Unterhaltskosten: Wer schneidet besser ab – Elektroauto oder Verbrenner? | Polarstern Magazin

Noch sind Elektroautos oft teurer als vergleichbare Verbrenner. Doch ihre Anschaffungskosten sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Und sieht man sich die Unterhaltskosten an, schrumpft der Preisunterschied stark. Aber reicht es, um den Verbrenner zu unterbieten?

von Michael

Die wichtigsten Kostenpunkte auf einen Blick:

 

Was die Elektromobilität so knallhart mit Ökostrom gemeinsam hat, ist die Klage über den hohen Preis im Vergleich zum konventionellen Produkt. Bei der Energie ist der Vorwurf schon lange nicht mehr haltbar – wirklich nachhaltig erzeugte Energie ist in den meisten Fällen günstiger als die Grundversorgung. Und bei Elektroautos? Sie sind im Anschaffungspreis im Vergleich zum Verbrenner-Pendant immer noch meist höher. Aber der Blick aufs Preisschild reicht nicht. Geht man ins Detail, schrumpft der Kostenvorsprung. Denn die Unterhaltskosten fallen bei einem Elektroauto wesentlich geringer aus. Und staatliche Förderungen gibt es auch noch. 

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4.000 Euro Umweltprämie für Elektroautos.

So kann man noch bis Ende 2020 vom Neupreis eines E-Autos unter 60.000 Euro schon mal 4.000 Euro abziehen. Diese Summe fördert der Staat gemeinsam mit den Autoherstellern. Und zwar solange, bis der Fördertopf von 1,2 Milliarden Euro aufgebraucht ist. Zusätzlich haben die Bundesländer und Gemeinden eigene Förderprogramme für Ladestationen, E-Roller und mehr. 

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Unterhaltskosten: Der Preis eines Elektroautos liegt im Detail.

Unterhaltskosten lassen sich natürlich preislich nicht so klar definieren wie Förderungen. Einschätzungen lassen sich trotzdem gewinnen. Am ehrlichsten ist es, wenn man Autos einer Marke als Elektro- und Verbrenner-Modell miteinander vergleicht. Der ADAC hat allgemein die Unterhaltskosten zahlreicher Autos berechnet: Echt spannend, wer da besser abschneidet. Schauen wir uns die wichtigsten Einflussfaktoren näher an.

 

Kfz-Versicherung bei Elektroautos.

Eine Kfz-Haftpflichtversicherung ist für Elektroautos natürlich genauso verpflichtend wie für Verbrenner. Da den Versicherungen bis jetzt noch die Erfahrungswerte für Elektroautos fehlen, nach welchen Kriterien sich die Höhe der Beiträge bemessen sollen, orientieren sie sich im Moment noch an den gängigen Typ- und Regionalklassen. So sind etwa die Beiträge für „Stadtautos“ höher, ebenso für Modelle, die statistisch häufiger in Unfälle verwickelt sind. Dennoch gibt es Anreize für E-Autos. So bietet derzeit ein großer Versicherer 20 % Nachlass bei der Kfz-Haftpflichtversicherung für Elektroautos. Da kommt ein i3 schon mal 22 Euro günstiger weg als sein konventioneller Kollege, der 166i. Sollten künftig mehr Elektroauto-Discounts bei der Versicherung angeboten werden, sollte man jedoch vorher nachhaken, ob auch wirklich alle Leistungen inklusive sind. Teil- und Vollkasko-Versicherungen bleiben auch bei Elektroautos gleichermaßen freiwillig, aber ratsam. Sie sollten den Akku mitversichern, auch gegen Hackerangriffe oder Bedienfehler beim Laden absichern und ebenso Tierbisse, Abschleppservice oder Brandschäden durch Kurzschlüsse abdecken.

 

Kfz-Steuer bei Elektroautos.

Diese Komponente der Unterhaltskosten fällt derzeit komplett weg. Wer sein Elektroauto ab dem 18. Mai 2011 zugelassen hat – oder bis zum 31. Dezember 2020 zulässt, wird für zehn Jahre komplett von der Kfz-Steuer befreit. Das Gleiche gilt für umgerüstete Fahrzeuge, sofern sie ab dem 18. Mai 2016 zugelassen wurden. Auch diese Frist läuft noch bis zum 31. Dezember 2020. 

 

Wartungskosten von Elektroautos.

Die Wartung von Elektroautos läuft anders ab als bei Verbrennern. Manche Arbeiten fallen schlicht weg. Und damit auch die Kosten. Das gilt zum Beispiel für den Ölwechsel, den Zündkerzen- oder den Kraftstofffilteraustausch. Bremsen checken bleibt wichtig wie eh und je, durch die Rekuperation des E-Antriebs werden die Bremsen jedoch weniger belastet. Vom Gas gehen, drosselt bereits die Geschwindigkeit, und das schont die Bremsen. 

 

Bis zu 50 % weniger Kosten. 

Verlässt man sich auf die Angaben der Hersteller, geben Fahrer eines i3 20 % weniger für die Wartung aus als Fahrzeughalter des vergleichbaren Modells mit Verbrennungsmotor. Nissan rechnet damit, dass die Wartungskosten beim Leaf im Vergleich zu einem vergleichbaren Verbrenner um ein ca. ein Viertel günstiger sind, Kia kalkuliert sogar mit der Hälfte der Kosten. So berichtet es das Magazin EFAHRER. Eine große Versicherungsgesellschaft veranschlagt beim Nissan Leaf für die kleine Inspektion etwa 80 € nach einem Jahr, und 150 € nach zwei. Bei einem vergleichbaren Dieselmodell liegen die Kosten fast doppelt so hoch. Grund sind etwa zusätzliche Öl- und Filterwechsel. 

 

Wartungsarbeit verändert sich. 

Reparatur und Wartung verändert sich mit der Elektromobilität fundamental. Vieles kann aus der Ferne per Over-the-air-Wartung (OTA) geregelt werden. E-Autos erhalten automatisch Software-Updates und neue (Sicherheits-) Funktionen. Auch sollen Autos per Selbstdiagnose feststellen können, ob sie in die Werkstatt müssen. Mechanische Reparaturarbeiten können natürlich weiterhin nur diese leisten. 

 

Wertverlust eine Elektroautos.

Der Wertverlust eines Autos nagt besonders an den Gesamtkosten. Was verliert schneller an Wert? Ein Elektroauto oder ein Verbrenner? Bis vor ein paar Jahren war es klar das E-Auto, allein schon, weil die Nachfrage zu gering war. Die Restwertkalkulation muss man nicht selbst durchführen. Dafür gibt es die "Schwacke-Liste". Seit 1957 ermittelt das gleichnamige Unternehmen die wertstabilsten Autos. Und auf dieser Liste schneiden neuere Elektroautos besonders gut ab. 2018 wurde bei Elektroautos ein geringerer Wertverlust als bei Verbrennern festgestellt. Die besten Elektroautos hatten nach vier Jahren immer noch einen Restwert von knapp 60 %. Besonders gut schnitten der BMW i3, der Nissan Leaf ab und der Hyundai Ioniq ab. Letzterer gilt im Moment als das wertstabilste Auto. 

 

Kraftstoffverbrauch eines Elektroautos.

Abgesehen davon, dass es für Elektroautos eine Menge Gratislademöglichkeiten gibt – etwa bei manchen Supermärkten oder einigen Arbeitgebern – ist das Laden generell günstiger als Tanken. Die Stromkosten für 100 Kilometer lassen sich für jedes E-Auto-Modell grob berechnen, indem man den Preis einer Kilowattstunde Strom vor Ort mit dem Energieverbrauch des Elektroautos pro 100 Kilometer multipliziert. Beispiel e-Up! Sein angegebener Normverbrauch liegt bei 11,7 kWh pro 100 Kilometer. Bei einem Kilowattstundenpreis von 30 Cent kostet das Laden für die Strecke ca. 3,50 Euro. Der VW up! dagegen kostet beim angegeben Normverbrauch von 5,1 Litern auf 100 Kilometer und dem bundesdurchschnittlichen Benzinpreis von 1,405 Euro pro Liter im August 2019 etwa 7,20 Euro. Also mehr als das Doppelte.

>>> Das kosten Elektroautos auf 100 Kilometern. 

 

CO2-Steuer. 

Bei den Preisen ist noch nicht berücksichtigt, dass konventioneller Kraftstoff über die CO2-Steuer bald höher bepreist werden könnte. Außerdem haben E-Fahrer noch mehr Spielraum, die Ladekosten zu senken. So gibt es etwa Spezialtarife  für Haushalte, die ihr Elektroauto über einen separaten unterbrechbaren Zähler messen. Ebenso erzeugen immer mehr Haushalte ihren Autostrom mit einer Photovoltaikanlage einfach selbst. Die Anlage ist eine Investition, aber das Laden ist dann gratis.

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Fazit: Sind E-Autos günstiger als Verbrenner?

Der ADAC hat letztes Jahr die „wahren“ Preise von Elektroautos und Verbrennern verglichen. Unter Berücksichtigung von Kraftstoff- bzw. Ladepreisen, Wertverlust, Wartungskosten und Förderungen waren viele Elektroautos jetzt schon preislich auf einem ähnlichen Niveau wie ihre Counterparts mit Verbrennungsmotor. Das galt für den eGolf, den i3s, den Hyundai Ioniq Elektro und den Smart Fortwo EQ. Obwohl er aus dem Förderprogramm der Bundesregierung rausfällt, schnitt sogar der Tesla X gut ab und ist bei der Vollkostenrechnung gleichauf mit dem Audi SQ7 TDI.

 

Generell gilt: Nutze Dinge lange.

Viele Kritiker der Elektromobilität argumentieren aus der Sorge heraus, sie müssten bald etwas kaufen, das sie nicht wollen; oder ihr altes Auto loswerden. Natürlich nicht. Die Kaufentscheidung betrifft diejenigen, die gerade vor der Frage stehen: Investiere ich immer noch in die alte Technik – oder schon in die neue? Für alle Produkte gilt so oder so: Nutze sie solange, wie es geht. So spart man sich das CO2 in der Produktion von etwas Neuem. Und das ist immer noch am nachhaltigsten. 

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