Klimawandel: Diese Familie ist ihm hinterhergereist | Polarstern
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Familie sieht Klimawandel in Grönland
Familie Steingässer in Grönland.

Klimawandel: Diese Familie ist ihm hintergereist

Die Autorin Jana Steingässer hat mit ihrer Familie Orte bereist, wo der Klimawandel hart zuschlägt. Hier erzählt sie, was man macht, wenn draußen der Eisbär rumstreunt, warum Menschen den Klimawandel leugnen und was beim Reisen mit Kindern immer mitmuss.

Als ihre Henne mitten im Winter ein Ei legt, ist für Jana und Jens Steingässer klar, dass der Klimawandel auch im heimischen Odenwald angekommen ist. Der Klimawandel beschäftigt die beiden so sehr, dass sie ihm schließlich hinterherreisen. Für die Ethnologin und den Fotojournalisten geht es nach Grönland, Lappland, Südafrika, Australien und über die Alpen. Und die Kinder? Die kommen einfach mit! Familie Steingässer ist heil wieder da und hat vor Kurzem einen Stopp im Polarstern-Büro eingelegt, schließlich sind sie Kunden der ersten Stunde. Kinder und Erwachsene haben knapp zwei Stunden lang gebannt ihren Abenteuern zugehört. Ein paar Fragen hatten wir am Ende noch.

Manche Kinder lieben Ausflüge mit den Eltern, andere hassen sie regelrecht. Waren eure Kinder von Anfang scharf darauf, die Komfortzone gleich so völlig zu verlassen?

JANA Kinder orientieren sich da stark an den Emotionen der Eltern. Wenn sich Mama und Papa freuen oder aufgeregt sind, sind sie es die Kleinen auch. Erst mit der Zeit wird es für die Kinder schwieriger, so lange aus dem Alltag gerissen zu sein. 

Und es ist ja auch total aufregend. In Grönland wart ihr eine Woche lang auf engstem Raum im Haus eingesperrt, weil sich im Dorf ein Eisbär rumtrieb. Was macht eine sechsköpfige Familie eine Woche auf ein paar Quadratmetern in der Arktis?

JANA Wirklich eingesperrt waren wir nicht. Wir sind schon vor die Tür gegangen, durften uns aber nicht zu weit vom Haus entfernen. Die Zeit haben wir uns mit Malen oder Basteln vertrieben, und ab und zu kam ein Kind aus dem Dorf zum Spielen vorbei. Als die Kinder irgendwann vor lauter Langeweile die Wände mit Kreide angemalt haben, war ich froh, als es endlich Entwarnung gab.

Habt ihr den Eisbären auch gesehen?

JANA Wir haben ihn praktisch knapp verpasst. Die Eisbärin wurde an einem See gesichtet, an dem wir kurz vorher auch waren. Als ich das hörte, habe ich die Gefahr etwas ernster genommen und auch nicht mehr hinterfragt, warum uns die Einheimischen ein Gewehr gegeben haben. Wir hatten zwar keine Ahnung, wie man das Ding benutzt, aber es gibt dir zumindest ein Gefühl der Sicherheit. Auch wenn ich den Gedanken, auf einen Eisbären schießen zu müssen, einfach nur schrecklich finde. 

In Grönland schlägt der Klimawandel besonders hart zu. Ist das sichtbar?

JANA Wir haben gesehen, wie die Schlittenhunde verhungern. Ein Dorf mussten wir verlassen, weil wir diesen Anblick einfach nicht mehr ertragen haben. Ich wäre jetzt vorsichtig, das nur dem Klimawandel zuzuschreiben. Aber Tatsache ist, dass die Menschen bei steigenden Temperaturen und eisfreiem Meer immer schlechter jagen können. Wenn die Jäger Beute nach Hause bringen, isst die Familie natürlich zuerst, erst dann kommen die Hunde dran. 

Nach Grönland kam Lappland, Südafrika, Australien, Marokko und die Alpen. Gibt es ein Muster in der Wahrnehmung über den Klimawandel?

JANA Viele wollen von einem Klimawandel nichts wissen, obwohl sie direkt von ihm betroffen sind. Sie klagen, dass sich Jahreszeiten verschieben, die Tiere keine Nahrung finden und der Regen ausbleibt, aber Klimawandel? Gibt’s nicht! 

Warum tun sich die Menschen so schwer, von einem Klimawandel zu sprechen?

JANA In Australien haben wir den Farmer Russell kennengelernt. Er steht für mich beispielhaft, wie viele Menschen mit dem Klimawandel umgehen. Russell, der eigentlich immer so gut gelaunt war, sagte in einem traurigen Moment, dass er den Klimawandel nicht zugeben kann. Es würde für ihn bedeuten, sich als industrieller Farmer eine Mitschuld einzugestehen. Diese Last würde er nicht packen. Dieses Verhalten haben wir ganz oft erlebt, wahrscheinlich ist Verdrängen eine natürliche Strategie. Die Sami, die Ureinwohner Lapplands, sind da ganz anders. Sie sprechen ganz klar vom Klimawandel und suchen nach Lösungen. Sie arbeiten zum Beispiel mit Universitäten zusammen, um Daten über das Verhalten ihrer Rentiere zu sammeln. Für die wird es immer schwieriger, Nahrung zu finden. 

Habt ihr unterwegs etwas von Menschen gelernt? Etwas, das euch verändert hat?

JANA Absolut: positive Einstellung. Das war ganz wichtig für uns. Etwa nach der Hälfte der Projektzeit war nicht klar, ob wir überhaupt weitermachen können. Die Erfahrungen gingen uns zu nahe, auch den Kindern. Wenn du nach den Dingen suchst, die die Welt kaputtmachen, macht es dich auch kaputt. Auf unseren Reisen haben uns viele Menschen dazu inspiriert, den Blick auf die Lösungen zu richten. Es passiert so viel Gutes auf der Welt! Und es gibt immer mehr Menschen, Firmen und Organisationen, die daran arbeiten. Darauf sollten wir uns konzentrieren, nicht auf die Angst. Ich bin inzwischen wieder richtig optimistisch. 

Wie kann jeder helfen?

JANA Ich denke, wir müssen alle lernen mit weniger auszukommen, auch wenn es wehtut. Die Belastung unseres Konsums fürs Klima und die Umwelt ist einfach zu groß.

Was muss unbedingt mit, wenn man mit Kindern reist?

JANA Ganz klar, ein aufblasbarer Ball. Er ist immer ein Türöffner. Die Kinder holen den Ball raus, und sofort kommen die anderen Kinder und spielen mit. Das bringt auch die Erwachsenen zusammen. Jede Familie sollte immer einen Ball dabei haben!

Jana und Jens sind Kunden der ersten Stunde. Werde jetzt auch einer!

Der Bildband "Die Welt von morgen. Eine Familie auf den Spuren des Klimawandels."  von Jana und Jens Steingässer ist eines der besten Bücher über den Klimawandel. Beeindruckende Bilder, tolle Texte. Unbedingt lesen!

Fotos: (c) Jens Steingässer.

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