beute und ersticken an dem Plastik. Es sterben jedes Jahr qualvoll Wale, Delfine und andere Meerestiere durch die Plastiktüten vom Kaufmann an der Ecke. Ein mitgebrachter Einkaufsbeutel tut es auch und belastet die Meere weniger.
Viele Plastikteile verschmutzen die Weltmeere und durch Sonne und Wellen reibt sich der Müll zu mikroskopisch kleinen Teilen auf, die von den Fischen gegessen werden.
Wenn jeder einzelne Mensch einfach mal schaut, wo man das eine oder andere für sich verändern kann, ist jeder in der Masse gesehen ein kleiner Beitrag für eine saubere Umwelt und eine bessere Zukunft für die nächste Generation.

Danke, dass du dir für uns Zeit genommen hast, Maddy!

alle Bilder: (c) Sea Shepherd, oberstes Bild: (Bild: Harpunschiff auf Kollisionskurs mit der Bob Barker; Foto: Simon Ager / Sea Shepherd)

 

Wer Sea Shepherd unterstützen möchte: Für jeden, der unter dem Aktionscode „Sea Shepherd“ zu Polarstern wechselt, unterstützen wir direkte Aktionen der Tierschutzorganisation mit 25 Euro. 

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