Mit über einem Jahr Verzögerung liegt nun ein Entwurf für das Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung Erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden (Gebäudeenergiegesetz – GEG) vor. Ursprünglich sollte es schon zum 1. Januar 2018 in Kraft treten. Nun wird es 2019 soweit sein. Im Gebäudeenergiegesetz werden die Energieeinsparverordnung (EnEV), das Energieeinsparungsgesetz und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zusammengeführt. Ziel ist es, die geltenden Regeln und Anforderungen an den Energiebedarf von Gebäuden zu vereinheitlichen und zu vereinfachen. Statt drei Regelwerken gibt es nur noch eines. Auch sollen im GEG die Vorgaben für den Neubaustandard ab 2021 definiert werden, den eine EU-Richtlinie verlangt.


Inhalt:


 

Jahresprimärenergiebedarf oder CO2-Emissionsbilanz.

Die Energieeffizienz eines Gebäudes, der Energiestandard, wird bisher über den Jahresprimärenergiebedarf ermittelt. Von vielen Seiten gewünscht und im Koalitionsvertrag festgehalten ist der Plan, künftig eine Art CO2-Emissionsbilanz zur energetischen Bewertung heranzuziehen. Dies wurde im aktuellen Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes nicht integriert. Allerdings wird mit der sogenannten Innovationsklausel vorübergehend ein Mittelweg eingeschlagen. Demnach können die Anforderungen entsprechend des Jahresprimärenergiebedarfs bis 2023 auch über ein auf die Begrenzung der Treibhausgasemissionen ausgerichtetes System nachgewiesen werden, solange sie gleichwertig sind.

Daneben soll zur Berechnung des Energiebedarfs auch eine quartiersbezogene Energiebilanzierung zulässig sein. Damit sind unterschiedliche Energiestandards in einem Quartier möglich, solange die Anlage in ihrer Gesamtheit die Anforderungen erfüllt. Allerdings kann so die eigentlich benötigte energetische Sanierung von Bestandsgebäuden bilanziell schön gerechnet werden und führt damit das Ziel der verbesserten Energieeffizienz ad absurdum.

>>> Beispiele zu Mieterstromprojekten in Quartieren.

 

Sektorenkopplung wird unterstützt.

Strom aus erneuerbaren Energien, der in zu errichtenden Gebäuden eingesetzt wird, darf nun auch bei der Ermittlung des Jahresprimärenergiebedarfs angerechnet werden. Das bedeutet, dass Solarstrom, der im Gebäude erzeugt wird, bei der Erfüllung der energetischen Standards stärker berücksichtigt wird als bisher im EEWärmeG. Wird beispielsweise eine Wärmepumpe mit selbst erzeugten Solarstrom betrieben senkt dies den Jahresprimärenergiebedarf. Auch mit der Nutzung von Biomethan sollen die energetischen Standards erfüllt werden können. Dazu kann das Biomethan entweder andernorts ins Netz eingespeist oder vor Ort in einer hocheffizienten KWK-Anlage umgewandelt werden. Gemäß des im Koalitionsvertrag vereinbarten „Efficiency First“-Prinzips sollen stets die Potenziale der Energieeffizienz bei allen politischen Entscheidungen und Investitionen in das Energiesystem wegweisend sein. Bevor beispielsweise in kostspielige Infrastrukturprogramme und Brennstoffe investiert wird, sollen Möglichkeiten der Energieeffizienz betrachtet werden. So steht denn auch die effiziente Nutzung erneuerbar erzeugten Stroms im Mittelpunkt, was die Sektorenkopplung durchaus unterstützen dürfte.

>>> Mehr über Möglichkeiten im Mieterstrom erfahren. 

 

Niedrigstenergiestandard oder doch nur EnEV.

Die EU fordert die zügige nationale Umsetzung der EU-Richtlinie zur Energieeffizienz von Gebäuden (EPBD). Damit soll ein Standard für Niedrigstenergiegebäude definiert werden. Was das genau bedeutet, darf jeder Mitgliedsstaat entscheiden. Fest steht nur, das dieser Standard ab 2019 für öffentliche Gebäude und ab 2021 für alle anderen Gebäude gelten soll. Bisher gelten auch im aktuellen GEG-Entwurf für neue und sanierte Gebäude die energetischen Anforderungen der EnEV 2016 und nicht der ambitioniertere Energiestandard KfW 55, der von vielen Seiten verlangt wurde. Nur wer staatliche Förderung bekommen will, muss einen Primärenergieverbrauch von 55 Prozent des Referenzgebäudes erreichen – er entspricht den Kriterien der Förderung KfW 55. Ob das reicht, um die EU-Vorgaben zu erfüllen, ist offen. Experten gehen davon aus, dass nachgesteuert werden muss. Schließlich ist nach dem aktuellen Standard ein jährlicher Energiebedarfswert von 56 kWh pro Quadratmeter zulässig, während die EU-Kommission als Niedrigstenergiestandard rund 30 kWh pro Quadratmeter und Jahr anstrebt.

 

Kritik am Gebäudeenergiegesetz.

Insgesamt ist das GEG deutlich schwächer ausgefallen, als viele erhofft hatten und auch zum Teil im Koalitionsvertrag festgelegt war. So wird unter anderem Ökostrom nicht zur Erfüllung der energetischen Standards angerechnet. Und auch die Primärenergiefaktoren wurden nicht ausreichend angepasst, um die Treibhausgasemissionen einer Energiequelle stärker im Vergleich zu anderen Quellen zu gewichten. Ferner kritisieren verschiedene Seiten, dass der Niedrigstenergiestandard nicht ehrgeizig genug ist und dass „Graue Energie“ keine Berücksichtigung findet. Unter „Grauer Energie“ ist das CO2-Sparpotenzial zu verstehen, dass bei der Herstellung von Baumaterialien, der Errichtung von Gebäuden sowie dem späteren Rückbau besteht. Um jedoch nachhaltig das Klima zu schonen, müssen die CO2-Emissionen im Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden stärker eingerechnet werden. Zumal der Bau gemessen an seinem Ressourcenverbrauch eine besondere Rolle in der Wirtschaft einnimmt.

 

Ob mit diesem Gebäudeenergiegesetz der Weg geschaffen wird, das Ziel der Klimaneutralität des Gebäudebestands bis 2050 zu erreichen, bleibt fragwürdig.

Das ist Wirklich Mieterstrom

Mehr Artikel zu den Themen

Weiterempfehlen vervielfacht deine Wirkung!

Und wir bedanken uns mit 20 Euro. Schnapp dir jemanden, der auch zu wirklich besserer Energie wechseln möchte – und ihr bekommt beide 20 Euro auf eure nächste Stromrechnung gutgeschrieben. Gemeinsam verändern wir mehr!

Polarstern weiterempfehlen

Ökostrom ist viel günstiger als du denkst!

Wirklich besserer Strom ist keine Rolex. Und sogar meist günstiger als die Grundversorgung.