Schwein schaut in die Kamera

Die Deutschen essen pro Kopf rund 60 Kilogramm Fleisch im Jahr. Wobei, stimmt nicht. Denn jährlich landet das Fleisch von über 10,5 Millionen Tieren in der Tonne. Weil wir schlichtweg zu wählerisch sind und nur ein Bruchteil eines Tieres essen oder sie so schlecht behandeln, dass sie nicht bis zur Schlachtung überleben. Dringend Zeit, das zu ändern. Gründe und Ideen gibt’s hier.

von Michael

 

17 % der Lebensmittel landen im Müll.

Kleine Kinder dürfen das: Sich einen Brokkoli in den Mund stopfen, ihn ein paar Sekunden im Mund behalten, bevor die Zunge dem Hirn, und der Gesichtsausdruck den Anwesenden sagt, dass Brokkoli scheiße schmeckt. Woher soll man's wissen mit 3, 4, 5? Erwachsene müssten es besser wissen. Hundertmal Brokkoli gekauft. Hundertmal weggeschmissen. Und so wirft laut Bundesernährungsministerium jede:r Deutsche jährlich 75 Kilogramm Lebensmittel weg. Laut einem Bericht der UN sind 2019 weltweit 17 % der verkauften Lebensmittel in der Mülltonne gelandet.

Eine Pflanze hochzuziehen, sie zu bewässern, um sie am Ende wegzuwerfen, ist tragisch genug. Im Fall von tierischen Produkten ist es skandalös. Aber eigentlich gibt es das Wort dafür nicht, was es ist. Wenn man ehrlich ist, sterben alle Tiere, die für den menschlichen Konsum herhalten müssen, unnötig. Aber solche, die nicht mal den vom Menschen bestimmten Zweck ihres Lebens erfüllen, nämlich verspeist zu werden, sterben noch mal unnötiger. 

 

100 Millionen Tiere sterben für nix.

Und es sind zu viele. Laut Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung werden jedes Jahr in Deutschland rund 100 Millionen Tierleben vergeudet. Am prominentesten trifft es die männlichen Küken. 2022 soll zwar das Töten von Küken am ersten Lebenstag verboten werden, aktuell sind es aber noch 45 Millionen Tiere jährlich. Einfach weil sich ihr Leben nicht rentiert. Das gleiche Schicksal teilen bis zu 200.000 männliche Kälber im Jahr. Das wenige Fleisch, das sie ansetzen, lohnt die Kosten für Futter und Haltung nicht. Wer länger leben darf, muss erst mal die Aufzucht überleben. Auch hier verenden viele Millionen Tiere frühzeitig. Zum Beispiel weil die Haltungsbedingungen lebensfeindlich sind – und die Erwartungen an das Tier zu groß. So muss etwa eine Zuchtsau laut Fleischatlas 101 Ferkel in ihrem Leben gebären. Dabei sterben 16 % der Ferkel, das sind rund 8,6 Millionen Lebewesen im Jahr.

 

Fleischabfälle in Deutschland.

Am schlimmsten ist es aber, wenn das Ende der Nahrungskette, der Mensch, am Ende sagt: Mag ich doch nicht. Der Fleischatlas hat die Verluste an Fleisch- und Wurstabfällen in Deutschland pro Jahr in Tiere umgerechnet. Es sind rund 10,5 Millionen Tiere. Davon:

  • 8.900.000 Hühner
  • 640.000 Schweine
  • 52.000 Schafe und Ziegen
  • 50.000 Rinder
  • 450.000 Puten
  • 360.000 Enten
  • 71.000 Gänse.

Die weltweiten Verluste. 

2016 sollen laut Fleischatlas 11,9 % der weltweiten Fleischproduktion zwischen Schlachtung und Verkauf "verlorengegangen" sein. Das entspräche 115 Millionen Rindern oder 413 Millionen Schweinen. Bei den Gründen der Verschwendung gibt es dabei zwischen dem globalen Süden und Norden einen markanten Unterschied: dem Süden fehlt meistens die Kühlkette, dem Norden der Appetit. Bei uns werden zwischen 4 bis 11 % der verkauften Fleischwaren von den Konsument:innen weggeschmissen. Der ganze Aufwand, der ganze Ressourcenverbrauch, das ganze Leid umsonst. Man möchte sich selbst und allen anderen um sich rum sagen, was die Mama auch schon gesagt hat: Iss doch mal einen Apfel! 

 

So viel wird von einem Tier gegessen.

Die Verschwendung liegt auch am definierten Lebenswert. Fleisch war einst etwas Besonderes. Mit der Massentierhaltung wurde das Besondere zum Standard, und der Standard zum Ramsch. Ein Werbeprospekt preist heute "Minuten-Steaks" vom Schwein an. Für 1,99 Euro. Runtergesetzt von 3,16 Euro. 37 % gespart. Verachtung kann man auch in Zahlen ausdrücken.

Nur 60 % eines Schweins wird auch gegessen.

Durch die Verfügbarkeit des Fleischs picken sich die Konsument:innen nur noch bestimmte Teile eines Tieres raus, zum Beispiel Koteletts, Schnitzel, Filets, Brust und Schenkel bei Geflügel. Flügel und Füße werden in andere Länder exportiert. In Deutschland werden nur rund 60 % eines geschlachteten Schweins gegessen. Innereien spielen so gut wie keine Rolle mehr. Hier sank der Konsum zwischen 1991 und 2019 in Deutschland um 90 %. Vor Zunge, Nieren und Kutteln ekeln sich die Verbraucher:innen mehr als vor der Wurst mit Gesicht. 

Wenigstens kann man vieles vom Tier, das nicht verzehrt wird, noch anderweitig nutzen. 2019 wurde ein Schlachtgewicht von 2,6 Millionen Tonnen für Tierfutter, Biokraftstoff, Düngemittel, chemische und anderweitige Produkte verarbeitet. 

Wirklich bessere Energie gibt's hier

 

Die Verantwortung der Industrie.

Ad hoc muss sich die Industrie um bessere Kühlketten bemühen. Um eine würdige Haltung, um ausreichend tiermedizinische Versorgung und um eine realistische Erwartung an die Tiere. Außerdem können Mehrnutzungsrassen das Töten männlicher Tiere verhindern oder zumindest einschränken. 

Die Biohennen machen es vor. 

Ein gutes Beispiel ist der Einsatz von Zweinutzungshühnern, wie es unser Polarstern-Partner Die Biohennen vormacht. Zweinutzungshühner sind alte Hühnerrassen, bei denen die Hennen weniger Eier legen, die Hähne dafür mehr Fleisch ansetzen. Und zwar genügend, dass sie nicht durch die Eier ihrer Schwestern finanziert werden müssen. Bei den Zweinutzungsrassen wachsen Hühner und Hähne ganz natürlich miteinander auf, so wie sie geschlüpft sind. Da die Erwartungen an die Tiere nicht so unrealistisch sind wie in den Hochleistungsbetrieben, sind die Tiere wesentlich robuster und gesünder. Mehr über die guten Biohennen-Bio-Eier von den Zweinutzungshühnern erfährst du auf der Website der Biohennen

Die Biohennen im Interview

 

Die Verantwortung von uns als Kund:innen. 

Wenn man das als Konsument:in möchte, muss man natürlich auch mitziehen, das heißt: bereit sein, mehr zu zahlen. Aber der Preis ist nicht alles. Die Mindesterwartung an den Fleischesser ist: es essen. Ganz essen. Nicht immer nur die Brust oder ein Filet. Zum Beispiel indem man auch mal Innereien isst. Bevor Corona bedingt alles schließen musste, zeichnete sich in der Gastronomie der Trend ab, Tiere wieder ganz zu verwerten. Einige sehen die Ganztierverwertung als Qualitätsmerkmal des Betriebs, schließlich wird die Küche nachhaltiger – und kreativer.

Tierwirtschaft für mehr als 14 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Bevor der Elefant im Raum auch noch gegessen wird, muss man als Fleischesser:in ehrlich zu sich sein. Wir kommen um eine pflanzliche Ernährung nicht herum. Es geht nicht nur um ein Ende des Tötens, sondern um unsere eigene Existenz. Der Fleischkonsum hat uns vermutlich erst in die Pandemie geführt, die letztlich nur ein Vorgeschmack davon ist, zu was der Klimawandel noch in der Lage ist. Und die Tierwirtschaft ist laut FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN, für etwa 14,5 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Fläche, die für die Tierhaltung und den Futteranbau benötigt wird, ist eine, die wir uns selbst wegnehmen. Laut Greenpeace werden 80 % der weltweiten Weide- und Ackerflächen für die Tierhaltung und den Anbau von Futtermitteln wie etwa Soja genutzt, obwohl tierische Lebensmittel nicht einmal 20 % der weltweiten Nahrungsversorgung ausmachen. 

 

Tipps gegen die Verschwendung.

Aufhören ist zwar immer eine einfache Antwort, aber noch keine einfache Lösung. Einen Wirtschaftszweig, einen Habitus und einen Geschmack legt man nicht so schnell lahm oder ändert ihn von heute auf morgen. Aber diese Tipps kriegt schon mal jede:r hin: 

1. Mach einen veganen Selbstversuch. In unserem Artikel über den Veganuary findest du viele Tipps, wie das einfach funktioniert. Du gewinnst viel mehr, als du verlierst. Das betrifft nicht nur den Geschmack, sondern genauso die Lebewesen. Wenn du dich nur ein Jahr vegetarisch oder vegan ernährst, rettest du laut Fleischrechner statistisch gesehen schon 12 Hühnern, einem halben Schwein und dem Zehntel einer Kuh das Leben. Außerdem sparst du eine halbe Tonne CO2. Auf zehn Jahre gerechnet sind es fünf Schweine, mehr als ein halbes Rind, 117 Hühner und 6 Tonnen CO2. 

2. Probiere pflanzliche Alternativen: Ein paniertes Sellerieschnitzel schmeckt besser als jedes durchschnittliche Wirtshausschnitzel „Wiener Art“. Wirklich.

3. Hatten wir schon, aber: Iss auf! Jede Verschwendung sorgt dafür, dass noch mehr produziert werden muss. Erinnerung: Jedes Jahr landen alleine in Deutschland durch Verschwendung über 10,5 Millionen Tiere im Hausmüll. Entdecke Ungewohntes wie Nieren, Leber, Kutteln und suche Angebote raus wie von den Biohennen. 

4. Konsumiere Fleisch, von dem du weißt, wo es herkommt. Am besten beziehst du’s direkt beim Bauern. Besuch die Tiere, schau dir an, wie toll sie sind!

5. Wenn du Fleisch ist, iss Rind am seltensten. Die Zucht verbraucht die meisten Ressourcen und hat den größten CO2-Fußabdruck.

6. Erinnere dich daran, dass Fleisch ein Luxus ist. Der Wert eines Lebewesens sollte sich nicht in Euro umrechnen lassen. Fleisch unter Preis zahlen alle. Zum Beispiel über Agrarsubventionen, Infektionskrankheiten und irreparablen Klimaschäden.

 

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Michael | Team Wirklich

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