Interview mit Africa GreenTec-Gründer Torsten Schreiber: So geht Energiewende in Mali!

Drei Engel für Mali: Torsten, Katrin & Aida.

Mit mobilen Solarcontainern zum Aufbau einer dezentralen Energieversorgung in Afrika hat sich das deutsche Unternehmen Africa GreenTec einen Namen gemacht. Gründer Torsten Schreiber kennen viele aus dem Fernsehen – und wir kennen ihn seit Polarstern-Anfangstagen. Irgendwie haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt. Was auch klar ist, wenn man für die gleiche Sache brennt: die weltweite Energiewende. Die unterstützen wir jetzt gemeinsam. Zusammen mit Africa GreenTec, (B)energy und unseren Kunden ermöglichen wir in Mali den Aufbau einer lokalen Biogasversorgung. Mit Torsten haben wir uns darüber unterhalten, wie das funktioniert.

Warum ist Mali ein gutes Land, um die Energiewende zu unterstützen? 

TORSTEN SCHREIBER Unser Biogassystem – die Kombination aus Anlagenbetrieb und gleichzeitigem Verkauf mit einem Biogasrucksack –  ist eigentlich für alle Entwicklungsländer geeignet, in Afrika gibt es dieses Biogassystem schon in fünf Ländern. Zu Mali habe ich aber einen besonderen Bezug. Meine Frau kommt aus dem Land, da war es naheliegend, dort loszulegen. Seit 12 Jahren haben wir hier ein starkes Netzwerk aufgebaut, das es uns erleichtert, das Biogassystem einzuführen. Die Bauern brauchen Vertrauen in das Angebot. Und das baut man nicht als Externer in wenigen Tagen auf. Auch die erfolgreichen Solarprojekte haben unseren Ruf als verlässlicher Partner gestärkt. Außerdem herrschen in Mali die perfekten Bedingungen, um Biogas zu erzeugen: Temperaturen von 35 bis 40 Grad, und nachts wird es nicht kühl. Hitze begünstigt die Biogasproduktion, deshalb bauen wir die Biogasanlagen auch überirdisch. 

Erklär doch mal kurz das das Biogassystem. 

TORSTEN SCHREIBER Mit eurer Unterstützung ermöglichen wir den Bau von Biogasanlagen in Dörfern. Familien, die sich eine Anlage kaufen, verbessern wesentlich ihr Einkommen, denn sie nutzen das Gas nicht nur für den Eigenbedarf, sie bieten es zum Verkauf an. Die Kapazität reicht, um täglich zwei weiteren Familien Biogas zu verkaufen. Und für die lohnt sich das auch, denn der Preis für das Biogas liegt ungefähr bei 20 % bis 30 % unter dem Preis für Feuerholz. Für mich und dich lohnt sich es auch. Denn ganz oben steht natürlich der Klimaschutz. 

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Katrin Pütz, Gründerin von (B)energy, ebenfalls ein deutsches Social Business, an dem Africa GreenTec beteiligt ist. Von Katrin kommt das Konzept für das Biogassystem.

Africa GreenTec kennt man von Solarcontainern – warum setzt ihr noch auf Biogas?

TORSTEN SCHREIBER Da sind wir im Prinzip wie Polarstern. Ihr habt mit Gas angefangen, dann kam Strom dazu. Wir machen es genau umgekehrt (lacht). Nein, wir haben eine ganz konkrete Motivation: Die Nutzung von Strom setzt in Mali schon eine gewisse Art von "Luxus" voraus. Damit meine ich den Besitz von elektronischen Geräten. Biogas deckt ein Grundbedürfnis: Energie fürs tägliche Kochen. Und dies viel preiswerter, gesünder und umweltschonender als mit Feuerholz*. 

Biogas ist die Basis, Strom ist Luxus?

TORSTEN SCHREIBER Korrekt. Aber nicht nur das. Wir sehen uns mit Africa GreenTec vor allem als Klimaschutzaktivisten. Wir wollen den Klimaschutzeffekt maximieren. Mit den Biogassystemen können wir einfach einen größeren Impact erzielen: Im Preis-Leistungs-Verhältnis sparen die Biogasanlagen noch mehr CO2 ein als die Solarcontainer. Den Klimawandel kriegst du in Westafrika deutlich zu spüren. Wenn die da noch das bisschen Holz abholzen, das sie haben, um damit zu kochen, dann haben wir mittelfristig ein riesiges Problem. 

Ist also der Klimaschutz das übergreifende Ziel mit dem Aufbau des Biogassystems?

TORSTEN SCHREIBER Ja, wir sind Klimaschützer. Wir fördern Entwicklung, indem wir ein hocheffektives, klimaschützendes System anbieten, das man bei uns kaufen kann und mit dem sich Geld verdienen lässt – das ist unser Angebot. Es geht darum, ein System zu schaffen, das sich selbst trägt und eben nicht von Subventionen abhängig ist. Nur so stärkst du auch wirklich die Wirtschaft.

Wie werden die Biogasanlagen betrieben?

TORSTEN SCHREIBER Um den Fermentierungsprozess zu starten, benötig man Tierexkremente. Vor Ort ist das Kuh- oder Pferdemist, da sind die richtigen Bakterien drin. Später kann alles Mögliche genutzt werden: Bananen- und Mangoschalen, Ernteabfälle oder menschliche Fäkalien. 

So funktioniert’s: Die Anlage wird über den Einfülltank (1) mit Wasser, Tiermist und Essensreste befüllt. Die Masse wird dann in der Gärkammer (2) von Bakterien zersetzt. Dabei entsteht Biogas, das über den Entnahmetank (4) in Rucksäcke (3) gefüllt wird. Täglich können so zwei weitere Familien mit Biogas versorgt werden. Jede Rucksackfüllung reicht, um damit vier Stunden zu kochen (5).

Wie viele solcher Biogasanlagen mit Rucksack gibt es bis heute?

TORSTEN SCHREIBER Insgesamt an die 150 Biogasanlagen und 500 Biogasrucksäcke. Im Moment sind wir vor allem Süden von Mali aktiv. Das ist Savannenregion, wo der Niger durchfließt, mit vielen Reisfeldern und Viehzucht. 

Wer kann sich eine Anlage bauen?

TORSTEN SCHREIBER Natürlich nur Familien, die Kühe oder Pferde besitzen. Rund zehn Tiere reichen. Das haben einige in Mali. Ich kenne auch Bauern, die besitzen 500, 600 Kühe – da könntest du tausende Biogasanlagen betreiben.

Wie funktioniert das jetzt genau mit dem Biogasrucksack?

TORSTEN SCHREIBER Ein Bauer, der eine Biogasanlage betreibt, erzeugt wie gesagt ausreichend Gas für ihn und zwei weitere Familien. Diese bringen das Gas mit Biogasrucksäcken zu sich nach Hause. Sie wiegen gefüllt rund 3,5 Kilogramm. So ein Rucksack reicht etwa um vier Stunden damit zu kochen. Am nächsten Tag kommen die Familien wieder zum Biogasbauern, der ihnen den Rucksack wieder auffüllt.

Kann beim Biogastransport im Rucksack irgendetwas schiefgehen?

TORSTEN SCHREIBER Nein, den kannst du auf ein offenes Feuer legen, da passiert nichts. Den Test haben wir sogar mit dem TÜV gemacht. 

Bei unserem Biogasprogramm in Kambodscha spielt der natürliche Dünger, der als Nebenprodukt bei der Biogasproduktion übrigbleibt eine große Rolle, er steigert die Ernteerträge der Bauern um ein Vielfaches. Welche Rolle spielt der Dünger in Mali?

TORSTEN SCHREIBER Dieser Dünger entsteht bei unseren Anlagen natürlich auch – immer bei der Biogasproduktion. Die Bauern in Mali können ebenso etwas mit dem Düngerverkauf dazuverdienen. 

Wann ist eine Biogasanlage abbezahlt?

Das kann man gar nicht so pauschal sagen. Das kommt auf die lokalen Preise für Holz an. Dort, wo wenig Holz verfügbar ist, können die Anlagenbesitzer einen höheren Preis für Gas verlangen. In Regionen, wo du nur einmal um die Ecke laufen musst, um dein Holz einzusammeln, musst du das Biogas natürlich günstiger verkaufen. Wir sagen aber, dass die Bauern ihre Anlage spätestens nach drei bis vier Jahren abbezahlt haben. Wir kalkulieren da so konservativ wie möglich. Wenn du jetzt den Düngerverkauf hinzurechnest, bekommst du sicherlich eine kürzere Amortisationszeit hin. Uns geht es aber eher darum, uns Zeit zu lassen, und das hat seinen Grund. Wir sind hier in Ländern aktiv, wo immer etwas Unvorhergesehenes passieren kann. Da ist es besser, Zinsraten niedrig zu halten und keinen Druck zu machen. Wir wollen ja nachhaltig etwas aufbauen.

Wird die Anlage auch vor Ort gefertigt?

Teils, teils. Der Rucksack und die Plane werden in Deutschland produziert, das hat Qualitätssicherungsgründe. Alle anderen Komponenten werden vor Ort gefertigt, um die lokale Wertschöpfung zu stärken. Der Aufwand, die Rucksäcke in Mali zu fertigen, würde sich noch nicht lohnen. Für die komplette Produktion vor Ort, bräuchten wir sehr viel Kapital und viele Biogasanlagen, die gebaut werden. Eine komplett lokale Produktion der Anlagentechnik ist unser Ziel. Aber es wird noch etwas dauern.

Danke, dass du dir Zeit genommen hast, Torsten!

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* Das Problem mit dem Holz.

Sowohl in Mali als auch Kambodscha nutzt die Landbevölkerung vorrangig Holz, um damit zu kochen. Im Einkauf ist Holz sehr teuer. Oft sind es die Kinder, die das Holz deshalb selbst beschaffen müssen. Schwerstarbeit. Es ist üblich, auf Holzfeuerstellen im Haus zu kochen. Den giftigen Rauch, den die Familien so gut wie immer einatmen, zählt die WHO zu den größten Gesundheitsrisiken in den Entwicklungsländern. Tödliche Atemwegs- und Lungenerkrankungen sind häufig die Folge. Eines der größten Probleme ist außerdem die Abholzung. Viel Wald gibt es in Mali nicht mehr, seine Vernichtung hat umwelt- und klimaschädliche Folgen. Für die Menschen vor Ort – genauso wie für uns.

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