5 Minuten... mit Daniel Überall vom Kartoffelkombinat | Polarstern
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5 Minuten... mit Daniel Überall vom Kartoffelkombinat

Frei nach dem Motto „Think global, act local“ sind beim Münchner Gemüseabo Kartoffelkombinat Haushalte und Betriebe aus dem Umland in einer solidarischen Landwirtschaft organisiert – und bestimmen gemeinsam über Gemüseanbau und Ernte. Sowohl das Gemüse als auch das unternehmerisches Risiko teilen sich die „Genossen“ gemeinschaftlich auf. Wir sprachen mit Kartoffelkombinat-Gründer Daniel Überall – und zum Tag des deutschen Apfels verrät der noch ein hervorragendes Apfel-Rezept. 

Gemüseabo Kartoffelkombinat

Foto: Daniel Überall und Simon Scholl vom Kartoffelkombinat

Wie im eigenen Garten

Wer beim Kartoffelkombinat Mitglied ist, der bekommt jede Woche eine Kiste Gemüse. Was ist der Unterschied zwischen einem Gemüseabo bei euch und anderen Gemüsekisten?

DANIEL Der Hauptunterschied ist, dass wir eine Gemeinschaft sind, die sich zusammengeschlossen hat, um eine regionale und saisonale Grundversorgung aufzubauen. Ich vergleiche das immer mit dem Gemüseanbau im eigenen Garten: Am Anfang des Jahres hat man ein paar Kosten zu tragen. Im Laufe des Jahres kümmert man sich dann um seine Gemüsekulturen bis zu ihrer Ernte. In einem privaten Garten würde man nie etwas wegwerfen, nur weil es zu dick, zu dünn, zu krumm, zu gerade, zu groß oder sonst irgendwas ist und genauso ist das beim Kartoffelkombinat. 

Wir ernten alles, was es zu der entsprechenden Jahreszeit zu ernten gibt und teilen das auf alle unsere Mitglieder auf, genauso wie wir am Anfang die Investitionskosten unter uns aufgeteilt haben. Wir verteilen das betriebswirtschaftliche Risiko auf alle Mitglieder, wir verteilen alle Gesamtkosten und auch die komplette Ernte. Und das ist schon etwas ganz anderes, als ein passiver Konsument, der eine Gemüsekiste bestellt. Man kann sich bei uns nicht irgendwas in die Kiste rein oder raus bestellen. Vielmehr funktioniert das wie im eigenen Garten: Das was reif ist, wird verwendet.

Hat jeder Genosse sein eigenes Fleckchen in eurem Gemeinschafts-Garten?

DANIEL Nein. Es ist kein ‚Selbsterntegarten’, bei dem sich jedes Mitglied der Landwirtschaftsgemeinschaft aktiv um den Gemüseanbau kümmern muss. Vielmehr betreiben wir gemeinschaftlich die Gärtnerei, die tatsächliche, fachkundige Arbeit übernehmen dabei professionelle Gärtner.

Können eure Genossen auch mit anpacken, wenn sie wollen?

DANIEL Ja, selbstverständlich. Wir haben eine zweiwöchentliche Mitgärtnergruppe. Dazu finden sich samstags 10 bis 12 Genossen zusammen, die Lust haben mitzuhelfen. Da können sie selbst Hand anlegen und erfahren natürlich auch ganz viel von unseren Gärtnern. Aber unser Ansatz ist eigentlich so ausgelegt, dass alles auch funktioniert, wenn bei uns nur die bezahlten Kräfte arbeiten. Bezahlte Kräfte sind die Gärtner, das Packteam, die Fahrer, die Buchhaltung und die Administration und das Organisationsteam rund um den Vorstand.

Also sind die Mitglieder letztendlich Finanzierer und Teilhaber der solidarischen Landwirtschaft?

DANIEL Man engagiert sich in Form der Kostenübernahme und kann sich beim Gemüseanbau so weit einbringen, wie man selbst Lust und Zeit hat. Das heißt, die Grundversorgung unseres Gartens wird von bezahlten Kräften gestemmt, aber das persönliche Engagement der Genossen macht unsere Gemeinschaft noch bunter, vielfältiger und attraktiver für alle. Wir haben beispielsweise ein Bildungsangebot von Genossen für Genossen, das bereits als Projekt für nachhaltige Bildung von der UNESCO ausgezeichnet wurde. Wir haben eine interne Bibliothek, wir machen Hoffeste, kochen gemeinschaftlich und so weiter.

Gemüseauswahl im Katoffelkombinat

Welchen Einfluss haben eure Genossen auf die Gemüseauswahl?

DANIEL Wir haben letztes Jahr eine Umfrage gemacht zur Beliebtheit von Gemüsekulturen. Wir wollten die Gemüsekulturen, die beliebter waren als andere, ein bisschen mehr anbauen. Dieses Jahr machen wir es komplett anders, weil wir in Teilpacht gehen. Und weil wir jetzt einen Teil der Gärtnerei pachten, müssen wir uns auch an den entsprechenden Fruchtfolgen orientieren. Wir können nicht einfach auf den Flächen, die wir da pachten, anbauen was wir lustig finden. Am Ende haben unsere Mitlieder aber im Großen und Ganzen wieder dasselbe in den Gemüseabo-Kisten, was wir im vergangenen Jahr auch hatten.

Gab es dazu negatives Feedback?

DANIEL Nein, überhaupt nicht. Wenn die Mitglieder paar Wochen hintereinander Sellerie im Gemüseabo bekamen, sagen die Leute natürlich schon: „Woah bin ich froh, wenn die Selleriezeit vorbei ist.“ Aber unsere Mitglieder lassen sich ja bewusst darauf ein. Und wir legen Woche für Woche abwechslungsreiche Rezepte in die Kiste, sodass sie in der einen Woche Selleriesalat machen können, in der nächsten Sellerieschnitzel, dann Selleriesuppe oder Selleriepüree. Das ist dann auch abwechslungsreicher als es zunächst scheint. Und neben Sellerie sind ja auch immer noch fünf bis sechs andere Gemüse in der Kiste...

Habt ihr für jedes Gemüse in der Kiste ein Rezept?

DANIEL Wir haben ein bis zwei Rezepte pro Woche in der Kiste. Für einen Salat, der darin liegt gibt es natürlich kein Rezept, aber wenn wir etwas Besonderes darin haben, was zum Beispiel zum ersten Mal darin liegt, dann gibt es ein Rezept dazu. Bei ungewöhnlicheren Gemüsearten geben wir auch Tipps und Tricks zur Lagerung etc. an die Hand. Denn es ist die größte Sorge der neuen Mitglieder, dass sie Gemüse bekommen, mit dem sie nichts anzufangen wissen. 

Das Kartoffelkombinat Gemüseabo

Wie abwechslungsreich sind eure Kartoffelkombinat Kisten?

DANIEL Sehr abwechslungsreich. Wenn du im Supermarkt einkaufen gehst, dann kaufst du ja doch immer die gleichen Sachen. Gurken, Tomaten, Paprika und Zucchini, weil du dich an die anderen Sachen in der Regel nicht rantraust – wenn es die überhaupt gibt. In einer solidarischen Landwirtschaft wie dem Kartoffelkombinat wirst du aber immer wieder mit ausgefallenem Gemüse konfrontiert. Das empfinden unsere Mitglieder als Bereicherung für ihre Ernährung.

solidarische Landwirtschaft

Und gibt es bei euch als „Kartoffelkombinat“ verstärkt Kartoffeln im Gemüseabo?

DANIEL Nein, den Namen haben wir vor allem aufgrund seines Wiedererkennungswertes gewählt. Natürlich gibt bei uns Kartoffeln, sie bilden eine gewisse Basis, aber nicht weil wir Kartoffelkombinat heißen, sondern weil Kartoffeln einfach dankbar sind. Sie lassen sich toll lagern und sehr abwechslungsreich zubereiten: von Pellkartoffeln, über den Kartoffelkuchen bis hin zum Knödel.

Habt ihr den Eindruck, dass die Mitglieder der solidarischen Landwirtschaft auch in anderen Bereichen bewusster leben?

DANIEL Viele erzählen uns, dass sie, seitdem sie bei uns mitmachen, auch in anderen Lebensbereichen mehr darüber nachdenken, was sie da eigentlich machen und welche Konsequenzen ihr Handeln hat. Angefangen beim Ökostrom - zum Beispiel vom Münchner Ökostrom Anbieter Polarstern - bis zur Frage, bei welcher Bank sie ihr Konto haben und von wem ihre Klamotten produziert werden. Wir sind fast so ein bisschen wie ein trojanisches Pferd. Der Einstieg über die Ernährung ist einfach sehr leicht.

Die solidarische Landwirtschaft wächst heran

Wie viele Genossen hat das Kartoffelkombinat aktuell?

DANIEL Anfang letzten Jahres hatten wir ungefähr 85 Haushalte. Jetzt sind wir bei 380 Haushalte. Das heißt wir haben uns in zwölf Monaten mal kurz um 300 Haushalte vergrößert.

Welche Lebensmittel sind denn aktuell in euren Gemüseabo-Kisten und welches Rezept empfiehlst du damit?

DANIEL Wir haben diese Woche Äpfel, Walnüsse, Sellerie, Rote Beete, Kartoffeln, Federkohl, Feldsalat und unser leckeres Brot. Dazu haben wir Rezept für Pasta mit Federkohl gelegt: Den Federkohl 10 Minuten blanchieren, abgießen und abschrecken, weil er sonst weiter durchzieht. Die Nudeln kochen, zwei bis drei Knoblauchzehen, eine rote Zwiebel fein würfeln, mit zwei Esslöffeln Butter andünsten und dann den Federkohl in mundgerecht Stücke schneiden. Dann ihn unter die Zwiebeln und die Knoblauchzehen mischen, mit Gemüsebrühe abwaschen, aufkochen, salzen, pfeffern, frisch geriebene Muskatnuss dazu, noch ein bisschen schmoren lassen und mit Pecorino oder Parmesan zusammenmischen. Zum Schluss noch Pinienkerne oder Mandeln darüber strezen und fertig ist die wunderbare Pasta mit Federkohl.

Danke für das Gespräch, Daniel!

Zum Tag des deutschen Apfels verrät Daniel noch ein leckeres Apfel-Rezept. So geht's:

Jeweils die gleiche Menge Rote Bete, Karotten oder Pastinaken und Äpfel (mit Schale) grob raffeln oder in Stifte schneidern. Eine Orange filetieren, in kleine Stücke teilen und zum Salat geben. 

Sauce A (vegan): Den Saft einer weiteren Orange (wer es säuerlicher mag, Zitronensaft oder Apfelessig) und etwas Walnussöl dazugeben. Salz, Pfeffer ... fertig.

Sauce B: Saure Sahne, Meeretich, Salz, Pfeffer - alles mengenmäßig je nach Geschmack mit Walnüssen zu einem sämigen Dressing pürieren.

Den Salat mit gerösteten Walnusskernen bestreuen.

 

 

 

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