Wie ändert sich der Arbeitsalltag für Mitarbeiter und Angestellte, wenn Unternehmen wertebasierter und gemeinwohlorientierter wirtschaften? Mit unseren Kollegen von der Sparda-Bank München haben wir die wichtigsten Punkte festgehalten, die typisch „GWÖ“ sind. 

von Marianne & Michael

Inhalt:

  • Das ist die Gemeinwohl-Ökonomie.
  • Das bedeutet die Gemeinwohl-Ökonomie für Mitarbeiter:
  • Geteilter Erfolg.
  • Das passende Arbeitszeitmodell.
  • Flache Hierarchie – aber wirklich.
  • Förderung von Talenten.
  • Mitentscheidung.
  •  

    Der Sonntagabend ist so etwas wie das Vakuum der Woche. Da klammern sich dann wieder alle auf der Couch bei Netflix oder Tatort am Wochenende fest, als ob es hoffentlich keinen Montagmorgen gäbe. Behauptung: Mitarbeiter in gemeinwohlorientierten Unternehmen sind da wesentlich entspannter. Warum? Dazu muss man kurz erklären, was die Gemeinwohl-Ökonomie ist und will.

     

    Das ist die Gemeinwohl-Ökonomie. 


    Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine Bewegung aus Unternehmen, die sich für ein Wirtschaftsmodell einsetzen, in dem der sozial-ökologische Mehrwert der wirtschaftlichen Tätigkeit bedeutender ist als die finanzielle Rendite. Unternehmen sollen nicht nur Gewinne für sich selbst einfahren, sondern sie dazu nutzen, etwas zur Verbesserung der Gesellschaft beizutragen. 

     

    Gemeinwohlorientierte Unternehmen bilanzieren anders.

    In Gemeinwohlbilanzen halten die Unternehmen ihren Beitrag für die Gesellschaft fest und durchleuchten dazu gründlich ihre Lieferketten. Aber anders als bei einem herkömmlichen Nachhaltigkeitsbericht, wird nicht nur die Ökobilanz des Unternehmens geprüft, sondern genauso der menschliche Umgang zu allen Bezugsgruppen. Unternehmen werden danach benotet, wie Menschenwürde, Solidarität, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung intern wie extern gefördert werden. Je höher die Punktzahl ist, desto höher ist auch der Beitrag fürs Gemeinwohl. In der Vision der „GWÖ“ sollen Unternehmen mit einer hohen Punktzahl einmal  rechtlich-politisch begünstigt werden, etwa durch Steuervorteile. Das soll sie konkurrenzfähiger zur konventionellen Wirtschaft machen. 

     

    Medizin für ein ungesundes System.

    Die Werte sind deshalb so zentral, weil ihre Abwesenheit erst den Nährboden für Gier, Ausbeutung und Umweltzerstörung bereitet – ebenjene Krankheiten der freien Marktwirtschaft, die die Gemeinwohl-Ökonomie kurieren möchte. Aber wie äußert sich dies nun für Mitarbeiter? Mit der Sparda-Bank München haben wir uns darüber ausgetauscht. Schließlich sind wir die ersten Unternehmen unserer Branchen, die Gemeinwohlbilanzen erstellen. 

     

    Das bedeutet die Gemeinwohl-Ökonomie für Mitarbeiter.

Polarstern-Mitarbeiter Michael und Marianne Schmid von der Sparda-Bank München diskutieren ihre Rollen als Mitarbeiter in gemeinwohlorientierten Unternehmen.

 

1. Mitarbeiter teilen Erfolge.

Auch in der Gemeinwohl-Ökonomie verdienen Unternehmen Geld. Müssen sie. Aber sie tun es nicht um jeden Preis. So sind etwa bei der Sparda-Bank München riskante Deals und unmoralische Investitionen in Waffen, Menschenhandel und Nahrungsmittel tabu – wie übrigens bei allen nachhaltigen Banken. Geld zu verdienen ist eine wesentliche Voraussetzung, um glücklich zu sein. Gier nicht. In der GWÖ ist sie verpönt – das ist bei der Sparda-Bank München so, das ist bei Polarstern so. Diese Einstellung vom eigenen Arbeitgeber – einem wirtschaftenden Unternehmen – vorgelebt zu bekommen, ist ein gutes Signal an Mitarbeiter und färbt ab. So gibt es in beiden Unternehmen keine erfolgsabhängigen Vergütungen wie Bonuszahlungen für abgeschlossene Verträge. Lieber Gutscheine für wirklich gutes Essen oder mehr Urlaubstage und Freizeit. Aber dann für alle Mitarbeiter!

 

2. Jeder Mitarbeiter hat sein passendes Arbeitszeitmodell.

Ein gesundes Maß an interner Kontrolle ist wichtig, allein um die Qualität zu sichern. Ein ungesundes Maß erzeugt das Gefühl, überwacht zu werden, engt ein und verhindert neue, kreative Gedanken. In einem wertegetriebenen Unternehmen muss die Kontrolle der eigenen Arbeit von den Mitarbeitern selbst kommen. Und so wird es auch gelebt. In gemeinwohlorientierten Unternehmen wie der Sparda-Bank München und Polarstern lässt sich die Arbeit kurzfristig und langfristig flexibel einteilen, denn irgendwas ist immer im Leben. Ein Kind ist krank, Handwerker kommen zwischen 9 und 19 Uhr, oder man möchte am Wochenende einen früheren Zug erwischen. 

 

Ein freier Kopf kriegt mehr auf die Kette.

Die Sparda-Bank München bietet sogar 130 (!) Teilzeitmodelle an. Mitarbeiter zahlen außerdem Arbeitszeit in ein Familienzeitkonto ein. Bei Bedarf können sie sich die angesparte Freizeit „auszahlen“ lassen. Zum Beispiel um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Die Haltung dahinter: Wer sein Privatleben auf die Kette kriegt, wird mit einem freien Kopf in der Arbeit mehr reißen. Dazu passt auch, dass die Unternehmen von Freeletics bis Yoga viele Sportaktivitäten anbieten, so kriegt man auch während der tatsächlichen Arbeitszeit den Kopf wieder frei.

Wenn nicht gerade Oktoberfest ist, nutzen die Polarsterne die Theresienwiese zum Sporteln. Die "Wiesn" ist in Wurfweite von unserem Büro.

 

3. Die Hierarchien sind flach. Wirklich. 

Flache Hierarchie, das ist so ein flacher Ausdruck, aber in der Gemeinwohl-Ökonomie bleibt er keine Floskel. Niemand muss sich größer machen, keiner kleiner, um mit anderen auf Augenhöhe zu sein –  sie ist selbstverständlich da. So gibt es auch bei der Sparda-Bank München eine „Kultur der offenen Bürotür“, auch im Vorstandsbereich. Im GWÖ-Bericht der Sparda-Bank München heißt es über den Umgang zwischen Mitarbeitern und Führungskräften:

 

„Das bessere Argument ist überzeugender als die höhere Position."

 

Bei Polarstern geht es schon damit los, dass sich die Gründer als Mitarbeiter bezeichnen, wenn sie über sich selbst schreiben, den Kaffee kochen, mittwochs sogar Pasta und sich wie alle anderen um die Spülmaschine kümmern. Sagt eigentlich alles.

>>> Was Yoga mit flacher Hierarchie zu tun hat. 

 

4. Talente werden gefördert.

GWÖ-Unternehmen verfolgen einen stärkenorientierten Ansatz. Dahinter steht der Gedanke, dass nicht alle Menschen jede Aufgabe gleich gut können müssen. Warum auch? Jeder wird für seine wahren Talente gebraucht. Bei der Sparda-Bank München arbeiten alle Mitarbeiter mithilfe des Clifton StrengthFinders des Gallup-Instituts ihre fünf größten Stärken heraus. Am Ende hängt von jedem Mitarbeiter ein Bild mit den größten Qualitäten (zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit oder Behutsamkeit) an der Wand. Dies stärkt das Selbstbewusstsein einzelner Mitarbeiter und sorgt für Verständnis und Wertschätzung unter den Kollegen. Mehr noch: Weil Mitarbeiter ihre Tätigkeiten in energiespendende, neutrale und energieraubende kategorisieren, können bestimmte Aufgaben je nach Stärken neu verteilt werden, sodass sie am Ende wirklich bei der Person liegen, der sie am meisten Spaß machen. Wer seine Berufung lebt und sich auf Herausforderungen konzentriert, die er gerne macht, macht sie gut – und zügig. Davon profitieren alle – Mitarbeiter und Unternehmen.

 

5. Mitarbeiter entwickeln das Unternehmen mit. 

In der Gemeinwohl-Ökonomie sind Meinungen der Mitarbeiter nicht nur gefragt, sondern gewollt. Bei der Sparda-Bank München sind Mitarbeiter aktiv bei der Gestaltung des Unternehmens beteiligt. In Workshops wurden Anregungen und Ideen aufgenommen, danach kategorisiert, dann umgesetzt. Zusätzlich gibt es Teams, die neue Maßnahmen für Umweltschutz, Gesundheit und Familienfreundlichkeit entwickeln. Bei Polarstern hat zwar jeder seine Hauptaufgabe, aber Mitsprache und Mitgestaltung in anderen Bereichen sind immer gewünscht. Dazu geben Mitarbeiter Kurse – von Photoshop bis Suchmaschinen optimiertem Texten. Das eröffnet neue Perspektiven und hilft, dass wir uns schneller weiterentwickeln.

Preis für GWÖ-Strom berechnen

In den meisten Unternehmen läuft es anders ab.

Jetzt wird der eine oder andere (hoffentlich) sagen: Was ist besonders an dieser Unternehmenskultur? Ist doch bei mir auch so. Na dann, umso besser! Wer dagegen in seinem Unternehmen noch viel Luft nach oben sieht, kann mehr gemeinwohlorientiertes Wirtschaften im Unternehmen anregen. Es lohnt sich einfach. Auch ökonomisch. Die Bankenkrise etwa, hat die Sparda-Bank München nicht nur ohne Schaden überstanden, sondern sogar gestärkt. Denn am Ende honorieren viele Menschen ethisches Wirtschaften – und werden Neukunde. 

 

Ehrliches Handeln statt CSR-Pflicht.

Im Idealfall werden in der Gemeinwohl-Ökonomie Unternehmen zu ehrlichen Role Models für ökologisches oder soziales Handeln. Und dies, weil es allen wichtig ist, und nicht weil man gesetzlich verpflichtet ist, einen CSR-Bericht zu erstellen. Manche Unternehmen waren schon immer gemeinwohlorientiert, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, andere sind vielleicht auf einem guten Weg. Eine Gemeinwohl-Bilanz ist für jedes Unternehmen auch eine gute Möglichkeit herauszufinden, welche Maßnahmen es fürs Gemeinwohl anpacken kann. 

>>> Was alle von der Gemeinwohl-Ökonomie lernen können. 

 

So unterstützt du die Gemeinwohl-Ökonomie.

Über 400 Unternehmen zählen bereits zur Gemeinwohl-Ökonomie. Wenn du dich auch als Kunde mit Herz und Verstand einem gemeinwohlorientieren Unternehmen verbundener fühlst, kannst du dich noch heute für ihre Produkte oder Dienstleistungen entscheiden. Der Bankwechsel geht schneller, als du denkst, und der Strom- oder Gaswechsel sowieso. Dauert nicht länger als die Lesedauer des Artikels.

Außerdem haben wir eine Landkarte erstellt, auf der du alle Social Businesses in deiner Region findest. So nennt man Unternehmen, die mit ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung einen sozialen oder ökologischen Mehrwert schaffen.

>>> Jetzt Social-Businesses finden.  

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