Leonhard: Gründer helfen Gefangenen | Polarstern
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Leonhard: Gründer helfen Gefangenen

Polarstern-Gründer Jakob war im Knast. Keine Angst, wirklich nur für eine gute Sache: Zusammen mit den Münchner Unternehmern Ben von der Münchner Bar Sehnsucht und Tilo vom Gym MTMT coachte Jakob einen Tag lang die Teilnehmer von Leonhard. Bei dem Programm lernen Strafgefangene wichtige unternehmerische Fähigkeiten und erarbeiten einen Businessplan für ihre „Zeit danach“. Die drei Gründer Jakob, Ben und Tilo sprachen von ihren Erfahrungen als Unternehmer und gaben den Gefangenen wertvolle Tipps, auf was sie bei der Gründung eines eigenen Unternehmens achten sollten. Denn auch für uns in Freiheit ist es wichtig, dass frisch Entlassene eine sinnvolle Aufgabe haben. Warum viele Ex-Gefangenen gerade mit einer Unternehmensgründung eine Chance auf ihren Platz in der Gesellschaft bekommen, hat uns Leonhard-Gründerin Maren Jopen im Interview erklärt.

Unternehmer-Programm Lenhard

 Leonhard gibt Gefangenen eine zweite Chance

Was war und ist deine Motivation dafür?

M. JOPEN Unser Thema ist durchaus nicht so leicht zu verstehen wie Programme, die sich beispielsweise um Kinder kümmern. Wenn man sich die Leute anschaut, mit denen wir arbeiten – was ist wohl der wichtigste Faktor, der in der Kindheit gefehlt hat? Wir haben herausgefunden: positive Vorbilder, gerade auch positive männliche Vorbilder. Warum gibt es so viele Erziehungs- und Schulprobleme in gewissen Umfeldern? Oftmals liegt es daran, dass der Vater keine reguläre Arbeit hat, trinkt, Drogen verkauft oder selber im Gefängnis sitzt. Und wenn ein kleiner 7-jähriger Junge darüber nachdenkt, was er aus seinem Leben machen möchte, hat er keine Vorstellung davon, wie ein anderes, besseres Leben aussehen könnte. Weil es keine besseren Vorbilder gibt. Und vielleicht kommt er auf keine vernünftigere Idee, als seinem Vater nachzueifern. Hier setzen wir an.Wir sorgen dafür, dass männliche Strafgefangene wieder zu vorbildlichen Vätern werden. Zu Vätern, die ihre Familien ernähren können und ihre Kinder in einem werteorientierten Umfeld aufziehen. Wir helfen ihnen, wieder zu positiven Vorbildern zu werden.

Wie hast du von den dramatischen Lebensumständen Strafgefangener und Ehemaliger erfahren?

M. JOPEN Mein Vater und ich sind durch ein amerikanisches Programm, das Prison Entrepreneurship Program, auf die Idee gekommen, ein Programm zur unternehmerischen Qualifizierung von Gefangenen aufzubauen. Erst mit der Zeit haben wir herausgefunden, wie die Lebenssituation vieler Menschen, die straffällig geworden sind, tatsächlich ist. Und dazu brauchte es viele, viele Gespräche mit unseren Teilnehmern und deren Angehörigen.

Das Unternehmer-Programm bildet eine spannende Mischung aus Lehre und Selbstreflexion

Wie läuft das Unternehmenscoaching im Gefängnis und mit welchen Herausforderungen bist du konfrontiert? 

M. JOPEN Wir beginnen unsere Ausbildung im Gefängnis mit einem 20-wöchigen Unterricht. Wir unterrichten jeden Tag, insgesamt 27 Stunden in der Woche. Im Unterricht lernen unsere Teilnehmer die Grundlagen von Unternehmertum und Wirtschaft kennen und schreiben einen eigenen Businessplan. Außerdem nehmen sie an einem umfassenden Persönlichkeitstraining teil. Auch nach der Haft begleiten wir sie: Bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche sowie bei der Stabilisierung ihres persönlichen Umfelds. 

Unser Unternehmer-Programm bildet für die Gefangenen eine spannende Mischung aus Lehre und Selbstreflexion. Gerade die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit sorgt – zumindest phasenweise – für Widerstände und Konflikte. Das ist ein ganz natürlicher Prozess. Und passiert bei jedem Menschen ähnlich, der sich intensiv mit sich selbst auseinandersetzt. Dies ist definitiv eine sehr herausfordernde Arbeit für ALLE Beteiligten.

Gerade als Unternehmer hat man gute Chancen, etwas in der Gesellschaft zu verändern und wirklich etwas zu bewegen

Warum wolltest du die Aufgabe nicht alleine dem Staat überlassen?

M. JOPEN Ich denke, gerade als Unternehmer hat man gute Chancen, etwas in der Gesellschaft zu verändern und wirklich etwas zu bewegen.Doch häufig haben Unternehmer in Deutschland leider keinen guten Ruf. Aus meiner Sicht sind es aber oftmals Menschen, die sich mit Bestehendem nicht zufrieden geben und sich stark dafür einsetzen, Veränderungen hervorzurufen. Manchen mag es dabei um das große Geld gehen, viele aber haben eine andere Motivation. Mir gefällt die Haltung nicht, die Lösung unserer Probleme dem Staat zu überlassen und selber nur „Dienst nach Vorschrift“ zu machen.

Das Unternehmer-Programm klärt auf und ermutigt dazu allen Menschen eine Chance zu geben

Worin siehst du den Gewinn des Unternehmer-Programms Leonhard?

M. JOPEN Der Gewinn bei Leonhard ist das Durchbrechen der Kriminalitäts-Spirale, wie ich sie in der ersten Frage beschrieben habe. In Zahlen ausgedrückt heißt dies: 60 % der bisher teilgenommenen Gefangenen haben nach durchschnittlich 25 Tagen eine Beschäftigung gefunden und 19 % haben sich selbstständig gemacht. Die Rückfallquote liegt bisher unter 10 % – normalerweise liegt sie in Deutschland bei 46 %.

Ein weiterer Gewinn des Leonhard-Programms liegt in der Außenwirkung. Menschen, die im Gefängnis waren, tragen einen großen Stempel auf ihrer Stirn. Und auf diesem Stempel steht „KNACKI“. Überall, wohin sie kommen, ist dies ihre erste Identität. Ob sie sich einen Arbeitsplatz suchen, sich um eine Wohnung bewerben, neue private Beziehungen aufbauen – überall werden sie mit diesem Stempel konfrontiert. Und der macht ihnen einen Einstieg in die Gesellschaft unendlich schwer. Unser Unternehmer-Programm klärt auf und ermutigt viele Menschen dazu, anderen Menschen –auch wenn sie eine kriminelle Vergangenheit haben–, eine Chance zu geben. Und einen neuen, unvoreingenommenen Blick auf diese Menschen zu richten. 

Was hindert deiner Meinung nach Unternehmen daran, mehr für die Gesellschaft zu tun? 

M. JOPEN Die meisten Unternehmen haben knappe Ressourcen und konzentrieren sich oftmals auf ihr Kerngeschäft. Hierbei kann der Beitrag für die Gesellschaft schnell aus dem Blickwinkel geraten. 

Wo siehst du bei Leonhard Parallelen zu Polarstern?

M. JOPEN Ich kenne die Gründer von Polarstern und stelle im Gespräch immer wieder fest, dass sie Ähnliches antreibt, wie auch uns. Und diese Motivation macht es ihnen möglich, als Menschen und Unternehmer initiativ, kraftvoll und ohne Umwege Missstände anzugreifen. Und für Veränderung zu kämpfen. Dabei nehmen wir einiges auf uns. Der Lohn sind keine dicken Gehaltszahlungen. Sondern das gute Gefühl, genau das Richtige zu tun. 

Die Fragen stellte Polarstern-Mitarbeiterin Domenica.

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