5 Minuten mit... CHRISTOPH HARRACH von KARMAKONSUM | Polarstern
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5 Minuten mit... CHRISTOPH HARRACH von KARMAKONSUM

nachhaltiger Konsum KARMAKONSUM

Christoph Harrach ist einer der treibenden Kräfte der deutschen Nachhaltigkeitsbewegung. Er ist Gründer des beliebten Trendportals karmakonsum.de und berät Unternehmen im nachhaltigen Wirtschaften. Im Gespräch mit Polarstern erklärt Christoph, wie man mit seinem Konsum am effektivsten Verantwortung übernimmt.

"Sobald jemand Bio-Produkte im Discounter kauft, praktiziert er nachhaltigen Konsum"

Wo fängt für Dich bewusster Konsum an?

CHRISTOPH Sobald jemand Bio-Produkte im Discounter kauft, praktiziert er nachhaltigen Konsum. Also in dem Moment, in dem die nachhaltigen Produkte in den Warenkorb gelegt werden, fängt es an.

Also nicht bereits beim Nachdenken über nachhaltigen Konsum, sondern wirklich erst in der Aktion des Kaufens, Auswählens oder Tuns?

CHRISTOPH Genau. Trotzdem sollte man diese Sympathisanten, die über nachhaltigen Konsum nachdenken, berücksichtigen, einbeziehen und auch dazu einladen, tatsächlich in die Aktion zu kommen. Ihnen müssen wir konkrete Alternativen aufzeigen, damit sie nicht nur darüber nachdenken bewusst zu konsumieren – sondern es dann auch tun.

Gab es in Deinem Leben ganz konkret einen Schlüsselmoment, wo du angefangen hast deinen Konsum zu hinterfragen?

CHRISTOPH Bei mir hat das 2001 angefangen mit Beginn der Yoga-Lehrerausbildung. Zu dieser Zeit habe ich mir viele Gedanken um die Gesundheit, aber auch um die Verantwortung jedes Einzelnen gemacht habe. Ich bin damals auch Vegetarier geworden... 

Was ist der Antrieb für nachhaltigen Konsum

Sind solche ganz persönlichen Schlüsselmomente der typische Einstieg zum nachhaltigen Konsum oder ist es eher die Ermahnung von außen, die hier die treibende Kraft ist?

CHRISTOPH Es gibt sehr individuelle Motivationen, warum Menschen anfangen nachhaltiger zu konsumieren. Ein großes Element ist natürlich die eigene Gesundheit und die Verunsicherung durch Medienberichte über Umweltgifte und -katastrophen wie zum Beispiel Fukushima. Ein anderes Element, das ich häufig beobachte, ist die Geburt eines Kindes. Dann fangen viele Leute an darüber nachzudenken, zu einem über die Gesundheit des Kindes, aber auch was für eine Zukunft sie dem Neuling auf der Erde hinterlassen.

Ist nachhaltiger Konsum nicht wahnsinnig anstrengend, weil ich mich informieren und viel über die konsumierte Ware wissen muss?

CHRISTOPH Als anstrengend würde ich das jetzt nicht bezeichnen. Denn wenn man intrinsisch motiviert ist, dann wird man auch die Bereitschaft haben, relevante Informationen zu suchen. Außerdem ist die Verfügbarkeit von Informationen und Produkten heute so groß wie nie. Insbesondere durch das Internet gibt es ganz viele breit zugängliche Informationen und Bewertungen. Da haben wir beispielsweise im Biolebensmittelbereich das EU-Biosiegel, das eine sehr starke Orientierung bietet. Außerdem gibt es im Lebensmittelbereich Fairtrade-Siegel. Aber das Wirkungsvollste sind in praktisch jedem Bereich Empfehlungen von Familie und Freunden. Genauso spielt das Empfehlungsmarketing von Meinungsführern eine zentrale Rolle. Das heißt, angehende Vegetarier erkundigen sich zum Beispiel oftmals in Communities oder auf Portalen bei erfahrenen Vegetariern.

"das Umweltbewusstsein ist heute so hoch wie noch nie"

Sind die Verbraucher durch die ganze Aufklärung heute automatisch informierter als früher? 

CHRISTOPH Ja, auf jeden Fall. Das Umweltbundesamt erstellt regelmäßig eine Studie zum Umweltbewusstsein der Deutschen. Sie hat zuletzt deutlich belegt, dass das Umweltbewusstsein heute so hoch ist wie noch nie. Auch der Absatz von fair gehandelten Produkten oder Biolebensmitteln wächst kontinuierlich.

Es ist ja nicht immer ganz so leicht... Man nimmt sich vor, nachhaltig und bewusst zu konsumieren, und dann kommt irgendetwas dazwischen, beispielsweise ein Geschäftsessen. Darf man hier beim nachhaltigen Konsum Abstriche machen?

CHRISTOPH Da bin ich etwas entspannter geworden. Wichtig ist, dass man dort, wo es mühelos geht, konsequent nachhaltig konsumiert. Aber wenn jetzt beispielsweise Menschen für einen gekocht haben und es nicht „bio“ ist, dann wäre es falsch, es nicht zu essen. 

Wie schwer ist der Verzicht beim nachhaltigen Konsum oder anders gesagt, wie groß ist die Bereitschaft der Verbraucher weniger oder einfacher zu konsumieren?

CHRISTOPH Das Schwierigste am nachhaltigen Konsum ist für viele der Verzicht. Dabei ist oftmals weniger mehr: Wenn man erst einmal seinen Konsum nachhaltig gestaltet hat, dann sind viele Dinge einfacher. So zum Beispiel der Einkauf im Bioladen, der ein kleineres Sortiment führt als konventionelle Supermärkte, wo man alle paar Meter verschiedene Joghurtsorten angeboten bekommt und dann schnell überfordert ist. Bewusster Konsum kann also das Leben einfacher machen, weil man dosierter konsumiert und versucht darauf zu achten, ob man etwas wirklich braucht. Im Grunde ist das Alles eine Sache der Einstellung.

"Es muss nicht immer gleich 100 Prozent nachhaltig sein"

Wenn jemand das ganze Thema jetzt sehr inspiriert hat oder er auf Grund von aktuellen Lebensmittelskandalen nachhaltiger konsumieren möchte, was empfiehlst du demjenigen? Was sind die ersten und wichtigsten drei Schritte bewusster zu konsumieren? 

CHRISTOPH Zu allererst darf man sich nicht überfordern. Es muss nicht immer gleich – in jedem Bereich und bei jeder Handlung – 100 Prozent nachhaltig sein. Ich empfehle immer gern die „Key Points“ von Michael Billharz, ein Wissenschaftler, der geschaut hat, was die Kernpunkte sind, die einen wirklichen Impact haben. Und damit sollte man anfangen. Die Maßnahme mit der größten Wirkung ist demnach der Wechsel zu Ökostrom. Das ist wirklich überhaupt nicht aufwändig. Das ist ein Formular und damit hat man 30 Prozent seiner jährlichen CO2-Emissionen klimaneutral gestaltet. Der zweite wichtige Punkt ist die Ernährung. Das heißt, der Verzicht auf Fleisch und idealerweise auch auf Milchprodukte. Außerdem sollte man bevorzugt regionales und saisonales Obst und Gemüse einkaufen. Meine dritte Empfehlung lautet, beim nächsten Umzug nicht den Wohnraum zu vergrößern, sondern zu verkleinern. Letzten Endes läuft alles beim Konsum und seiner Umweltwirkung darauf hinaus, auf welcher Fläche man lebt. Und schließlich gehört das ganz Thema Mobilität zum nachhaltigen Konsum. Das bedeutet, nicht fliegen, Fernreisen innerhalb Deutschlands mit dem Zug machen und auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen sowie das Fahrrad nutzen. Der fünfte Punkt ist schon etwas fortgeschrittener. Hier geht es darum, die Arbeitszeit und das Einkommen zu reduzieren, damit man weniger Versuchungen hat, zu konsumieren und mehr Zeit, sich sozial-ökologisch zu engagieren.

Nachhaltiger Konsum bedeutet auch weniger zu arbeiten

Der fünfte Punkt, die Reduktion der Arbeitszeit, wird im Zusammenhanf mit nachhaltigem Konsum eher selten besprochen...

CHRISTOPH Das stimmt. Aber auch Vordenker wie zum Beispiel Niko Paech in seiner Postwachstumsökonomie sprechen davon, dass wir Arbeitszeit reduzieren sollten. Und, dass das auch ohne Einkommenseinbußen möglich ist, weil die zunehmende Automatisierung viele Jobs hinfällig gemacht hat und trotzdem diese Wertschöpfung generiert wird. Es geht also um eine Umverteilung. Gerade diejenigen, die sehr viel verdienen, arbeiten besonders viel. Auch hier könnte eine Umverteilung stattfinden. Wenn etwa ein Topmanager mit einer 70 Stunden Woche das auf zweimal 35 Stunden aufteilen würde, dann würde das Gehalt immer noch gut für zwei Personen reichen. 

Du beobachtest die Entwicklung des nachhaltigen Konsums schon sehr viele Jahre. Was sind für dich aktuelle Trends? 

CHRISTOPH In der Ernährung ist Veganismus ein großes Thema. Auch das ganze Thema Do-It-Yourself, Handarbeit, Selbermachen ist groß im Kommen. Egal, ob Farming, selber stricken oder Waren selber herstellen. Und es geht mehr um das Bewusstsein. Man kann nicht einfach dem, was vorher konventionell, einen grünen Anstrich verleihen und dann trotzdem genauso weitermachen wie bisher. Es geht eben auch um einen Kulturwandel: Weniger ist mehr. Eine neue Einfachheit entdecken. Ich erkenne hier eine große Sehnsucht bei den Menschen. Man braucht sich nur die Auflagen von diesen Simplify-Your-Life Büchern anschauen, wie die durch die Decke schießen...

nachhaltiger Konsum

Nachhaltiger Konsum für jedermann

Was denkst Du muss getan werden, um diesen nachhaltigen Konsum in die Masse zur tragen?

CHRISTOPH Wir brauchen ganz klar von politischer Seite eine ökologische Steuerreform. Die Kollateralschäden etwa von Produkten müssen dabei berücksichtigt werden. Das heißt, es muss eine Gesamtkostenrechnung der Produkte erstellt werden, bei der beispielsweise bei einem Produkt, das eingeflogen wurde, die CO2-Emissionen eingepreist sind. Dadurch wäre ein Produkt aus der Region günstiger. Und die Produkte, die einen hohen CO2-Fußabdruck haben, wären teurer. Das würde die richtigen Anreize im Markt schaffen. Und natürlich muss die Bildung auf allen Ebenen ausgebaut werden, angefangen im Kindergarten. Das Prinzip der Nachhaltigkeit muss erklärt werden. Was heißt das überhaupt so zu leben, dass die nächste Generation noch genauso leben kann wie wir? Dass wir nicht mehr dem Ökosystem entnehmen dürfen, wie es selber wieder herstellen kann? Das ist auch ganz klar ein Bildungsauftrag. Schließlich sind die Unternehmen aufgefordert mehr Angebote auf den Markt zu bringen, die dem Prinzip des nachhaltigen Konsums entsprechen. Dazu gehört mehr Commitment von ihrer Seite, die eigene Wertschöpfungskette sauber zu machen.

"Wie einfach so ein Stromwechsel ist und welchen immensen Einfluss er hat"

Christoph, Du beziehst ja bereits Ökostrom! Ist es eine deiner ersten Maßnahmen für nachhaltigen Konsum gewesen?

Nein. Das Ding ist, dass der Mensch egoistisch ist. Das heißt, er fängt dort an, wo es ihm am nächsten ist. Und das ist nun einfach mal die Ernährung. Das Thema Strom ist hingegen sehr abstrakt. Man spürt ja nicht, ob ein anderer Strom aus der Steckdose kommt, wenn man den Anbieter wechselt. Auch Computer und andere Elektrogeräte laufen normal weiter. Von daher ist es eine wichtige Kommunikationsaufgabe zu erklären, wie einfach so ein Stromwechsel ist und welchen immensen Einfluss er hat. 

Christoph, wir danken Dir für das anregende Gespräch!

 

Für alle Inspirierten: Christoph Harrach ist auch Herausgeber eines wöchentlichen Trend-Newsletter für ein bewusstes und nachhaltiges Leben. Er kann hier abonniert werden: www.karmakonsum.de/news

 

Mit CHRISTOPH HARRACH sprach Anna Zipse von Polarstern Energie

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