Go vegan? | Polarstern
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Go vegan?

Nach meinem veganen Selbstversuch stellten sich mir doch noch ein paar Fragen – Fragen, die mir nur ein „echter“ Veganer beantworten kann. Also hab ich Patrick von Deutschland is(s)t vegan gefragt. Und er hat mir (Danke!) gerne weitergeholfen. Hier sind sie, die Fragen: Wenn die ganze Welt sich vegan ernähren würde, wäre das doch auch keine Lösung, oder was meinst Du? Geht es nicht viel eher darum, die heutige Tierprodukte-Industrie zu verändern? Wie sieht die ideale, umweltverträgliche, nachhaltige Ernährung der Zukunft aus? Und der Text ist Patricks Antwort. Seine vegane Sicht der Dinge.

Deutschland ist Fleischkonsum Spitzenreiter

Ein Deutscher isst nach Angaben des Vegetarierbundes durchschnittlich in seinem Leben 1094 Tiere (Fische und andere Meerestiere nicht eingerechnet). Pro Jahr ist das ein Fleischkonsum von knapp 90 kg, dazu kommt ein Berg an Milch- oder anderen tierischen Produkten. Würde die deutsche Bevölkerung nur an einem Tag in der Woche kein Fleisch essen, so würden jährlich 157 Millionen Tiere vor dem Schlachten verschont bleiben. Doch momentan ist Deutschland bei der Produktion von Fleisch weltweit mit ganz vorne. 2010 waren es 8 Millionen Tonnen. Und noch eine letzte Zahl: 98% des in Deutschland verzehrten Fleisches stammt aus Massentierhaltung.

vegan Ernährung

Fleischkonsum mit bitterem Beigeschmack

Das sind Zahlen, die viele Menschen erschrecken dürften. Doch beim Griff in die Fleischtheke werden wohl die wenigsten daran denken. Es hängt kein geschlachtetes Schwein herum, sondern rosa Fleischscheiben in einer netten Verpackung, auf der oft "glückliche" Tiere in einer ländlichen Umgebung abgedruckt sind - was mit der Realität nichts zu tun hat. Fleisch kaufen und essen ist anonymisiert und entfremdet. Eigentlich möchte man auch gar nicht so genau wissen, was hinter den Schlachthofmauern passiert. Denn sonst würde die Zahl der Vegetarier (aktuell nach Angaben des Vegetarierbundes ca. 6 Millionen in Deutschland, Tendenz stark steigend) sich vermutlich schlagartig vervielfachen.  Aber solange man das alles nicht mitbekommen muss und die Fleischlobby mit Sprüchen wie "Fleisch – ein Stück Kraft" oder die Milchlobby mit "Milch macht starke Knochen" etc. dazu lockt, tierische Produkte zu konsumieren, ist doch alles prima, oder? Leider nein!

Das Gegenteil ist der Fall. Auf der einen Seite steht ein sekunden- oder minutenlanger Gaumenschmaus. Auf der anderen Seite tun sich üble Abgründe auf: "Nutztiere" werden in ihrem kurzen Leben davon abgehalten, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben. Sie werden unter zumeist erbärmlichen Zuständen gehalten. Sie werden in Rekordzeit gemästet. Ihnen werden riesige Mengen Milch abgemolken. Und am Ende landen sie alle schließlich beim Schlachter. 50 Millionen männliche Küken werden in Deutschland jährlich gleich nach dem Schlüpfen wieder umgebracht (vergast, erstickt oder geschreddert), weil sie eben keine Eier legen können und als Masthähnchen nicht geeignet sind (andere Rasse). Kühe werden immer wieder geschwängert, um ein Kalb zu gebären, dass ihnen kurz nach der Geburt weggenommen wird. Das Kälbchen landet als Kalbsfilet auf unserem Teller, die für das Kalb bestimmte Milch wird abgemolken. Wir Menschen trinken letztlich die Säuglingsmilch einer anderen Spezies.

vegan Essen ohne Fleisch

Klar - es ist ganz sicher besser, Bio-Fleisch zu kaufen, aber auch das sollte einem nicht das gute Gewissen vermitteln, den Tieren sei es wirklich gut gegangen. Die Bio-Lebensmittel-Branche ist aufgrund des steigenden Bedarfs in den letzten Jahren zunehmend industrialisiert worden, auch hier gibt es zunehmend riesige Massenbetriebe, die Haltungsbedingungen nur unwesentlich besser als in konventionellen Betrieben. Kann es den Käufer letztlich denn wirklich freuen, dass ein Huhn hier nun zwei Din-A4-Blätter Platz hat statt nur eines? Auch in der Bio-Haltung werden in der Regel Küken geschreddert, Hühner nach 40 Tagen geschlachtet und bekommen Schweine schmerzhaft die Schwänze kupiert etc. Bio bedeutet letztlich leicht angenehmere Lebensbedingungen für Tiere bevor sie getötet werden. Tot gestreichelt wird selbstverständlich auch in der Bio-Branche nicht. Und das Leben der Tiere ist kaum länger.

Und mit der Gesundheit ist das auch so eine Sache: Der Konsum von tierischen Produkten ist für eine ganze Menge Krankheiten (mit-)verantwortlich: Übergewicht, Herzkrankheiten, Krebs und viele andere Überflusskrankheiten. Was uns die Fleisch- und Milchlobby seit vielen Jahren versucht einzutrichtern, ist nur Werbung, wissenschaftlich aber nicht belegbar, im Gegenteil. Abgesehen natürlich von Studien, die von der Milch- oder Fleischlobby finanziert wurden.

Am Fleischkonsum hängt aber noch viel mehr: Nachhaltige Verseuchung der Böden, Abholzung von Regenwald (allein in Südamerika wurden seit 1980 fast 40 Prozent des Regenwaldes für das Futter sogenannter „Nutztiere“ gerodet), Anbau von genmanipuliertem Soja, Transport durch die halbe Welt usw. Fleischkonsum ist der mit Abstand größte Klimatreiber auf diesem Planeten, weit vor dem gesamten Verkehr weltweit. Man darf sich eigentlich nicht Klimaschützer nennen, solange man weiterhin Fleisch isst. Die Erzeugung von einem Kilo Fleisch benötigt bis zu 16 Kilogramm Futter und bis zu 20.000 Liter Wasser, ist im Hinblick auf zu verwertende Kalorien völlig ineffizient. Essen, das woanders auf der Welt fehlt. Während weit über eine Milliarde Menschen übergewichtig sind, hungert eine Milliarde. Ich glaube, wir werden uns diese Form der Ernährung einfach nicht mehr lange leisten können – gerade angesichts stark steigender Weltbevölkerungszahlen.

vegane Ernährung Kuchen

Meine Entscheidung vegan zu leben, für mich eine der besten in meinem Leben

Ich könnte noch viele Fakten und Argumente gegen den Fleischkonsum an dieser Stelle anführen, aber das würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Jeder sollte sich einfach überlegen, ob es der Biss ins Salamibrötchen oder die Currywurst wert ist, all dieses Elend damit aktiv zu unterstützen. Man muss dabei keineswegs dogmatisch werden, und selbstverständlich ist jeder Schritt in Richtung Verzicht gut für Tiere, sich selbst und die Umwelt. Ich sage auch nicht, dass jeder von heute auf morgen seine Ernährungsweise umkrempeln kann – ich selbst habe dafür einige Jahre gebraucht. Aber es ist ein erster Schritt zu prüfen, ob das „Gewohnte“ auch wirklich sinnvoll ist – und dann offener zu werden für (pflanzliche) Alternativen.

Mein persönliches Fazit lautet daher: Die Tierprodukte-Industrie zu ändern wäre natürlich wünschenswert, um das unvorstellbare Leid der Tiere weiter zu verringern. Ein nachhaltiges Zukunftsmodell ist das für mich aber nicht. Die Weltbevölkerung muss ihren Konsum an tierischen Produkten möglichst weit verringern, und das Verlockende ist: Damit würde man ein ganzes Bündel an riesigen Problemen lösen. Der Verzicht auf Fleischkonsum bedeutet weniger Tierleid, weniger Umweltschäden, weniger CO2-Emissionen und eine bessere Gesundheit. Es gibt meiner Meinung nach – abgesehen vom bereits erwähnten kurzen Gaumenschmaus – keinen sinnvollen Grund, Tiere zu essen. Daher bedeutet eine umweltverträgliche und nachhaltige Ernährung für mich vegetarisch oder noch besser vegan zu leben. Und nun die gute Nachricht: Der Verzicht auf tierische Produkte ist gar nicht schwer, sondern nur Umgewöhnung, denn es gibt inzwischen unglaublich viele leckere vagane Alternativen – auch ohne künstliches Fleisch, das auch schon entwickelt wird. Vegan lebt es sich gesünder, nachhaltiger und moralisch korrekter. Meine Entscheidung vegan zu leben, gehörte zu den besten in meinem Leben. Ich fühle mich besser, ich habe seitdem riesigen Spaß am Kochen, entdecke vieles Neues für mich und mein Gewissen ist beruhigt, da ich für viel weniger Leid und Umweltschäden verantwortlich bin. Fühlt sich gut an.

Danke, Patrick! Puh, das ist ja ein ganz schöner Bewusstseinscanyon, der „Allesesser“ und Veganer voneinander trennt... Sehr viel Platz für Diskussionen. Was meint Ihr denn? Ist Patricks Sicht auch die Eure? Oder seht Ihr das mit dem tierische Produkte ganz anders?

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