KfW 40 Plus mit Mieterstrom. | Polarstern Magazin

Mit Mieterstrom erfüllen Bauherren nicht nur hohe Förderkriterien wie KfW 40 Plus, sie bereiten auch die Basis für weitere Geschäftsfelder. Denn die verstärkte Energieversorgung aus erneuerbaren Energien senkt Kosten, CO2-Emissionen und bietet viele, auch wirtschaftlich spannende Möglichkeiten, den vor Ort erzeugten Strom zu nutzen. So profitieren Immobilienbesitzer von günstigen Krediten, reduzierten Energiekosten und rüsten ihr Gebäude für die Zukunft.

von Anna

 

Mehr machen als die EnEV verlangt.

Die geltenden Energiestandards für Gebäude liegen deutlich unter den Forderungen von KfW 40 Plus. Angesichts sinkender Kosten für die benötigte Anlagentechnik und mit Blick auf weitere Geschäftsfelder durch die Vermarktung erneuerbar erzeugter Energie, rechnet sich eine Übererfüllung geforderter Energiestandards jedoch immer mehr.

Allein die Kosten für PV-Module sind in den letzten rund fünf Jahren um über die Hälfte gefallen, gleichzeitig hat sich ihr Wirkungsgrad um rund 30 % verbessert. Auch bei den Speichern zeichnet sich eine positive Entwicklung ab. „Qualität und Wirtschaftlichkeit haben sich in den letzten rund fünf bis sieben Jahren bei Gewerbespeichern deutlich verbessert“, sagt Volker Dietrich, Sales Manager der VARTA Storage. Werden Gewerbespeicher schlüsselfertig nach dem Baukastenprinzip zusammengestellt, können sie zugeschnitten auf das Gebäude, die vorhandene oder geplante Anlagentechnik und das Verbrauchsverhalten der Bewohner konfiguriert werden und so gewisse Preisvorteile generieren.

Aktuell stagnieren aufgrund steigender Rohstoffnachfrage u. a. an Lithiumzellen im Verkehrssektor und zunehmender, internationaler Projekte im Bereich der Netzstützung die Kosten für gewerbliche Energiespeicher. Mittelfristig erwartet Volker Dietrich eine Zunahme bei der Energiedichte und auf längere Sicht auch preisliche Anpassungen. „Es ist eine Technologie mit viel Potenzial. Aktuell geht es vor allem darum, Preis, Aufwand und Performance entlang der gesamten Liefer- und Wertschöpfungskette im Sinne des Kunden zu verbessern“, betont der Speicherexperte.

Angesichts dieser technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen sinken die Vorbehalte, die oft hohen Energiestandards entgegengebracht werden und es zeigt sich: Energieeffizienz muss nicht an den Kosten scheitern.

Vor allem dann nicht, wenn die Energieerzeugungsanlagen intelligent in die lokale Energieversorgung des Gebäudes integriert und mit anderen Anlagen vernetzt werden. Wer den erzeugten Strom an seine Mieter weiterleitet, Stichwort Mieterstrom, erfüllt fast schon automatisch die Anforderungen von KfW 40 Plus. Mieterstrom wirkt damit wie ein Steigbügel für höhere Energiestandards und -förderungen.

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Das sind die Kriterien für KfW 40 und KfW 40 Plus.

Neben effizienter Wärmetechnik und Dämmmaßnahmen ist die Mieterstromversorgung für den Erhalt von KfW 40 Plus sogar Voraussetzung. Welche Kriterien genau zu erfüllen sind, das haben wir nachstehend überblicksartig zusammengefasst. Die Details finden sich im Programm 153 “Energieeffizient Bauen”:

Im Prinzip gelten bei einem KfW-Effizienzhaus 40 Plus die gleichen Anforderungen wie beim KfW-Effizienzhaus 40. Der Jahres-Primärenergiebedarf liegt bei maximal 40 % des Wertes eines EnEV-Referenzgebäudes, beim spezifischen Transmissionswärmeverlust Ht’ sind es maximal 55 %.

Der Unterschied zwischen den Anforderungen an ein KfW 40 und an ein KfW 40 Plus Gebäude liegt in der geforderten Anlagentechnik. So muss in einem KfW-Effizienzhaus 40 Plus zusätzlich folgende Technik installiert sein:

  • eine Anlage zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien, z.B. eine Photovoltaikanlage und/oder ein BHKW mit Biomethan-Bezug nach EEG
  • ein stationäres Batteriespeichersystem
  • eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Außerdem müssen Stromerzeugung und -verbrauch für jede Wohneinheit visualisiert werden, etwa über eine App oder ein Portal. In einigen Mieterstromprojekten können die Haushalte nicht nur ihr eigenes Stromverbrauchsprofil sehen, sondern erhalten auch eine Übersicht zur gesamten Energieerzeugung und -nutzung des Gebäudes (Erzeugungsanlagen + Summenzähler). Ziel ist es, so ein energieeffizientes Verhalten der Bewohner zu unterstützen.

Der vor Ort erzeugte Strom muss zudem direkt im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zum Gebäude erzeugt und vor allem dort auch genutzt werden. Die Leistungsabgabe an das Stromnetz darf maximal 60 % der Anlagenleistung betragen.

>>>> Mieterstrom-Referenzen mit KfW 40 Plus anschauen.

 

Vorteil der Sektorenkopplung.

Um möglichst viel lokal erzeugte Energie auch direkt zu nutzen, bietet sich die Kombination mit der lokalen Wärmeversorgung an. Je nach Größe und Verbrauchsprofil der Bewohner ist die Integration von Wärmepumpe/n oder BHKW sinnvoll.

>>>> Mit dezentraler Stromversorgung neue Geschäftsfelder erschließen.

 

Kredit durch die KfW.

Bauherren, die die Forderung KfW 40 Plus erfüllen, erhalten einen zinsgünstigen Kredit von bis zu 100.000 Euro je Wohnung. Da kommen in Mehrfamiliengebäuden schnell mehr als eine Million Euro zusammen. Zusätzlich erhalten sie einen Tilgungszuschuss in Höhe von bis zu 15 % der Darlehenssumme, maximal jedoch 15.000 Euro je Wohnung. Dieser Zuschuss wird nach Abschluss gutgeschrieben, nicht direkt ausgezahlt. Auch Käufer von Wohnungen einer WEG/Wohnungseigentümergemeinschaft können den Tilgungszuschuss in Anspruch nehmen, wenn der Bauträger die Förderung an sie weiterreicht.

Außerdem gewährt die KfW eine tilgungsfreie Anlaufzeit, deren Dauer von der Kreditlaufzeit abhängt. Das heißt, man zahlt nur die monatlichen Zinsen für das Darlehen, tilgt den Kredit aber noch nicht.

 

 

Tipps zur Umsetzung von Mieterstrom mit KfW 40 Plus.

Der Förderantrag muss vor dem Bau gestellt werden. Entsprechend rechnet es sich, auch die Mieterstromversorgung direkt mitzuplanen. Eine Möglichkeit, die Investitionskosten für die Anlagentechnik auszulagern, bietet das Mieterstrom-Contracting. In diesem Fall übernimmt ein Contractor wie Polarstern die Investitionen. Der Immobilienbesitzer muss quasi nur den Platz für die Technik bereitstellen. Der Vorteil eines umfassenden Contractings liegt denn auch in der ganzheitlichen Verantwortung von der Planung, Finanzierung bis hin zum Betrieb der Mieterstromanlagen durch den Contractor. Das unterstützt aufgrund weniger Schnittstellen einen reibungslosen Ablauf.

Die Förderung KfW 40 Plus kann mit weiteren Förderungen verknüpft werden, zum Beispiel mit dem KfW Programm 431. Es unterstützt die Baubegleitung durch einen Sachverständigen. Der Förderzuschuss der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Höhe von bis zu 4.000 Euro pro Vorhaben muss nicht zurückgezahlt werden.

 

Förderung von Mieterstrom.

Wer eine Mieterstromversorgung mit Photovoltaikanlage plant, kann auch von der Mieterstromförderung profitieren. Abhängig von der Anlagengröße gibt es einen Mieterstrom-Zuschlag für lokal erzeugten und genutzten Strom. Da größere Mieterstromprojekte mit PV-Anlagen 40 bis 750 Kilowattpeak zuletzt von Sonderkürzungen sowohl bei der Solarförderung, als auch dadurch bei der Mieterstromförderung betroffen waren, bieten sich hier einmal mehr integrierte Mieterstromkonzepte an.

>>>> Mehr zu Mieterstrom-Förderung.

 

 

Mit dezentraler Stromversorgung neue Geschäftsfelder erschließen.

Insbesondere durch die verglichen zu KfW 40 erforderlichen Zusatzkriterien ist die Sektorenkopplung bei KfW 40 Plus eine logische Konsequenz. So wird der geforderte Eigenverbrauch sichergestellt und die erzeugte Energie effizient genutzt.

Gerade sanierte und neue Gebäude haben meist ideale Voraussetzungen zur effizienten Wärmeversorgung mittels einer Wärmepumpe: Sie weisen eine sehr gute Dämmung auf und die PV-Anlage kann direkt ausreichend groß geplant werden. Zusätzlich entfällt ein großer Teil des Wärmebedarfs auf die Warmwasserversorgung, die ganzjährig stabil ist. Damit verlagert sich der Wärmebedarf gleichmäßiger über das Jahr und der Strombedarf der Wärmepumpen passt noch besser zur Solarstromerzeugung. Durch das verbesserte Schwachlichtverhalten neuer PV-Module reicht oft schon im Frühjahr und Herbst die PV-Stromerzeugung zum Betrieb der Wärmepumpe. Mit ihrem Wärmespeicher kann die Wärmepumpe zudem zeitversetzt zu ihrem Bedarf Wärme speichern und so in Zeiten schwacher Stromnachfrage der Haushalte Solarstrom effizient nutzen.

Blockheizkraftwerke rechnen sich zur Wärmeversorgung nur bei großen Wohngebäuden mit einem ganzjährig hohen Wärmebedarf.

Unbedingt berücksichtigen sollten Immobilienbesitzer die Planung von Ladestationen für Elektroautos. Das betrifft zum Beispiel die Planung des Hausanschlusses. Ein Großteil der restlichen, benötigten Technik ist durch die Mieterstromversorgung bereits integriert, so dass auch ein späteres Installieren der Ladestationen möglich ist. Im Zuge der deutlich steigenden Nachfrage nach Elektroautos und der geplanten Erleichterungen im Gesetz zur Förderung von Barrierefreiheit und Elektromobilität im Miet- und Wohnungseigentumsrecht werden in Immobilien künftig immer öfter Ladestationen angeboten.

Ob mit der Wärmeversorgung oder dem Angebot an Ladestationen für Elektroautos, Immobilienbesitzer erschließen sich über die Mieterstromversorgung vergleichsweise einfach neue Geschäftsfelder und steigern den Immobilienwert. Darüber hinaus sind durch die Vernetzung der Anlagentechnik und weitere Leistungsangebote und Serviceleistungen möglich, Stichwort Smart City.

 

 

Beispiele von Mieterstrom in KfW-Effizienzhaus 40 Plus.

In einer Passivhaus-Wohnanlage mit 65 Wohneinheiten in München werden PV-Anlage, Speicher und 60 Ladestationen für Elektroautos installiert. Die Umsetzung erfolgt im Mieterstrom-Contracting. Auch ganze Quartiere wie Future Living Berlin erfüllen den KfW Standard 40 Plus. 69 Wohneinheiten, 20 Boarding House-Studios und 11 Gewerbeeinheiten sowie ein Café und ein Ausstellungs- und Seminarbereich werden mit Strom aus einer PV-Anlage und einem Speicher versorgt, genauso wie mehrere Wärmepumpen und Ladestationen für Elektroautos. Und genauso setzt eine Baugemeinschaft in Berlin bei ihrer Passivhaussiedlung auf KfW 40 Plus inklusive Mieterstromversorgung.

 

 

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