Es ist ein Kreislauf: Was wir heute essen und mit welcher Energie wir kochen, entscheidet mit darüber, welches Nahrungsmittelangebot morgen für uns bereitsteht. Energie und Ernährung sind viel enger miteinander verknüpft, als wir denken. Verursachen wir in beiden Bereichen viel CO2, treibt dies den Klimawandel an. Aber umgekehrt hat der Klimawandel einen erheblichen Einfluss auf das Pflanzenwachstum – und damit auf unsere eigene Gesundheit. Ernährung und Klimaschutz hängen eng zusammen, wie unser Interview deutlich macht.

von Michael

Neben unserem Energieverbrauch  ist unser Lebensmittelkonsum einer der Haupttreiber für den Anstieg der CO2-Emissionen. In Deutschland sind das jährlich etwa 1,75 Tonnen CO2 pro Kopf, schätzt das Bundesumweltministerium. Insbesondere eine Ernährung mit vielen tierischen Produkten sorgt für einen großen CO2-Fußabdruck. Die Landwirtschaft ist nach der Energieversorgung der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgas-Emissionen. Mit einer CO2-armen Küche – das heißt, mit den „richtigen“ Lebensmitteln und der „richtigen“ Energie – schonen wir auf Dauer unser Lebensmittelangebot. Es ist ein Zyklus: Wer sich gesund ernährt und mit der „richtigen“ Ökoenergie kocht, reduziert Treibhausgas-Emissionen. Das schützt wiederum die Pflanzen.

 

CO2 sorgt nicht nur für Pflanzenwachstum.

Denn die Rechnung, dass CO2 für immer mehr Pflanzenwachstum sorgt, geht nicht auf. Eine hohe CO2-Konzentration in der Atmosphäre sorgt für Extremwetter und Ernteausfälle. Das Jahr 2018 bot einen Vorgeschmack: Laut Statista hat die Dürre in Deutschland Ernteausfälle mit einem Schaden von rund 2 Milliarden Euro verursacht. Mit der Erderwärmung verschieben sich außerdem die Vegetationsphasen. So rechnen Experten damit, dass sich bei Getreide die Kornfüllungsphasen verkürzen und hohe Temperaturen die Verbreitung von Unkräutern und Schädlingen begünstigen. Für die Pflanzen selbst ist eine hohe CO2-Konzentration auch nicht gesund, ähnlich wie man sie mit zu viel Wasser ertränken kann. Einer aktuellen Studie zufolge entwickeln Pflanzen bei steigender CO2-Konzentration weniger Nährstoffe. Für die Menschen heißt das auf lange Sicht die Gefahr von Eisen-, Zink- und Proteinmangel.  

 

Wir brauchen eine neue Ernährung.

Wir brauchen also eine Ernährungsweise, die das Klima UND unsere Gesundheit gleichermaßen schont. Je gesünder wir uns ernähren, desto besser geht es auch den Pflanzen, die wir verzehren, und desto besser geht es uns. Deshalb arbeiten wir mit der BKK ProVita zusammen: Der Weg zu einem kleineren CO2-Fußabdruck endet nicht bei der Umstellung auf Ökoenergie. Die bundesweit geöffnete gesetzliche Krankenkasse macht sich für eine pflanzenbetonte Ernährung stark wie keine andere. Gerade erst wurde die BKK ProVita für ihr Engagement in Kindergärten und Schulen mit dem Klimaschutz-Award der Vereinten Nationen in der Kategorie “Planetary Health“ ausgezeichnet.  

 

Gemeinwohl-Ökonomie: Was uns mit der BKK ProVita verbindet.

Mit der BKK ProVita verbindet uns noch etwas: Wir sind beide die ersten Unternehmen unserer jeweiligen Branche, die von der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) zertifiziert sind. Die GWÖ ist eine wachsende Bewegung aus Unternehmen, die Gewinnmaximierung als vorrangiges Unternehmensziel ablehnen und wertebasiert wirtschaften. In der Gemeinwohl-Ökonomie muss ökonomisches Handeln immer einen gesellschaftlichen und ökologischen Mehrwert nach sich ziehen. Auch das fördert eine nachhaltigere Landwirtschaft.  

Wir haben uns mit dem Nachhaltigkeitsbeauftragten der BKK ProVita, Maximilian Begovic, darüber unterhalten, was Ernährung mit Klimaschutz zu tun hat, wie die Gemeinwohl-Ökonomie bei ihm im Unternehmen gelebt wird und warum gerade bei Kindern und Jugendlichen eine pflanzenbetonte Ernährung gefördert werden sollte.

Maximilian Begovic ist Nachhaltigkeitsbeauftragter der BKK ProVita. Bild: (c) blende11.

Wie kam die BKK ProVita zur Gemeinwohl-Ökonomie?

MAXIMILIAN BEGOVIC Das geht auf unseren Vorstand Andreas Schöfbeck zurück, der nach einer schweren Krankheit sein Leben umdenken musste. Am Anfang stand die Umstellung auf vegane Kost. Danach kam die Auseinandersetzung mit ethischen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen, die an unsere Ernährung geknüpft sind: zum Beispiel der Ressourcenverbrauch (nicht nur) in der Lebensmittelproduktion und auch die Frage: Wie können wir die Transformation der Gesellschaft vorantreiben und uns von der „Geiz ist geil“-Haltung befreien? Das Buch „Gemeinwohl-Ökonomie“ von Christian Felber war für Andreas Inspiration, diesen Wirtschaftsansatz in unser Unternehmen zu tragen. 

 

Wie wird die Gemeinwohl-Ökonomie im Alltag der BKK ProVita gelebt?

MAXIMILIAN BEGOVIC Indem wir ihren Werten Raum geben. Ein Beispiel: Alle Kolleg*innen dürfen sich jeden Tag 10 Minuten Zeit zum Meditieren nehmen, damit sie zum Beispiel vor wichtigen Terminen zur Ruhe kommen können. Gerade Stress hat ja einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit. Als Krankenkasse ist unser Credo, dass Gesundheit nur in einem gesunden Umfeld gedeihen kann. Extern ist uns die Partnerschaft mit anderen Unternehmen wichtiger als der Wettbewerb. Nur gemeinsam lässt sich mehr Gemeinwohlorientierung in der Wirtschaft durchsetzen.

„Gesundheit kann nur in einem gesunden Umfeld gedeihen.“

Welche konkreten Maßnahmen setzt ihr um?

MAXIMILIAN BEGOVIC Ökologische Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Pfeiler der Gemeinwohl-Ökonomie. Wir haben unseren CO2-Fußabdruck ermittelt und festgestellt, dass wir ihn am stärksten durch unser Mobilitätsverhalten senken können. Unser Standort ist leider schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden; überspitzt gesagt, kommt da einmal morgens und einmal abends ein Bus. Deshalb werden bei uns Fahrgemeinschaften gefördert, es gibt Duschen für Radler und Ladestationen mit „Wirklich Ökostrom“ von Polarstern für E-Bikes und E-Autos. Auch Home Office ist ein wichtiges Thema: Nachdem die Pilotphase abgeschlossen ist, wollen wir nun flexible Arbeitsplätze so vielen Kolleg*innen wie möglich anbieten. Denn wer nicht zur Arbeit fahren muss, verursacht auch kein CO2. Daneben gibt es viele weitere Maßnahmen: Wir nutzen nachhaltige Büroutensilien, Regenwasser für die Toiletten und smarte LEDs für mehr Energieeffizienz. 

Maximilian Begovic, Andreas Schöfbeck und Michael Blasius von der BKK ProVita auf der UN-Klimakonferenz in Katowice. Bild: (c) BKK ProVita.

Was hat die Gemeinwohl-Ökonomie mit meiner Gesundheit zu tun? 

MAXIMILIAN BEGOVIC Die Wirtschaft in ihrer jetzigen Form setzt auf Leistungsdruck und Ellenbogen. Das sorgt für Stress, und Stress macht krank. Die Kosten für das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft sind extrem. Und das sagen nicht nur Esoteriker, sondern ebenso klassische Ökonomen. Sie überlegen sich auch, was sich ändern muss.  

 

Wie müsste sich denn das Gesundheitswesen ändern? 

MAXIMILIAN BEGOVIC Krankenkassen springen ein, wenn Menschen krank sind; das ist das aktuelle System. Der Ansatz, Menschen dabei zu helfen, gesund zu bleiben, müsste viel mehr Beachtung bekommen. Dazu sollten mehr Ressourcen für eine frühe gesunde Lebensführung bereitstehen. Dauerhaft ist das der gesündere Weg – und auch der günstigere. 

 

Die BKK ProVita fördert die pflanzenbetonte Ernährung wie keine andere Krankenkasse. Für die „Aktion Pflanzen-Power" wurde die BKK ProVita gemeinsam mit ProVeg letzten Herbst in Katowice mit dem Klimaschutz-Award der Vereinten Nationen ausgezeichnet. Damit ging dieser Preis erstmals an ein deutsches Projekt. Bei der Aktion geht es darum, in Schulkantinen und Kindergärten pflanzenbetonte Gerichte anzubieten. Warum sind Schulen ein guter Ort, sich für eine gesunde Ernährung einzusetzen?

MAXIMILIAN BEGOVIC Ich bin als Kind so aufgewachsen, dass es an der Fleischtheke eine Scheibe Gelbwurst gab und nach dem Fußballspiel zur Belohnung ein Schnitzel. Wir wollen den Kindern mit unseren Aktionen Alternativen zeigen und festgefahrene Denkmuster aufbrechen. Oft wird ja nur deshalb so viel Fleisch gegessen, weil man es so gelernt hat, Alternativen gab es kaum. Diese sollen die Kinder mit unseren Aktionen kennenlernen. Kinder sind noch nicht so festgefahren in ihren Meinungen und offen, Neues auszuprobieren. Das ist die Chance in eine gesunde Lebensführung einzusteigen, die für die planetare Gesundheit so wichtig ist wie für unsere eigene.

Früher gab’s Gelbwurst an der Fleischtheke und Schnitzel als Belohnung nach dem Fußball. Wir wollen den Kindern pflanzenbetonte Alternativen zeigen und festgefahrene Denkmuster aufbrechen.

Kann ich mit einer pflanzenbetonten Ernährung wirklich Gesundheitsrisiken vermeiden?

MAXIMILIAN BEGOVIC Eine gute Ernährung senkt das Risiko für Diabetes, Herz- und Krebserkrankungen – Krankheiten, die für 70 % der Todesfälle weltweit verantwortlich sind und etwa 80 % der Gesundheitskosten verursachen. Schaut man sich jetzt weltweit Regionen an, in denen Menschen bei guter Gesundheit und Aktivität besonders alt werden, sind dies häufig Gegenden, in denen eine pflanzenbetonte Ernährung vorherrschend ist: die sogenannten „Blue Zones“. 

 

Und was hat das mit dem Klimawandel zu tun?

MAXIMILIAN BEGOVIC Im Jahr 2050 werden laut UN wahrscheinlich 8 Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben. In der Nutzung der Ressourcen leben wir radikal über unsere Verhältnisse. Ernährung ist ein Weg, Ressourcen und CO2 zu sparen. Jeder ist gegen Regenwaldabholzung. Aber die wenigsten ziehen den Bogen zu sich selbst: Dass der Wald auch für die eigene Ernährung abgeholzt wird. Die Fleischesser betrifft das ungleich stärker, weil ihr Ressourcenverbrauch viel höher ist. So benötigt etwa die Produktion von einem Kilo Rindfleisch zehnmal so viel Wasser wie ein Kilo Getreide. Es gibt diesen Spruch "The power is on your plate" – und er stimmt! 

 

Wie kann ich klimabewusster Lebensmittel kaufen?

MAXIMILIAN BEGOVIC Mir stehen schon die Haare zu Berge, wenn ich Erdbeeren im Januar sehe. Wer klimabewusst essen will, sollte regional und saisonal einkaufen. Das spart massiv CO2. Gütesiegel helfen, umwelt- und klimaschonende Produkte auf einen Blick zu erkennen. Allerdings setzen die Siegel unterschiedliche Maßstäbe. Demeter ist zum Beispiel strenger und damit besser als die Euroblume, das Europäische Umweltzeichen. Einen guten Überblick über die Zertifizierungen gibt zum Beispiel der NABU-Siegel-Check oder Label-Online. 

 

Was ist ein guter Einstieg in die eigene Ernährungsumstellung?

Restaurants sind ein guter Ort, um das Schnitzel mal sein zu lassen und einfach etwas Neues für sich auszuprobieren. Genauso das gemeinsame Kochen mit Freunden und Partner. Viele haben die Sorge, Fleischverzicht gehe mit einem Mangel einher. Dabei kann er ein großer Gewinn sein, weil man ohne schlechtes Gewissen gegenüber den Tieren und der Umwelt essen kann – und dabei noch neue Speisen kennenlernt. Grundsätzlich sollte man sich immer auf sein Gefühl verlassen: Wenn ich mit dem, was ich esse, nicht happy bin, wird es mir auch nicht schmecken. Wir wollen für bewusste Entscheidungen sensibilisieren – da gibt es kein Richtig oder Falsch. Klar ist aber auch: Nicht alles, was vegetarisch oder vegan ist, ist auch gesund. Es gibt Chips, Pommes und Gummibärchen ohne tierische Inhaltsstoffe – aber Junk Food bleibt Junk Food!

 

Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, Maximilian!

Ökostrom vom gemeinwohlorientierten Energieversorger

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